FAZ 30.07.2026
04:36 Uhr

Liveblog Ukrainekrieg: Explosionen erschüttern Kiew – mindestens ein Toter


Selenskyj warnt vor einem massiven russischen Angriff +++ Ukrainisches F-16 Kampfflugzeug stürzt ab +++ Frankreich weist russische Propagandistin Fjodorowa aus +++ alle Neuigkeiten im Liveblog

Liveblog Ukrainekrieg: Explosionen erschüttern Kiew – mindestens ein Toter

Neuer ukrainischer Angriff auf russischen Online-HändlerAbermals hat das ukrainische Militär den russischen Online-Händler Wildberries angegriffen. Durch Drohnenbeschuss wurde in der Nacht ein großes Lager des Unternehmens in der russischen Region Pensa in Brand gesetzt, wie der Gouverneur der Region, Oleg Melnitschenko, nach Angaben der staatlichen Agentur Tass mitteilte. Dabei habe es mindestens einen Verletzten gegeben. Rund 200 Mitarbeiter seien evakuiert worden. Seit diesem Monat attackiert die Ukraine immer wieder Logistikzentren des größten russischen Versandhauses. Die symbolträchtigen und weithin sichtbaren Angriffe auf Wildberries verursachen große Schäden. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wirft der Firma vor, mit Material zu handeln, das für den 2022 begonnenen Angriffskrieg gegen sein Land verwendet werde. Der Kreml weist das kategorisch zurück.

Mehrere Explosionen erschüttern KiewNur wenige Stunden nach der Warnung des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj vor einem drohenden „massiven“ russischen Angriff ist in Kiew Luftalarm ausgelöst worden. Offiziellen Angaben zufolge wurde mindestens ⁠ein Mensch getötet. Ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP berichtete in der Nacht von mehreren Explosionen in der ukrainischen Hauptstadt. „Luftalarm in Kiew wegen der Gefahr des Einsatzes ballistischer Waffen“, warnte zugleich die Militärverwaltung. Sie appellierte an die Bewohner der Hauptstadt: „Suchen Sie unverzüglich die nächstgelegenen Schutzräume auf und bleiben Sie dort, bis die Gefahr vorüber ist.“

Ukrainisches F-16 Kampfflugzeug abgestürztDie Ukraine hat eines der für sie wertvollen westlichen Kampfflugzeuge vom Typ F-16 bei der Verteidigung des eigenen Luftraums verloren. Die Maschine sei abgestürzt, als sie feindliche Flugobjekte abfing, teilte die ukrainische Luftwaffe mit. „Vorläufigen Informationen nach gab es eine Notfallsituation an Bord, der Pilot musste sich per Schleudersitz retten“, heißt es in der Mitteilung. Der Pilot ist demnach wohlauf, am Boden gab es keine Schäden und Opfer.Die Ukraine hat nach langem Werben bei westlichen Partnern 2024 die ersten Kampfflugzeuge des Typs F-16 erhalten. Die Flugzeuge werden vor allem bei der Abwehr russischer Drohnen- und Raketenangriffe eingesetzt. Mehrere Maschinen sind bei den riskanten Manövern bereits abgestürzt, die erste kurz nach Beginn der Lieferungen. Der Verlust jeder einzelnen F-16 wiegt für Kiew schwer, da sie sie nicht selbst produzieren kann und bis heute noch nicht alle der rund 80 versprochenen Maschinen in der Ukraine eingetroffen sind. 

Selenskyj warnt vor massivem russischen Luftangriff in der NachtDer ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat vor einem drohenden „massiven“ russischen Luftangriff in der Nacht auf Donnerstag gewarnt. „Die Russen haben vor einigen Tagen einen massiven Angriff vorbereitet, und es besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass der Angriff heute Nacht ausgeführt wird“, schrieb Selenskyj am Mittwochabend im Kurzbotschaftendienst X. Er rief die Bevölkerung im ganzen Land auf, auf einen möglichen Luftalarm zu achten.Selenskyj rief zudem die USA und weitere westliche Verbündete der Ukraine dazu auf, Patriot-Luftabwehrraketen zu liefern. Kiew benötigt diese zur Abwehr von russischen Angriffen mit ballistischen Raketen. Am Dienstag hatte Selenskyj in Washington mit US-Präsident Donald Trump über das Patriot-Abwehrsystem gesprochen. 

Chef von russischem Drohnenhersteller bei Schusswaffenangriff verletztDer Geschäftsführer eines russischen Drohnenherstellers ist bei einem Schusswaffenangriff verletzt worden. Andrej Tscheresow sei in der Nacht zum Mittwoch auf dem Heimweg von der Arbeit von einem unbekannten Angreifer attackiert worden, berichtete die russische Zeitung „Iswestija“. Die Staatsanwaltschaft nahm nach dem Vorfall in Tula rund 200 Kilomeer südlich von Moskau Ermittlungen wegen versuchten Mordes auf.Informationen über Tscheresows Zustand wurden nicht veröffentlicht. Nach Angaben des örtlichen Ermittlungskomitees wurde er ins Krankenhaus gebracht. Es liefen Ermittlungen, um die Täter zu Identifizieren und die Umstände des Vorfalls aufzuklären, erklärte das Komitee.„Iswestija“ berichtete, dass Tscheresows Frau drei Schüsse gehört habe. Sie habe jedoch nicht gesehen, wer auf ihren Mann geschossen habe.Das von Tscheresow geleitete und gegründete Unternehmen Russian Air Transport Laboratory ist vor allem für die Entwicklung von Owod-Kampfdrohnen bekannt. Die russische Armee setzt diese Drohnen in ihrem Krieg gegen die Ukraine ein. 

