Die Umstände eines möglichen Terroranschlags auf den britischen Luftwaffenstützpunkt Fairford zeigen sich zunehmend bizarr: Nach Meldungen mehrerer Zeitungen und der BBC rief einer der fünf festgenommenen jungen Männer in der Tatnacht selbst die Polizei an. Bislang war bekannt, dass eine Bäuerin in der Nacht zum Sonntag maskierte Männer und drei weiße Lieferwagen in der Nähe des Fliegerhorsts bemerkte und die Polizei alarmierte. Während der amerikanische Präsident Donald Trump und sein Außenminister Marco Rubio schon zu Beginn der Woche beteuerten, die Täter würden seit Langem beobachtet und sie hätten die Absicht gehabt, großen Schaden anzurichten, hielten sich die britischen Ermittler und die britische Politik bedeckt. Die Polizei gab zunächst lediglich bekannt, dass eine Anti-Terror-Einheit die weiteren Ermittlungen übernommen habe. Der Ort der Festnahme der fünf Verdächtigen in einem Dorf, das an den Stützpunkt grenzt, wurde weiträumig abgesperrt. Die Einsatzkräfte räumten am Sonntag mehr als 80 Wohnhäuser. Erst am Mittwochmorgen konnten die Einwohner in ihre Behausungen zurückkehren; die meisten Absperrungen sind unterdessen aufgehoben. Farage verbreitete eilig Mutmaßungen Dass die Unterrichtung der Öffentlichkeit nach aufsehenerregenden Straftaten in Großbritannien meist spärlich bleibt, hat seinen Grund in strafrechtlichen Bestimmungen. Um die Urteilsfreiheit eines späteren (Geschworenen-)Gerichts nicht einzuschränken, aber auch aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes, falls etwa Täter oder Opfer einer Straftat nicht volljährig sind, macht die Polizei anfangs üblicherweise nur allgemeine Angaben über Täter und Tatvorwürfe. Erst wenn es zu einer polizeilichen Anklage kommt und Täter den Haftrichtern im Magistrates Court vorgeführt werden, erfährt die Öffentlichkeit bei erwachsenen Tätern Namen und Alter sowie die angeschuldigten Gesetzesverstöße. Seitdem in den vergangenen Jahren vor allem bei Kapitalverbrechen gelegentlich rasche Gerüchte und Mutmaßungen über Täter mit Migrationshintergrund zu Demonstrationsappellen im Netz und zu öffentlichem Aufruhr führten, geben die Ermittler in solchen Fällen inzwischen gelegentlich einige weitere Informationen preis. So war es auch im Fall der Verdächtigen von Fairford. Der Rechtspopulist Nigel Farage hatte nach Bekanntwerden des möglichen Anschlags auf einem Online-Kanal angegeben, er habe seit Monaten vor „iranischen Agenten“ gewarnt, die in „Schlauchbooten über den Kanal kommen“. Daraufhin teilte die Polizei mit, bei den fünf Festgenommenen handele es sich sämtlich um britische Staatsbürger, die in London wohnhaft seien. Die Festgenommenen sind wieder auf freiem Fuß, müssen sich aber der Polizei zur Verfügung halten. Am Dienstag wurde in einer weiteren polizeilichen Mitteilung bekannt, dass die Durchsuchung der drei Fahrzeuge keinen Sprengstoff zutage förderte. Stattdessen seien darin mehrere Fässer gefunden worden, eines habe Benzin enthalten. Dennoch bleibt offenbar der Verdacht bestehen, dass Iran in die Vorgänge verwickelt sein könnte. Die Polizei gibt an, sie ermittele weiter in alle Richtungen. Ein Sprecher sagte, dazu zähle die Vermutung, dass die Tat „von Strohmännern ausgeführt wurde, die entweder bewusst oder unbewusst im Auftrag einer fremden Macht handelten“. Seit März ist RAF Fairford einer der Stützpunkte, von denen aus amerikanische Langstreckenbomber Angriffe auf Ziele in Iran fliegen.
