FAZ 24.07.2026
11:21 Uhr

Liveblog Ukrainekrieg: Wegen Russland-Sanktionen: China bestraft EU-Unternehmen


Chinesische Firmen von neuem EU-Paket betroffen +++ Selenskyj: Neue Militärführung soll Mobilmachung verbessern +++ Ukraine beantragt Sitzung im UN-Sicherheitsrat +++ alle Neuigkeiten im Liveblog

Liveblog Ukrainekrieg: Wegen Russland-Sanktionen: China bestraft EU-Unternehmen

Ukraine: Russland hat Kriegsgefangenen erschossenUkrainische Behörden werfen Russland vor, einen weiteren Kriegsgefangenen erschossen zu haben. Russische Militärs hätten einen Soldaten der ukrainischen Streitkräfte beim Dorf Jalta im Gebiet Donezk gefangen genommen, teilte die regionale Staatsanwaltschaft mit. Auf Befehl eines Vorgesetzten habe ein russischer Soldat den ukrainischen Armeeangehörigen nach einem Verhör erschossen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt demnach wegen des Vorwurfs eines Kriegsverbrechens. 

Rumänien schießt Drohne in eigenem Luftraum abIn Rumänien hat ein Kampfflugzeug eine in den Luftraum ​eingedrungene Drohne abgeschossen. „Heute Morgen gegen 11.00 Uhr schoss ein rumänischer Pilot an Bord einer F-16 eine Drohne ab, die in den Luftraum unseres Landes eingedrungen war“, schreibt der rumänische Präsident Nicusor ⁠Dan auf der Plattform X. Es ist der jüngste Vorfall in einer ganzen Reihe von Verletzungen des Luftraums des Nato- und EU-Mitglieds. „Das Gebiet war unbewohnt, daher konnte der Pilot ohne Risiko schießen. Derzeit untersuchen Teams der zuständigen Institutionen das Gebiet, um alle Details des Vorfalls zu ermitteln.“  Woher die Drohne stammt, gibt Dan nicht an. Das rumänische Verteidigungsministerium teilt mit, die Drohne sei in der Nähe der Stadt ‌Padina im Kreis Buzau im Osten des Landes abgeschossen worden. Rumänien, das eine 650 Kilometer lange Landgrenze mit der Ukraine teilt, hat seit Beginn der russischen Invasion im Februar 2022 und dem Beginn der Angriffe Moskaus auf ukrainische Häfen jenseits der Donau mehrere Verletzungen seines Luftraums durch russische Drohnen gemeldet. 

Ukraine greift Rüstungsunternehmen in Kirow anDie Ukraine hat nach Angaben ihres Präsidenten Wolodymyr Selenskyj ein russisches Rüstungsunternehmen in der Oblast Kirow angegriffen. Die Firma liefere Komponenten für Flugzeuge ⁠und Raketensysteme, die bei Angriffen auf sein Land eingesetzt würden, teilt Selenskyj auf Telegram mit. Kirow liegt weit im russischen Hinterland. Ach russischen Angaben seien bei dem Angriff sechs Menschen getötet und 26 verletzt worden.Auch eine Ölanlage in fast 1350 Kilometern Entfernung sowie Logistikstandorte in Russland seien beschossen worden, erklärt Selenskyj. „Wichtig ist, dass der Einsatz gegen die russische Logistik, die die ‌Besatzungsarmee mit Drohnenkomponenten, Navigationsgeräten und militärischer Ausrüstung versorgt, weiterhin andauert.“ Bei einem russischen Luftangriff auf die ostukrainische Stadt Slowjansk sind nach Angaben der Behörden fünf Menschen getötet worden. Neun weitere Menschen ​seien verletzt worden, teilt der Gouverneur der Region Donezk, Wadym Filaschkin, über den Kurzmitteilungsdienst Telegram mit. Zwei Fliegerbomben hätten zehn Privathäuser, ein Unternehmen sowie das Gelände des lettischen Konsulats beschädigt.Russland hat seinerseits nach eigenen Angaben in der Nacht drei ukrainische Häfen beschossen – zwei am Schwarzen Meer und einen an der Donau. Die Streitkräfte hätten mit luftgestützten Raketen und Krampfdrohnen die Häfen von Odessa, ‌Mykolajiw und Ismail angegriffen, teilt das Verteidigungsministerium in Moskau mit. ‌In Odessa seien Lagertanks mit Treibstoff und Schmierstoffen für die ukrainische Armee getroffen worden, in Ismail Entlade- und Lageranlagen für Militärgüter – darunter auch Seedrohnen. Auch ein Schwimmdock sei in Ismail, dem größten Donau-Hafen der Ukraine, getroffen worden. In Mykolajiw sei ein Frachtschiff beschossen worden, das gerade Militärgüter entladen habe.

