FAZ 16.03.2026
07:17 Uhr

Liveblog zu Kommunalwahlen Hessen: AfD laut Trend drittstärkste Kraft vor den Grünen


Kommunalwahl in Hessen am 15. März 2026: Aktuelle Nachrichten live

Liveblog zu Kommunalwahlen Hessen: AfD laut Trend drittstärkste Kraft vor den Grünen

Hanau: Hemsley und Bieri in der StichwahlBei der Entscheidung, wer künftig die Stadt Hanau als Oberbürgermeister regieren wird, kommt es zur Stichwahl. Sie soll am 29. März stattfinden. Am Sonntag hatte Maximilian Bieri (SPD) den Sieg mit 48,1 Prozent nur knapp verpasst. Auf seine Kontrahentin Isabelle Hemsely (CDU) waren 35,7 Prozent der Stimmen gefallen.

Boris Rhein: AfD kein politischer PartnerDie AfD ist für Hessens Regierungschef Boris Rhein (CDU) nach den Kommunalwahlen kein politischer Partner. „Es wird von uns keine Zusammenarbeit mit der AfD geben“, sagte er dem privaten Radiosender „Hit Radio FFH\". Man sei politisch wie Galaxien voneinander entfernt.Dennoch beunruhige ihn das Ergebnis. Da seien sehr viele Proteststimmen dabei. „Da sind sehr viele Stimmen von Menschen dabei, die nicht rechtsradikal, die nicht rechtsextremistisch sind, die nicht eine rechte Partei wählen, weil sie so denken.“ Das seien Menschen, die enttäuscht sind, die sich zurückgelassen fühlen. Diese Stimmen müsse man zurückgewinnen.Die CDU ist bei den Kommunalwahlen in Hessen einem Trendergebnis zufolge stärkste Partei geblieben. Sie kam landesweit auf 29,7 Prozent der Stimmen, wie das Statistische Landesamt in der Nacht auf Montag in Wiesbaden bekanntgab. Es folgte die SPD mit 20,2 Prozent. Die AfD gewann an Zustimmung und sicherte sich mit 15,9 Prozent den dritten Platz. (dpa)

Wiesbaden: Linksbündnis trotz Grünen-Verlusten vor knapper Mehrheit Wiesbaden. In der hessischen Hauptstadt könnte das rot-grün-rote Linksbündnis trotz des Absturzes der Grünen weiterregieren. Nach dem Trendergebnis kompensieren SPD, Linke und Volt deren Verluste weitgehend – zusammen käme das Bündnis auf knapp 50 Prozent, was für eine knappe Sitzmehrheit reichen dürfte. Die CDU bleibt zwar stärkste Kraft und könnte rechnerisch mit SPD und FDP eine Deutschlandkoalition bilden, doch erscheint das für die Sozialdemokraten politisch wenig attraktiv. Während die AfD ihren Stimmenanteil fast verdoppelt und der Union eine Zusammenarbeit anbietet, signalisieren Linke, SPD und auch Volt Gesprächsbereitschaft für eine Fortsetzung der bisherigen Ausrichtung. 

Frankfurt wählt den Wechsel Frankfurt. Die Frankfurter haben den Wechsel gewählt: Das bisherige Viererbündnis verliert deutlich, die CDU legt als einzige Oppositionskraft der Mitte spürbar zu. Vor allem die Grünen werden für ihre Verkehrspolitik abgestraft, auch die SPD rutscht weiter ab. Jetzt zählt, wie schnell eine stabile Koalition ohne Dauerstreit zustande kommt – an der CDU führt dabei kaum ein Weg vorbei. 

Wahlbeteiligung in Offenbach am niedrigstenDie niedrigste Wahlbeteiligung bei der Kommunalwahl ist bislang in Offenbach am Main zu verzeichnen. Lediglich 36,4 Prozent aller Wahlberechtigten haben ihre Stimmen abgegeben. Die höchste Wahlbeteiligung verzeichnet mit 78,9 Prozent das nordhessische Breuna.Hessenweit lag die Wahlbeiteligung in diesem Jahr bei 54,4 Prozent und damit vier Prozentpunkte über der Beteiligung an der Kommunalwahl 2021.

Frankfurt: Boris Rhein fieberte mit Sohn Bruno mit Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) hat zur Kommunalwahl mit seinem Sohn Bruno kräftig mitgefiebert. Dieser stellte sich im Frankfurter Stadtteil Nieder-Eschbach ebenso wie seine Mutter Tanja Raab-Rhein für die Christdemokraten zur Wahl. „Die Nervosität ist da sogar noch ein bisschen größer als bei einem selbst, wenn man zur Wahl steht“, bekannte der Ministerpräsident. „Das ist schon ganz erstaunlich, wenn Kinder ja sozusagen auf dem Wahlzettel und dann am Abend auch zur Wahl stehen. Also da war große Aufregung in der Familie.\" Der 23 Jahre alte Bruno Rhein studiert Lehramt an der Goethe-Universität in Frankfurt und engagiert sich nach eigenen Angaben leidenschaftlich in der Politik. Zu seinen Themen gehören Sicherheit und Sauberkeit als „Grundlage für eine lebenswerte Stadt“, wie es auf der Homepage der CDU Frankfurt heißt. Auch für den Neubau und die Sanierung moderner Sportstätten will sich der Sohn von Boris Rhein engagieren. 

Fulda: CDU bleibt vornFulda. Die CDU hat sich bei der Kommunalwahl als stärkste Partei in der Hochburg Fulda behauptet, musste aber deutliche Verluste hinnehmen. Laut Trendergebnis liegt die CDU zwar mit 35,1 Prozent klar vorn, verlor damit nach Angaben des Statistischen Landesamtes aber 7,3 Prozentpunkte gegenüber ihrem Ergebnis bei der letzten Kommunalwahl 2021. Zweitstärkste Kraft wurde die AfD, die 16 Prozentpunkte zulegte auf insgesamt 23,2 Prozent. Auf Platz Drei landeten die Grünen mit 11,7 Prozent und damit 4,5 Prozentpunkten weniger als 2021. Die SPD verlor 4,4 Prozentpunkte auf 9,1 Prozent. Die FDP kam auf 3,0 Prozent und erreichte somit 3,4 Prozentpunkte weniger als 2021. Zugewinne gab es für die Linke – sie erhielt 5,7 Prozent der Stimmen und damit 2 Prozentpunkte mehr als bei der vorangegangenen Kommunalwahl.Das Trendergebnis bildet laut dem Statistischen Landesamt nur einen Teil der vergebenen Stimmen ab. Lediglich die Stimmzettel, bei denen Wähler mit einem Kreuz gleich eine ganze Wahlliste gewählt haben, sind hier schon berücksichtigt. Die Stimmzettel ohne ein Listenkreuz und etwa mit auf einzelne Kandidaten verteilte Kreuze bleiben dagegen beim Trendergebnis noch außen vor. Sie werden in den Folgetagen ausgezählt. (dpa)

Hochtaunuskreis: CDU dominiert Im Hochtaunuskreis steht der Wahlabend unter dem Stichwort „geräuschlos“: CDU, SPD und FWG loben die konfliktarme Zusammenarbeit ihres Dreierbündnisses im Kreistag und signalisieren, dass sie weiterregieren wollen. Laut Trendergebnis liegt die CDU mit 36,8 Prozent klar vorn, die Grünen werden mit 18,7 Prozent erneut zweitstärkste Kraft; CDU-Spitzenmann Markus Koob lässt offen, ob er Gespräche mit ihnen sucht, während Grünen-Kandidatin Patricia Peveling den Anspruch formuliert, künftig könne es keine Mehrheit ohne die Grünen geben. 

