FAZ 14.10.2026
09:36 Uhr

Liveblog Ukrainekrieg: Ukraine: SpaceX schränkt Starlink-Nutzung für Militär ein


Störungen bei Geschwindigkeiten von über 160 Kilometern pro Stunde +++ Ukrainer beklagen nach neuen Angriffen abermals fehlende Vorwarnung +++ Selenskyj äußert sich zu Angriffen auf Kiew +++ alle Neuigkeiten im Liveblog

Liveblog Ukrainekrieg: Ukraine: SpaceX schränkt Starlink-Nutzung für Militär ein

Russland: Ein Toter bei ukrainischem DrohnenangriffBei einem ukrainischen Drohnenangriff in der russischen Oblast Saratow ist ‌nach russischen Angaben ein Mensch getötet worden. In der Stadt Balakowo an der Wolga seien außerdem ‌Häuser beschädigt ‌worden, teilte Gouverneur Roman Busargin auf Telegram mit, ohne weitere Details zu nennen. In Balakowo gibt es ​ein Kernkraftwerk und ein ⁠Wasserkraftwerk, dessen Staudamm die Wolga überspannt.

Selenskyj zu Besuch bei Burnham in London erwartetDer ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wird an diesem Mittwoch zu einem Besuch in Großbritannien erwartet. Premierminister Andy Burnham werde Selenskyj am Regierungssitz in der Londoner Downing Street empfangen, um die „felsenfeste Unterstützung“ Großbritanniens für die Ukraine zu bekräftigen, teilte die britische Regierung in der Nacht mit. Konkret soll es unter anderem um die beschleunigte Lieferung wichtiger Luftabwehrraketen gehen. Dies sei Teil „dringender Unterstützung in den kommenden Wochen“, erklärte Burnhams Regierung.Großbritannien werde die Unterstützung für die Ukraine noch weiter verstärken, hieß es in der Mitteilung der Regierung. Burnham habe die zuständigen Kabinettsmitglieder bereits gebeten, „weitere Sanktions-, Militärhilfe- und Finanzpakete auszuarbeiten, um in den kommenden Wochen dringende Unterstützung zu leisten, und die Lieferung wichtiger Luftabwehrraketen zu beschleunigen“.„Meine Botschaft an das ukrainische Volk könnte nicht klarer sein“, wurde Burnham zitiert. „Wir stehen so lange an Eurer Seite, wie es nötig ist, und wir werden unsere Unterstützung ausweiten und beschleunigen, um Euren mutigen Kampf für Frieden in Europa zu unterstützen.“

Selenskyj spricht von Verstoß gegen EnergiewaffenruheDer ukrainische Präsident spricht nach dem abendlichen Angriff mit ballistischen Raketen auf ein Heizkraftwerk in Kiew von einem Verstoß gegen die Energiewaffenruhe. Die Luftverteidigung habe die Rakete erst im Anflug auf Radaren bemerkt, es habe keine vorzeitige Warnung der Partner gegeben. Auch ein Wohnhaus sei getroffen worden. „Die Fakten zeigen, dass sich die Russen nicht an die Äußerungen des Präsidenten der Vereinigten Staaten gebunden fühlen“, schrieb Selenskyj. Er sprach von einer „ungerechten Situation“: „Sie zerstören unsere Energieinfrastruktur, und die Ukraine erhält nicht einmal Frühwarnungen vor ballistischen Raketenstarts.“

Einschläge in Kiew ohne VorwarnungAuch am Mittwoch schlagen in Kiew mehrere ballistische Raketen ohne vorherigen Luftalarm ein. Die Luftstreitkräfte verbreiteten auf Telegram, die Situation ähnele der vom Vorabend. Es hätten keine Informationen von Partnern über Abschüsse vom Gebiet des Feindes vorgelegen. Man werde die Ursache ermitteln. Am Mittag hatte der ukrainische Präsident Wolodmyr Selenskyj bereits ausbleibende Warnungen der westlichen Partnerländer vor dem Abschuss ballistischer Raketen beklagt. In Kiew gibt es Vermutungen, dass dies mit einer Drohung zusammenhängen könnte, die Medienberichten zufolge bei Gesprächen in Miami geäußert wurde. Dem Portal Axios zufolge hatten Präsident Donald Trumps Verhandler der ukrainischen Delegation damit gedroht, künftig keine Geheimdienstinformationen mehr mit der Ukraine zu teilen. Laut Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko sei bei den Angriffen am Mittwoch ein neunstöckiges Wohngebäude getroffen worden und in Flammen aufgegangen, es gebe mindestens zwei Tote und mehr als 20 Verletzte.

