Der Pharmakonzern Sanofi rechnet für Oktober mit der Grundsteinlegung für eine milliardenschwere neue Produktionsstätte in Frankfurt. Das sagte eine Unternehmenssprecherin am Dienstag, nachdem die EU-Kommission staatliche Beihilfen in Höhe von 400 Millionen Euro für das Projekt genehmigt hatte. Insgesamt dürften die Investitionen in die neue Produktionsstätte für Insulin rund zwei Milliarden Euro erreichen, wie die Stadt Frankfurt und Sanofi mitteilten – bei der Ankündigung des Vorhabens vor zwei Jahren war noch von 1,3 Milliarden Euro die Rede gewesen. Die neue Produktionsstätte für Insulin soll bestehende Anlagen ersetzen, mehr als 4000 der 6500 Arbeitsplätze bei Sanofi im Industriepark Höchst hängen an der Insulinproduktion. Der hessische Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) teilte mit: „Die Investition stärkt unsere Unabhängigkeit bei lebenswichtigen Arzneimitteln und sichert zugleich industrielle Wertschöpfung und hochqualifizierte Arbeitsplätze am Standort Frankfurt.“ Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) nannte das Vorhaben „ein starkes Bekenntnis zum Pharmastandort Frankfurt und Hessen“. Er fügte hinzu: „Vor dem Hintergrund mehrerer gescheiterter Investitionsprojekte in letzter Zeit bin ich sehr froh, dass nun dieser wichtige Schritt für diese Investition gelungen ist.“ Mehrere Pharmakonzerne hatten vor den Sommerferien Investitionen in Deutschland zurückgestellt: Das US-Unternehmen Eli Lilly kündigte im Juni an, seine Investitionen in ein bereits im Bau befindliches Werk im rheinland-pfälzischen Alzey zu halbieren. Das vor allem für die Abnehmspritze Mounjaro bekannte Unternehmen teilte mit, die von der schwarz-roten Bundesregierung angekündigten Kostensenkungen im Gesundheitssystem machten „Investitionen in Jobs und Produktionsanlagen unkalkulierbar“. Ausgaben in Höhe von mehr als einer Milliarde US-Dollar würden deshalb „ausgesetzt“. Mit einer ähnlichen Begründung legte auch Boehringer Ingelheim Investitionen in Höhe von 900 Millionen Euro auf Eis. Beihilfen sind für Sanofi mit Pflichten verbunden Die Kritik der Unternehmen richtet sich dagegen, dass sie den gesetzlichen Krankenkassen künftig höhere Rabatte auf patentgeschützte Medikamente gewähren sollen. Auch Sanofi-Deutschlandchefin Heidrun Irschik-Hadjieff hatte dies im Frühjahr scharf kritisiert, die Bundesregierung arbeitet mittlerweile an Entlastungen für forschende Pharmaunternehmen. Die Zusage vom Bund, vom Land Hessen und von der Stadt Frankfurt, den Bau der neuen Sanofi-Fabrik in Frankfurt mit 400 Millionen Euro zu unterstützen, liegt unabhängig davon schon seit 2024 vor. Die EU-Kommission genehmigte die Beihilfen jetzt mit der Begründung, sie trügen dazu bei, „die Versorgung mit Insulin krisenfester zu machen“. Außer in Frankfurt werde Insulin im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) nur noch an einem weiteren Standort hergestellt. Die Kommission nannte dazu keine Einzelheiten, der Weltmarktführer Novo Nordisk stellt aber Insulin in seinem Werk im dänischen Kalundborg her. Die EU-Kommission teilte mit, Sanofi habe sich verpflichtet, die neue Produktionsanlage bis Ende 2032 zu bauen und für die zehn folgenden Jahre „eine jährliche Produktion von mindestens 1,1 Tonnen Insulin zu gewährleisten“. Zudem müsse das Unternehmen bis Ende 2042 Lagerbestände von einer Tonne „Insulinwirkstoffen in Arzneimittelform“ vorhalten. Der Frankfurter Oberbürgermeister Josef sagte dazu, das neue Werk sei „ein zentrales Element der europäischen Pharmastrategie“. Auch Wirtschaftsdezernent Nils Kößler (CDU) nannte die Absicherung der Insulin-Versorgung entscheidend: „Deutschland muss in einer veränderten geopolitischen Situation auch strategisch denken und an seiner Resilienz arbeiten. Nicht auszudenken, wenn die Versorgung von heute auf morgen wegbräche, weil zum Beispiel eine Lieferkette nicht mehr trägt, eine Transportroute versperrt wird, ein neuer internationaler Konflikt ausbricht.“ Allerdings: Wenn Sanofi nicht Frankfurt den Zuschlag gegeben hätte, wäre die neue Insulin-Produktionsstätte nach früheren Angaben wohl in die französische Heimat des Konzerns gegangen. Die Regierung in Paris soll Sanofi schon frühzeitig 400 Millionen Euro an Fördermitteln geboten haben – dies wurde als Begründung dafür angeführt, dass die deutsche Seite die gleiche Summe anbot. Kößler hob denn auch die wirtschaftliche Bedeutung der Standortentscheidung hervor: „Gewerbesteuereinnahmen in beträchtlichem Umfang werden abgesichert, dazu kommen die vielen positiven Effekte für die lokale Wirtschaft, Zulieferer, Dienstleister etc.“ Der hessische Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori (SPD) teilte mit, die Investitionspläne von Sanofi zeigten, „dass aktive Industriepolitik einen Unterschied machen kann, wenn Land, Bund und Kommune gemeinsam für einen Standort arbeiten“.