Drohnenangriff auf Sankt PetersburgBei einem ukrainischen Drohnenangriff auf die Region Sankt Petersburg sind nach Behördenangaben drei Menschen verletzt worden. Ein Lagerhaus des Onlinehändlers Wildberries in der Nähe der Stadt sei in Brand gesetzt worden, erklärte der Gouverneur der Region Leningrad, Alexander Drosdenko, am Freitag im Internet. 59 Drohnen seien abgeschossen worden. Ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP sah am Morgen Rauch über der Stadt aufsteigen. Der Flughafen Pulkowo setzte zwischenzeitlich den Betrieb aus und nahm ihn gegen 06.00 Uhr wieder auf. Rund 50 Abflüge waren betroffen. Insgesamt schoss Russland nach eigenen Angaben in der Nacht 571 Drohnen ab. 

IAEA: „Militäraktivitäten“ stören Wasserversorgung am AKW SaporischschjaNach Angaben ‌der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) beeinträchtigen „militärische Aktivitäten“ die Wasserversorgung von Teilen des von Russland besetzten Atomkraftwerks ‌Saporischschja. ‌Der Generaldirektor der IAEA, Rafael Grossi, teilt mit, Angriffe in und um ​die Stadt Enerhodar, in ⁠der viele Mitarbeiter des Kraftwerks leben, hätten die örtliche ​Strominfrastruktur getroffen. Dies habe zu ⁠einem Ausfall der Wasserversorgung ‌in der Stadt und auf dem AKW-Gelände geführt. Es gebe jedoch ⁠keinen Mangel ⁠an Brunnenwasser, das zur Kühlung des ⁠Brennstoffs ​in ⁠den Reaktoren benötigt wird. Für ​die am Atomkraftwerk stationierten IAEA-Beobachter ‌gebe es seit dem 18. ​Juli nur begrenzten ​Zugang zu Leitungswasser.

Bomben verletzen Dutzende in SaporischschjaEin russischer Bombenangriff hat mindestens 25 Verletzte in der südukrainischen Großstadt Saporischschja gefordert. Unter den Opfern seien auch sechs Minderjährige, darunter ein drei Monate altes Baby, schrieb der ukrainische Militärgouverneur der Region, Iwan Fedorow, auf Telegram. Seinen Angaben nach warf das russische Militär fünf Gleitbomben auf die Stadt ab und beschädigte dabei Wohnhäuser und eine private medizinische Einrichtung.Die Region Saporischschja ist eine der vier Regionen, die der Kreml im Herbst 2022 annektiert hat, obwohl er sie bis heute nicht vollständig kontrolliert. Die Stadt Saporischschja ist wegen ihrer Nähe zur Front häufig Ziel russischer Angriffe. Immer wieder kommen dabei auch Zivilisten zu Schaden.

Viele Verletzte nach russischem Bombenabwurf auf SlowjanskRussische Gleitbomben haben mindestens 14 Menschen in der Stadt Slowjansk im Osten der Ukraine verletzt. Sieben Wohnblocks seien beschädigt worden, schrieb der ukrainische Militärgouverneur der Region Donezk, Wadym Filaschkin, auf Telegram. Demnach schlugen die beiden Gleitbomben in einem Wohnviertel der frontnahen Stadt ein.Der Ballungsraum um Slowjansk und Kramatorsk ist der letzte große Festungsgürtel, den die ukrainischen Truppen in der Region Donezk unter ihrer Kontrolle halten. Russland fordert für die Aufnahme von Friedensverhandlungen den vollständigen Rückzug ukrainischer Truppen aus dem Gebiet Donezk.

Kurz vor der Sommerpause haben sich die EU-Staaten auf ein weiteres Sanktionspaket gegen Russland geeinigt. Dabei zeigt sich: Immer mehr Staaten geht die Luft aus, um die wirtschaftlichen Kosten der Sanktionen zu tragen. Lesen Sie hier mehr dazu: 

Früherer Verteidigungsminister will zurück ins Amt Vor dem Hintergrund neu angekündigter Proteste besteht der entlassene ukrainische Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow auf seiner Rückkehr ins Amt. „Heute gibt es im Staat nur drei Posten, außer auf dem Schlachtfeld, die den Kriegsverlauf real beeinflussen: der Präsident der Ukraine, der Verteidigungsminister und der Oberkommandierende der Streitkräfte“, sagte Fedorow Journalisten. Er sei deshalb mit keinem anderen Amt als dem des Verteidigungsministers einverstanden.