Offener Streit zwischen Selenskyj und Klitschko über WintervorbereitungAngesichts anhaltender russischer Angriffe auf Kiew ist offener Streit zwischen Bürgermeister Vitali Klitschko und dem ukrainischen Präsident Wolodymyr Selenskyj über die Vorbereitungen auf den Winter ausgebrochen. Der Staatschef warf der Verwaltung der Hauptstadt am Dienstag vor, bei der Vorsorge gegen weitere Angriffe auf die Energieversorgung hinter anderen Regionen zurückzubleiben. Klitschko wies die Vorwürfe als unbegründet zurück.Nach Beratungen über die Wintervorsorge erklärte Selenskyj: „Mitte Oktober ist die Umsetzung der Notfallpläne praktisch im ganzen Land weiter fortgeschritten als in Kiew - sogar in den Grenz- und Frontregionen.“ Die Bewohner der Hauptstadt bekämen dies zu spüren, „wenn schon einzelne Treffer von Schahed-Drohnen in weiten Teilen Kiews Strom- und Wasserausfälle verursachen“, fügte Selenskyj mit Blick auf die von Russland verwendeten Drohnen iranischer Bauart an.

Dritte tatverdächtige Person im Starlink-Fall festgenommen Im Fall der mutmaßlichen Sabotage einer polnischen Station des für die Verteidigung der Ukraine bedeutsamen Satellitennetzwerks Starlink ist eine dritte verdächtige Person in Deutschland verhaftet worden. Die am Dienstag in Berlin verhaftete Person soll an der logistischen Vorbereitung der Tat beteiligt gewesen sein, berichten polnische Medien. Bereits am Montag waren in Baden-Württemberg zwei türkischstämmige Tatverdächtigte festgenommen worden.Deutschlands Außenminister Johann Wadephul kündigte daraufhin am Dienstag in Warschau an, die Zusammenarbeit der europäischen Sicherheitsdienste zu verstärken. „Wir sind im Fadenkreuz Russlands“, sagte Wadephul beim „Warsaw Security Forum“, wo er sich mit seinem polnischen Amtskollegen Radosław Sikorski beraten hatte. „Wir werden angegriffen, und das geschieht nicht nur in der Ukraine, sondern überall in Europa.“Russland werde es jedoch nicht gelingen, die Gesellschaften der europäischen Länder zu spalten. Vielmehr würden solche Angriffe dazu führen, künftig noch enger zusammenzustehen. Zugleich mahnte Wadephul dazu, auch den deutschen Geheimdienst in die Lage zu versetzen, solche Täter und Taten noch früher zu identifizieren. Darüber hinaus müsse auch die zivile Verteidigung verbessert werden.Bei dem mutmaßlichen Brandanschlag auf die für die Internetkommunikation auch in der Ukraine wichtige Station in der Nähe von Warschau war am 23. September ein Feuer ausgebrochen, das jedoch schnell gelöscht werden konnte. Die Station ging nach Reparatur umgehend wieder ans Netz. Polens Regierung macht Russland für die Tat verantwortlich. Polens Justiz hatte zuvor deutsche Amtshilfe bei der Festnahme beantragt.

Selenskyj beklagt fehlende Warnungen durch VerbündeteDer ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat nach russischen Raketenangriffen auf Kiew eine fehlende Vorwarnung durch die westlichen Verbündeten des Landes beklagt. Selenskyj schrieb in sozialen Medien, fünf ballistische Raketen hätten „hinterhältig“ zivile Infrastruktur in Kiew getroffen. Es habe zuvor „leider keine Vorwarnung von unseren Partnern“ gegeben. Aufklärungsdaten helfen Selenskyj zufolge üblicherweise dabei, Menschenleben zu retten.In seinem Beitrag schien sich Selenskyj auch an die Amerikaner zu richten. Er schrieb, „die direkte oder indirekte Unterstützung Russlands, die Behinderung von Hilfsleistungen für die Ukraine und die Erschwerung des Schutzes vor Raketenangriffen“ trage definitiv nicht zum Frieden bei. Bei Gesprächen am Wochenende in Miami sollen amerikanische Verhandler den ukrainischen Gästen damit gedroht haben, die Übermittlung von Geheimdienstinformationen zu beenden. Damit könnten auch die Warnungen vor dem Abschuss ballistischer Raketen gemeint sein. 

