FAZ 26.07.2026
14:12 Uhr

Nach der Tour de France: Pogačars Erben stehen bereit


Wie kaum ein anderer vor ihm dominiert Tadej Pogačar den Radrennsport. Im Peloton warten gleich mehrere Thronanwärter auf ihre Chance. Wann kommt ihre Zeit?

Nach der Tour de France: Pogačars Erben stehen bereit

In der Radwelt prägt Tadej Pogačar die Gegenwart. Doch wer prägt ihre Zukunft? Mögliche Nachfolger stehen bereit. Nur eines wissen sie nicht: Wann der König bereit ist abzudanken. Hier sind sechs Kandidaten im Wartestand. Vielleicht kann einer von ihnen dem amtierenden König sogar noch einmal gefährlich werden. Jonas Vingegaard – der ewige Rivale An erster Stelle steht weiterhin Jonas Vingegaard. Er ist der Fahrer, der Pogačar bei der Tour zweimal geschlagen hat. Niemand kennt den Slowenen besser, niemand hat intensiver darüber nachgedacht, wie man ihn unter Druck setzen kann. Wenn alle, auch sein diesmal verletzt fehlender Edelhelfer Wout van Art, an Bord sind, verfügt er über ein herausragendes Team. Doch die Zeit spricht gegen ihn. Mit 29 Jahren und nach zahlreichen schweren Verletzungen – die letzte bei seinem Sturz während dieser Tour – ist es fraglich, ob er sein Topniveau noch einmal erreicht. Gelingt ihm das, könnte er den Seriensieger noch einmal herausfordern. Die nächste Tour könnte allerdings schon die letzte Gelegenheit sein, das alte Duell noch einmal neu zu befeuern. Die Zukunft müssen andere gestalten. Remco Evenepoel – der Alleskönner Remco Evenepoel, der 26 Jahre alte Belgier, hat bei dieser Tour bewiesen: Er ist kein Wunderkind mehr. Keiner, der im Hochgebirge überfordert ist. Er ist nicht nur der beste Zeitfahrer seiner Generation, sondern auch ein erstklassiger Rundfahrer. Er ist Zeitfahr-Weltmeister, hat schon die Vuelta a España gewonnen und war bei dieser Tour der konstanteste Fahrer hinter Pogačar. Im Einzelzeitfahren kann er dem Slowenen sogar Zeit abnehmen. Mit einem besser besetzten Team bei Red Bull-Bora-hansgrohe und den Erfahrungen dieser Tour könnte er schon im nächsten Jahr der gefährlichste Herausforderer für Pogačar werden. Der Abstand zum Meister ist noch groß, aber zu keinem anderen Verfolger scheint er derzeit schneller zu schrumpfen. Paul Seixas – das Wunderkind Paul Seixas ist der Mann, über den in Frankreich alle sprechen. Mit gerade einmal 19 Jahren ist er schon Tour-Vierter geworden. Er klettert außergewöhnlich gut, verliert kaum Zeit im Einzelzeitfahren und wirkt für sein Alter erstaunlich abgeklärt und nervenstark. Seine Tour hat er mit Bravour überstanden. Niemand weiß, wie weit seine Entwicklung reichen wird. Aber vieles spricht dafür, dass hier der kompletteste Rundfahrer der nächsten Generation heranwächst. Vielleicht ist er der nächste Pogačar. Und der Frankreich den ersten Tour-Sieg seit Bernard Hinault 1986 beschert. Isaac Del Toro – der Thronfolger Sportlich hat Isaac Del Toro alles, was ein künftiger Tour-Sieger braucht. Der Mexikaner klettert stark, fährt stark gegen die Uhr und wirkt trotz seiner erst 22 Jahre erstaunlich abgeklärt. Pogačar hat ihm bei dieser Tour eine Bergetappe geschenkt und ihm aufs Podium in Paris geholfen. Er ist der logische Thronfolger, der im selben Palast lebt wie der König. Nicht schon im nächsten oder übernächsten Jahr, aber dann wird er sich entscheiden müssen: auf den Thron warten – oder den Palast verlassen. Entweder Pogačar als Kapitän bei UAE beerben – oder zu einem Team wechseln, das ihm freie Fahrt in Richtung Gelbes Trikot gibt. Florian Lipowitz – der Spätentwickler Auch Florian Lipowitz ist ein spannender Kandidat. Er ist 26 Jahre alt und kam vergleichsweise spät vom Biathlon zum Straßenradsport. Seine rasante Entwicklung mit Tour-Platz drei im vergangenen Jahr ist bei Weitem nicht abgeschlossen. Sein Sturz bei dieser Tour und sein Ausscheiden verhinderten einen ultimativen Härtetest im Hochgebirge. Die Doppelspitze mit Evenepoel bei Red Bull ist vom Tisch. Er ist nur noch die Nummer zwei. Soll er als Evenepoels Helfer in die nächste Tour gehen? Sich über Giro und Vuelta nach oben tasten? Oder sich ein neues Team suchen? Dass er enormes Potential hat, ist unbestritten. Ein Mann der Zukunft allemal. Lenny Martinez – der Kletterkünstler Lenny Martinez hat in den Alpen bewiesen, dass er mit 23 Jahren schon zu den besten Bergfahrern auf Tour-Niveau gehört. Kaum jemand beschleunigt am Berg so explosiv wie der Franzose. Ob daraus ein Tour-Sieger werden kann, hängt von zwei Fragen ab: Kann er sich beim Zeitfahren entscheidend verbessern? Und kann er seine Leistungen drei Wochen lang ohne Einbruch konservieren? Solange diese Antworten fehlen, bleibt er ein heißer Kandidat für Etappensiege und das Bergtrikot. Macht er den nächsten Schritt, kann er Größeres erreichen.