Russisches Kampfflugzeug bei Moskau abgestürztEin russisches Kampfflugzeug ist in der Nähe der Hauptstadt Moskau abgestürzt. Der Unfall sei kurz nach dem Start passiert, der Pilot habe sich per Schleudersitz retten können, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau russischen Nachrichtenagenturen zufolge mit.„Das Flugzeug ist in unbewohnter Gegend abgestürzt, es gibt keine Zerstörungen am Boden“, heißt es in der Mitteilung. Medienberichten zufolge handelt es sich bei der Maschine um eine der modernen Su-57.Die Behörden ermitteln offiziell wegen eines technischen Fehlers im Flugzeug. Der russische Militärblogger Wladimir Romanow deutete hingegen an, dass das Kampfflugzeug von der eigenen Flugabwehr abgeschossen wurde. Belege für diese Darstellung lieferte er nicht.

Selenskyj: Neue Militärführung soll Mobilmachung verbessern Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erwartet von der neuen Militärführung eine bessere Mobilmachung und will weiter versuchen, ⁠den abgesetzten Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow im Kabinett zu halten. Der neue Verteidigungsminister Jewhenij Chmara und der neue Oberbefehlshaber Mychajlo Drapatyj ‌müssten die Rekrutierung von Soldaten verbessern, sagte Selenskyj der Nachrichtenagentur Interfax-Ukraine zufolge am Donnerstag. Fedorow seien mehrere Posten angeboten worden, ‌darunter ein ‌Ressort für Verteidigungsinnovationen im Rang eines Vizeministerpräsidenten. Lesen Sie hier, was sich in den vergangenen Tagen ereignet hat:

Bemühungen um Wiederbelebung der Friedensgespräche Vertreter der Ukraine und der USA könnten sich nach den Worten des ukrainischen ⁠Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in den kommenden Tagen in den USA treffen. Er habe am Mittwoch mit den amerikanischen Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner über Ideen zur Wiederbelebung der Friedensgespräche mit Russland gesprochen, sagte Selenskyj. Die Diskussionen dürften in naher Zukunft fortgesetzt werden, meldete die Nachrichtenagentur Interfax-Ukraine unter Berufung auf den Präsidenten. 

Kiew will Sondersitzung des UN-SicherheitsratsDie Ukraine hat wegen der Lage im Schwarzen Meer eine Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats beantragt. Nach russischen Angriffen auf Frachtschiffe fahren keine Schiffe mehr die ukrainischen Schwarzmeerhäfen bei Odessa an. Wie die Nachrichtenagentur Interfax-Ukraine berichtete, wird Russland nach Einschätzung des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj seine Angriffe ​auf Schiffe im Schwarzen Meer verstärken, um den ukrainischen Getreidekorridor auf dem Seeweg zu blockieren.

Ukrainische Häfen stellen den Betrieb einUkrainische Häfen werden aufgrund russischer Angriffe vorerst nicht mehr von Schiffen angelaufen. „Wir als Staat haben keine Einschränkungen gemacht, das ist eine Entscheidung der Schiffseigner“, sagte Agrarminister Taras Wyssozkyj gemäß der staatlichen Nachrichtenagentur Ukrinform. Noch am Vortag hätten „vier bis fünf Schiffe“ in ukrainischen Häfen angelegt. Wyssozkyj machte demnach keine Angaben, ob das nur die Seehäfen betrifft oder auch der Schiffsverkehr zu den Donauhäfen eingestellt wurde. Anfang Juli begannen die ukrainischen Drohnentruppen mit Angriffen auf Schiffe, die russisch kontrollierte Häfen im Schwarzen und vor allem im benachbarten Asowschen Meer ansteuerten. Damit sollte vor allem der Export von russischem Öl und die Versorgung der von Russland annektierten Halbinsel Krim auf dem Seeweg gestört werden. Dabei wurden ukrainischen Angaben zufolge fast 200 Tanker und Frachtschiffe beschädigt. Im Gegenzug intensivierte das russische Militär seine Attacken auf ukrainische Hafenanlagen und Frachter, die diese anliefen. Moskau zufolge sind nur Schiffe mit für das Militär bestimmten Gütern angegriffen worden. Kiew sprach von Getreidetransporten. Von unabhängiger Seite sind die Angaben der Kriegsparteien nicht überprüfbar. Angaben der ukrainischen Seehafenverwaltung nach wurden im ersten Halbjahr 2026 42,4 Millionen Tonnen Fracht über die Seehäfen umgeschlagen. 23,6 Millionen Tonnen seien dabei Agrarprodukte gewesen. Der Wert liege 20 Prozent über dem des Vorjahres. 2025 wurden Agrargüter für umgerechnet rund 20 Milliarden Euro exportiert. Das sind mehr als 50 Prozent des gesamten ukrainischen Warenexports.