Weg frei für weitere EU-Beitrittsverhandlungen mit KiewNachdem das ukrainische Parlament am Montag Gesetzesänderungen zur Stärkung der Rechte der ungarischen Minderheit beschlossen hat, ist der Weg frei, um an diesem Dienstag zwei weitere Themenblöcke in den EU-Beitrittsverhandlungen mit Kiew zu eröffnen. Die ungarische Regierung gab wie angekündigt ihr bisheriges Veto auf.  Zur Eröffnung der sogenannten Cluster zwei und drei werden die EU-Staaten dazu am frühen Abend in Luxemburg eine Regierungskonferenz mit der Ukraine abhalten. Die entsprechenden Blöcke in den Verhandlungen betreffen den Binnenmarkt und die Wettbewerbsfähigkeit. Im Juni hatten die Staaten Cluster eins zu den Grundfragen von Rechtsstaatlichkeit und Korruptionsbekämpfung eröffnet, nachdem dies ein Jahr lang von der vorherigen ungarischen Regierung unter Viktor Orbán blockiert worden war. Insgesamt gibt es sechs Cluster. Spiegelbildlich wird die EU am Dienstag auch mit Moldau verfahren, das politisch an die Ukraine gekoppelt bleibt, obwohl es in seinen Vorbereitungen weiter ist. Für die Gesetzesänderungen stimmten am Montag in Kiew 266 von 450 Abgeordneten. Sie sehen vor, dass Schüler in ihrer Muttersprache unterrichtet werden, wenn sie mindestens die Hälfte der Schülerschaft stellen. Dies gilt für Minderheiten, die in der Ukraine offiziell anerkannt sind und deren Sprachen zu den EU-Amtssprachen gehören. Damit ist Russisch ausgeschlossen. Nach Schätzungen können sich etwa 150 Schulen um den Sonderstatus bewerben. In Transkarpatien leben etwa 100.000 Angehörige der ungarischen Minderheit.  

Tote und Verletzte nach russischem Angriff auf CharkiwBei einem russischen Luftangriff auf die ostukrainische Stadt Charkiw sind nach Behördenangaben mindestens drei Menschen getötet und elf weitere verletzt worden. Bei dem Raketenangriff sei ein viergeschossiges Wohnhaus getroffen worden, teilten die ukrainischen Behörden mit. In den Trümmern des Hauses könnten noch Menschen verschüttet sein, hieß es. Rettungskräfte seien im Einsatz. Charkiw ist immer wieder das Ziel massiver russischer Luftangriffe.Auch in der Hauptstadt Kiew meldete Bürgermeister Vitali Klitschko Schäden an einem Wohnhaus nach einem russischen Drohnenangriff. Im Westen der Ukraine brannten im Gebiet Lwiw (früher Lemberg) laut Zivilschutz drei Wohnhäuser nach einem Drohnenangriff. Informationen zu Verletzten gab es demnach zunächst nicht. Die ukrainische Luftverteidigung meldete am Morgen, dass von 108 russischen Drohnenangriffen 88 abgewehrt worden seien.

Bulgarien: Zwei Schiffe vor Schwarzmeerküste von Drohnen getroffenVor ⁠der bulgarischen Schwarzmeerküste sind nach Angaben von Ministerpräsident Rumen Radew zwei Schiffe von Drohnen getroffen worden. Eines der Schiffe sei gesunken, teilte Radew in ‌einer Fernsehansprache mit. Dies sei bereits der zweite derartige Vorfall innerhalb einer Woche. Die unter maltesischer Flagge fahrende „Chelsea 3“ in ukrainischem Besitz ‌sei gegen 00.30 Uhr etwa 33 Kilometer vor der Küste von drei Drohnen getroffen worden. Die Besatzung aus sieben Ukrainern und acht Aserbaidschanern sei gerettet worden. Fünf Seeleute seien medizinische ​versorgt worden, es sei aber ⁠niemand schwer verletzt worden. Ein Besatzungsmitglied des gesunkenen Schiffes sei ebenfalls gerettet worden.„Das ist absolut inakzeptabel – ein ​weiterer Angriff in unmittelbarer Nähe der bulgarischen Hoheitsgewässer“, sagte Radew. Er wolle mit NATO-Generalsekretär Mark ⁠Rutte über ‌den Vorfall sprechen. 