Trend: AfD in Erlensee, Büdingen und Biebesheim stärkste KraftWiesbaden. Bei den hessischen Gemeindewahlen hat die AfD dem vorläufigen Trendergebnis zufolge in Biebesheim am Rhein (Kreis Groß-Gerau) hessenweit betrachtet ein besonders starkes Ergebnis verzeichnet. Mit 27,5 Prozent ist die Partei dort den vorläufigen Zahlen zufolge die stärkste Kraft im Gemeindeparlament geworden – vor der SPD (25,8 Prozent). Das Statistische Landesamt veröffentlichte Zahlen zu den landesweit größten und kleinsten Stimmanteilen bestimmter Parteien bei den Kommunalwahlen in kreisangehörigen Gemeinden. Überdurchschnittlich hohe Stimmanteile erlangte die AfD den vorläufigen Zahlen nach auch in Greifenstein im mittelhessischen Lahn-Dill-Kreis (27,3 Prozent), in Brombachtal im Odenwald (27,2 Prozent), in Erlensee im Main-Kinzig-Kreis (25,9 Prozent) und im mittelhessischen Büdingen (25,4 Prozent). In Erlensee und Büdingen wäre die Partei damit ebenfalls stärkste Kraft im kommunalen Parlament. (dpa)

Grüne und SPD verlieren Hessen. Erst sah es so aus, als hätten bei der Kommunalwahl vor allem die Grünen verloren. Doch das vorläufige landesweite Endergebnis zeigt: Auch die SPD stürzt ab – beide Parteien büßen rund vier Prozentpunkte ein.

Wahlbeteiligung ist um vier Prozent gestiegen Wiesbaden. Das Interesse an der Kommunalwahl ist gestiegen: Die Wahlbeteiligung lag laut Statistischem Landesamt am Sonntag bei 54,4 Prozent und damit höher als bei den Kommunalwahlen vor fünf Jahren (50,4 Prozent). Das bedeutet in absoluten Zahlen, dass von den 4,7 Millionen Berechtigten 2,6 Millionen Hessen ihre Stimmen abgegeben haben. 1,6 Millionen (64,3 Prozent) haben das mit einem Listenkreuz ohne Änderung getan (Wahlnacht 2021: 58,9 Prozent). 800.000 (32,8 Prozent) haben die Möglichkeiten zum Kumulieren und Panaschieren genutzt, ihre Stimmzettel wurden noch nicht ausgewertet. 75.708 (3 Prozent) der abgegebenen Stimmzettel waren nach aktuellem Stand der Auswertungen ungültig, berichtet das Landesamt in Wiesbaden.  

Eingeschränkter Service: Ämter sind mit Zählen beschäftigtFrankfurt. Geschlossene Bürgerämter, Einschränkungen in der Verwaltung, Notdienste im Standesamt: Weil städtische Mitarbeiter am Montag nach der Kommunalwahl Stimmzettel auszählen müssen, gibt es in vielen Städten Einschränkungen.In Frankfurt bleiben etwa Teile des Bürgeramts geschlossen, die Steuerabteilung und die Abteilung für Ordnungswidrigkeiten nehmen keine Termine an, wie eine Sprecherin mitteilte. „Die telefonische Erreichbarkeit der Stadtverwaltung ist reduziert“, hieß es. „Dies gilt auch für die Behördennummer 115.“ In Darmstadt bleibt das Bürger- und Ordnungsamt von Montag bis Mittwoch für den Regelbetrieb ebenfalls geschlossen – in den Räumen des Amtes wird ausgezählt. Ähnlich sieht es in der Landeshauptstadt Wiesbaden, in Offenbach und Kassel aus. In Hanau bleibt am Montag das Kulturforum geschlossen. „Auch die Stadtverwaltung Gießen muss ihren Dienstbetrieb am Montag und Dienstag zur Auszählung der veränderten Stimmzettel aus der Kommunalwahl einschränken“, schreibt eine Sprecherin der Universitätsstadt Gießen. (dpa.)

Wahlbeteiligung höher als 2021Die Wahlbeteiligung in Hessen lag bei der Kommunalwahl 2026 bei 54,5 Prozent und damit deutlich höher als bei den letzten Kommunalwahlen. 2021 waren lediglich 50,4 Prozent der Wahlberechtigten zur Urne gegangen – der viertniedrigste Wert seit 1946.