Früherer schwedischer Armeeberater wegen versuchter Weitergabe von Dokumenten an Moskau verurteiltEin Gericht in Stockholm hat einen ehemaligen Berater der schwedischen Armee wegen der versuchten Weitergabe von Geheiminformation an Russland verurteilt. Laut dem am Mittwoch verkündeten Urteil hatte der Mann bei einem Besuch in Russland im vergangenen Jahr Kontakt zu den Geheimdiensten FSB und GRU aufgenommen und ihnen Dokumente angeboten. Das Gericht ordnete eine psychiatrische Behandlung des 34-Jährigen an, der an einer schweren psychischen Störung leiden soll.Die geheimen Informationen hatte der Mann im Rahmen seiner Tätigkeit als IT-Berater für die schwedische Armee zwischen 2018 bis 2022 erlangt. Im Gegenzug für die den russischen Geheimdiensten angebotenen Dokumente verlangte er nach den Gerichtsangaben Schutz durch die russischen Behörden und die russische Staatsbürgerschaft.Der in Schweden geborene Sohn iranischer Einwanderer wies die Vorwürfe während des Prozesses zurück. Gegen ihn wird nach Angaben des schwedischen Geheimdienstes Säpo zudem wegen der Bildung einer kriminellen Vereinigung zur Begehung eines Mordes ermittelt.

Russische Journalistin in Moskau verurteiltDie russische Journalistin Darja Schipatschewa ist am ​Mittwoch von einem Moskauer Gericht wegen Hochverrats zu zwölf ⁠Jahren Haft in einer Strafkolonie verurteilt worden. Das berichtet die russische Nachrichtenagentur Interfax. Der Prozess fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit ‌statt, es wurden keine Details des Falls offiziell bekannt gegeben. Interfax berichtete unter Berufung auf andere Medien, dass es ‌bei der ‌Anklage um einen mutmaßlichen Geldtransfer in die Ukraine ging.Schipatschewa habe sich schuldig bekannt und die Mindeststrafe für das Vergehen erhalten, hieß ​es. In einem kurzen Video, ⁠das vom unabhängigen Nachrichtenportal Mediazona aus dem Gerichtssaal veröffentlicht wurde, wirkte sie schockiert, als ​das Urteil verkündet wurde. Laut Mediazona war Schipatschewa auf Wissenschafts- ⁠und Medizinjournalismus spezialisiert und ‌arbeitete für mehrere namhafte russische Medien.Seit Beginn des Krieges in der Ukraine vor mehr als vier Jahren hat Russland ⁠die Zensurgesetze verschärft ⁠und den Druck auf unabhängige Medien erhöht. Nach den Angaben ⁠des ​Komitees ⁠zum Schutz von Journalisten, einer unabhängigen Non-Profit-Organisation, ​sitzen 29 Journalisten in Russland im Zusammenhang ‌mit ihrer Arbeit in Haft. 

Frankreich weist russische Propagandistin ausFrankreich weist die umstrittene russische Propagandistin Xenija Fjodorowa aus. Einen entsprechenden Erlass gab das Innenministerium in Paris am Mittwoch heraus. Die in Frankreich lebende  Fjodorowa gilt seit Jahren als das Sprachrohr des Putin-Regimes in Frankreich und ist in rechtspopulistischen Sendern wie CNews sehr präsent. Der französische Präsident Emmanuel Macron hatte Fjodorowa im Juni als „Propaganda-Agentin“ bezeichnet. Außenminister Jean-Noël Barrot sagte kürzlich, die gut vernetzte Fjodorowa sei eine „ausgewiesene Propagandistin, die die Desinformationen des Kremls weiterverbreitet“. Fjodorowa leitete früher das Büro des russischen Senders Russia Today in Paris. Der Milliardär Vincent Bolloré, der von einer rechten Restauration träumt, öffnete ihr die Türen zu seinem Medienimperium. 

Selenskyj stellt Besuch von US-Sondergesandten in Kiew in Aussicht Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj stellt baldige Beratungen ⁠mit den US-Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner in Aussicht. Es sei möglich, dass Witkoff und Kushner in den kommenden zwei Wochen zu Beratungen nach Kiew kommen, sagt Selenskyj dem US-Nachrichtenportal „Axios“. ‌Er bemühe sich zudem vor dem Winter um 300 Patriot-Luftabwehrraketen. Denn er erwarte, dass Russland seine Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur im Winter wieder verstärken werde. Selenskyj hatte sich am ‌Dienstag mit US-Präsident Donald Trump in ‌Washington getroffen. Dabei ging es um die Wiederbelebung der Friedensverhandlungen mit Russland und eine Stärkung der ukrainischen Luftabwehr.