Mutmaßliche Saboteure in Nürtingen festgenommenZwei mutmaßliche Saboteure, die einen Brandanschlag auf eine Starlink-Station in Polen verübt haben sollen, sind nach polnischen Regierungsangaben in Deutschland gefasst worden. Das Landeskriminalamt (LKA) in Stuttgart bestätigte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, dass in Nürtingen in Baden-Württemberg zwei Männer auf polnisches Ersuchen hin festgenommen wurden – ohne Angaben zu den Hintergründen zu machen. Sie sollen demnach im Laufe des Tages einem Haftrichter vorgeführt werden.Am Montagabend hatte der polnische Ministerpräsident Donald Tusk auf der Plattform X mitgeteilt, dass die deutsche Polizei auf Antrag der polnischen Geheimdienste zwei türkische Staatsbürger festgenommen habe, die verdächtigt würden, die Starlink-Station in Masowien angezündet zu haben. Die mutmaßlichen Saboteure würden sich vor der polnischen Justiz verantworten müssen. Die Regierung in Warschau vermutet, dass russische Geheimdienste hinter der Tat stehen.Eine Sprecherin des baden-württembergischen Landeskriminalamts sagte, dass am Montag zwei türkische Staatsangehörige in der Bahnhofstraße in Nürtingen festgenommen wurden. Zuvor hatten mehrere Medien berichtet, darunter die „Schwäbische Zeitung“. Der Zugriff erfolgte laut LKA durch Spezialkräfte des Mobilen Einsatzkommandos (MEK). Zum Alter der Verdächtigen machte die Sprecherin zunächst keine Angaben. Außerdem soll die Polizei in Berlin-Spandau laut „Bild“ einen weiteren Verdächtigen gefasst haben, möglicherweise den Fahrer der beiden anderen Männer.

Wadephul will Zeichen der Geschlossenheit an Moskau sendenAußenminister Johann Wadephul will angesichts anhaltender Angriffe Russlands auf die Ukraine bei einem Besuch in Polen gemeinsam mit Kollegen ein Zeichen der Geschlossenheit setzen. „Auch wir sind im Fadenkreuz“, sagte der CDU-Politiker vor seiner Abreise zur Teilnahme an einer Sicherheitskonferenz in Warschau. Deswegen komme er in der polnischen Hauptstadt mit engen Freunden Deutschlands aus Polen, Norwegen und dem Vereinigten Königreich zusammen.Der Auftritt dürfte auch als politisches Symbol nach den jüngsten umstrittenen Äußerungen des amerikanischen Präsidenten Donald Trump gedacht sein. Der hatte nach einem Gespräch mit Russlands Präsident Wladimir Putin unter anderem die Ablösung des ukrainischen Staatschefs Wolodymyr Selenskyjs verlangt und eine Vereinbarung zur Lieferung von Hunderttausenden Tonnen Diesel aus Russland verkündet. Trump will dafür vorübergehend Sanktionen gegen den russischen Energiesektor aufheben.

Trump verteidigt Diesel-Abkommen mit RusslandUS-Präsident Donald Trump hat ein Diesel-Abkommen mit Russland gegen parteiübergreifende ​Kritik verteidigt. Die Vereinbarung werde amerikanischen Landwirten helfen und die hohen Kraftstoffpreise senken, ⁠sagte Trump am Montag (Ortszeit) in Washington.Trump hatte am Freitag angekündigt, dass die US-Regierung die Sanktionen gegen russische Treibstoffe vorübergehend aufhebe, damit Russland Diesel an die Weltmärkte ‌liefern könne. Senatoren der Republikaner und Demokraten forderten Trump am Sonntag jedoch auf, den Kurs zu ändern. Das Abkommen verstoße gegen ein Gesetz aus dem Jahr ‌2022, das den Import ‌russischer Energie verbietet, solange Moskau seine Aggression gegen die Ukraine nicht beendet. Trump wies die Kritik aus seiner eigenen Partei zurück.

Trump: Putin will Deal mehr als SelenskyjUS-Präsident Donald Trump will ungeachtet der Kritik an seinem jüngsten Vorgehen im Ukrainekrieg den Aggressor Russland nicht stärker in die Pflicht nehmen und sieht vor allem die Ukraine unter Zugzwang. Auf die Frage einer Reporterin, was er dazu sage, dass Russland die von ihm selbst verkündete Energie-Waffenruhe verletzt habe, sagte Trump: „Nun, ich müsste mir das erst einmal ansehen, denn es gab Verstöße auf beiden Seiten.“Auf Nachfrage, wie er Russlands Präsident Wladimir Putin dazu bewegen wolle, sich an die Waffenruhe zu halten, sagte Trump, er glaube, dass Putin eine Einigung erzielen wolle - und man den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj dazu bringen müsse, das ebenfalls zu wollen. Auch eine weitere Reporterfrage, wo er bei Putin die Bereitschaft für eine Einigung sehe, wenn dieser die Ukraine angreife, bügelte Trump ohne ein Wort der Kritik am Kreml ab: