FAZ 17.08.2026
16:38 Uhr

Manöver mit Südkorea: Trump will Kim Jong-un nicht verärgern


Tausende Soldaten aus Amerika und Südkorea trainieren gerade gemeinsam ihre Fähigkeiten. Trump will solche Übungen stark einschränken – wegen seiner Beziehungen zu Nordkorea.

Manöver mit Südkorea: Trump will Kim Jong-un nicht verärgern

Es war ein Foto in den sozialen Medien, das Donald Trumps abermaligen Kurswechsel gegenüber Südkorea ahnen ließ. Der amerikanische Präsident veröffentlichte auf seiner Plattform Truth Social ein altes Bild mit dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un. Dazu schrieb er: Auch wenn sie auf diesem Foto grimmig dreinschauten – „es gibt viele, auf denen wir lachen“. Er verstehe sich super mit Kim. Sechs Stunden später kündigte Trump an, wegen genau dieser großartigen Beziehung habe er das Pentagon angewiesen, die Militärübungen mit Südkorea „erheblich“ zu reduzieren. Der Beitrag kam, kurz bevor am Montag die zehn Tage dauernde Militärübung „Ulchi Freedom Shield“ mit 18.000 südkoreanischen Soldaten beginnen sollte. Am liebsten hätte Trump sie offenbar abgesagt. Es sei nur „zu spät“ gewesen, schrieb er. Trump verweist auch auf die hohen Kosten Begründungen für diesen Schritt lieferte der amerikanische Präsident in seinem Beitrag gleich mehrere. In einem Fall blieb er bei dem Bezug zu Nordkorea. So sendeten die gemeinsamen Übungen ein „unangemessenes und feindseliges Signal“ gen Pjöngjang. Dabei habe sich das Land den Vereinigten Staaten gegenüber „nicht bedrohlich und respektvoll“ verhalten, „solange Donald J. Trump Präsident ist“. Trump verwies außerdem auf die hohen Kosten, die „wie üblich“ vor allem von Washington übernommen würden. Über den dritten Grund schrieb der Präsident selbst, er liege „etwas abseits des Themas“. Aber im Übrigen habe er den südkoreanischen Präsidenten Lee Jae Myung kürzlich gefragt, ob das Land bei der Denuklearisierung Irans helfen wolle, und der habe gesagt: „Nein danke!“. Das war kein neues Muster. Trump hatte in den vergangenen Monaten mehrfach Ländern gedroht, denen er vorwirft, die Vereinigten Staaten im Kampf gegen Iran im Stich zu lassen. Südkorea war jedoch schon in Trumps erster Amtszeit in die Schusslinie geraten. Damals kündigte er nach einem Treffen mit Kim Jong-un an, das amerikanische Militär werde die „Kriegsspiele“ mit Südkorea einstellen. Das entsprach dem Vokabular Nordkoreas, das gemeinsame Militärübungen als Vorbereitungen auf einen Krieg darstellt. Trump beklagte damals ebenfalls, man gebe „Hunderte Millionen Dollar“ aus, für die man nicht entschädigt werde. Südkorea und die Vereinigten Staaten teilten mit, künftig würden kleinere Militärübungen abgehalten; das änderte sich nach der Corona-Pandemie erst 2022 wieder mit der ersten Auflage des „Ulchi Freedom Shield“. Kim sagte, er habe „gute Erinnerungen“ an Trump Damals reichten Trumps Zugeständnisse nicht für einen Durchbruch mit Nordkorea. Ein Gipfeltreffen in Hanoi im Frühjahr 2019 ging ohne Durchbruch zu Ende: Pjöngjang hatte ein Ende aller Wirtschaftssanktionen gefordert, wollte aber nur einer teilweisen Denuklearisierung zustimmen. Nun versucht der amerikanische Präsident offenbar, seine persönliche Beziehung zu Kim Jong-un in der zweiten Amtszeit wieder aufleben zu lassen. Ein angedachtes Treffen im vergangenen Jahr kam jedoch nicht zustande. Kim sagte zwar, er habe „gute Erinnerungen“ an Trump, sehe aber keinen Grund, sich mit ihm zu treffen, solange Washington an der Forderung der Denuklearisierung festhalte. Das sei eine „inhaltsleere Besessenheit“. Zur selben Zeit führte Kim seine neue Partnerschaft mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping vor: Seite an Seite stellten die drei während der Parade zum Ende des Zweiten Weltkriegs vor achtzig Jahren in Peking ihre Einigkeit zur Schau. Südkorea wiederum wurde vom amerikanischen Verteidigungsminister Pete Hegseth noch im Frühjahr dieses Jahres als Musterverbündeter hervorgehoben. Auf einer Konferenz in Singapur sagte er, wer faire Lastenteilung sehen wolle, der müsse nach Seoul schauen. Man habe dort nicht den Luxus, Krieg „wie eine akademische Übung“ zu behandeln. Das stimmt dieser Tage mehr denn je. Nicht nur, weil Nordkorea das Nachbarland als „größten Feind“ bezeichnet. Erst in der vergangenen Woche feuerte Pjöngjang eine ballistische Rakete von seiner Ostküste aus in Richtung des Japanischen Meeres. Das nordkoreanische Militär hat durch den Einsatz von Soldaten im russischen Krieg gegen die Ukraine auch Erfahrung mit Drohnen und in der modernen Kriegsführung gewonnen. Die dieser Tage stattfindende Militärübung in Südkorea, die nun eingedampft wird, war auch darauf ausgelegt, auf diese Entwicklung zu reagieren.