Selenskyj: Ukraine hat mehrere Ziele in Russland angegriffen Die Ukraine hat Präsident Selenskyj zufolge mehrere Ziele in Russland angegriffen. Es habe sich um Einrichtungen gehandelt, die ‌dazu dienten, den Krieg zu unterstützen und zu verlängern. Es seien ein Logistikzentrum in der Stadt Rjasan, eine Ölraffinerie ‌in der Region ‌Perm sowie ein Exportterminal und ein Militärbetrieb in der Region Rostow angegriffen worden, erklärt Selenskyj in einem Post auf X. Er berichtet außerdem von einem Angriff auf ​einen Stützpunkt der russischen Schwarzmeerflotte auf ⁠der von Russland besetzten Krim, an dem deren Schnellboote stationiert sind. 

Russland erlässt Haftbefehl gegen Telegram-GründerRussland hat den in Frankreich lebenden Chef des Onlinedienstes Telegram, Pawel Durow, zur internationalen Fahndung ausgeschrieben. Dem Leiter des Unternehmens hinter dem Messengerdienst werde im Rahmen eines Strafverfahrens „Beihilfe zum Terrorismus“ vorgeworfen, berichten russische Nachrichtenagenturen unter Berufung auf den Geheimdienst FSB. Der Telegram-Gründer wurde in Russland geboren. Er ist Staatsbürger Frankreichs und der Vereinigten Arabischen Emirate.

Selenskyj: Trump hat uns Patriot-Lizenzen zugesagtUS-Präsident Donald Trump soll laut ukrainischem Präsidenten Wolodymyr Selenskyj der Ukraine die vielfach geforderten Lizenzen zur Herstellung von Patriot-Abfangraketen zugesichert haben. „Er hat zugesagt, uns die Lizenzen zu erteilen“, sagte Selenskyj im Interview des Fox-News-Moderators Sean Hannity. Er hofft dadurch, die Produktion der dringend benötigten Abwehrraketen selbst schneller steigern zu können. Das Weiße Haus reagierte zunächst nicht auf eine dpa-Anfrage.Die Patriot-Systeme sind für die Ukraine das einzige wirksame Mittel gegen Russlands ballistische Raketen. Schon im Frühjahr hatte Selenskyj beklagt, dass sein Land kaum noch Munition dafür habe. Der US-Krieg gegen Iran verknappte die weltweiten Bestände der Abwehrraketen weiter.Stunden zuvor hatte Selenskyj sich noch vorsichtiger ausgedrückt. Bei dem Treffen im Weißen Haus hätten er und Trump über die Luftabwehr des von Russland angegriffenen Landes gesprochen. Es sei um eine Stärkung der ukrainischen Flugabwehr gegen russische Raketenangriffe gegangen, teilte Selenskyj auf der Plattform X mit. „Der Präsident und ich haben über Lizenzen zur Herstellung von Patriot-Abfangraketen gesprochen und andere Dinge, die helfen können“, schrieb er.Das Gespräch zwischen Trump und Selenskyj fand hinter verschlossenen Türen statt und endete US-Medien zufolge nach einer guten Stunde. Der Republikaner ließ auf seiner Plattform Truth Social lediglich wissen, dass das Treffen mit Selenskyj „sehr gut“ gelaufen sei. Auch Selenskyj bezeichnete das Treffen in dem Interview bei Hannity als „sehr gut“. Trump und Selenskyj haben sich zuletzt häufiger gesehen: Anfang des Monats beim NATO-Gipfel in Ankara und Mitte Juni beim G-7-Gipfel im französischen Évian. Bei beiden Gipfeln trugen die USA auch gemeinsame Positionen zum Ukrainekrieg mit. Trump hob in Ankara zudem hervor, dass er ein gutes Verhältnis zu seinem ukrainischen Kollegen habe. 

Moskau: 200.000 Freiwillige für Krieg — „Keine Mobilmachung“In Russland sollen sich nach offiziellen Angaben im ersten Halbjahr erneut rund 200.000 Freiwillige für den Angriffskrieg gegen die Ukraine gemeldet haben. Diese nicht überprüfbare Zahl nannte der Vizechef des nationalen Sicherheitsrates, Dmitri Medwedew, bei einer Sitzung. In einem bei Telegram veröffentlichten Video wies er zugleich Behauptungen der ukrainischen Führung zurück, wonach Moskau wie nach Kriegsbeginn 2022 eine Mobilmachung plane, um massive Verluste bei den Streitkräften auszugleichen.Es handele sich um Lügen, Provokationen und Gerüchte, die der Feind gezielt verbreite, um die Lage in Russland vor der Parlamentswahl im September zu destabilisieren, sagte Ex-Kremlchef Medwedew. Die Angst vor einer neuen Mobilmachung ist in Russland tatsächlich mit den Händen greifbar, viele Menschen glauben den offiziellen Beteuerungen nicht. Auch 2022 hatte der Kreml behauptet, es sei keine Zwangsrekrutierung geplant. Als sie doch kam, ergriffen Hunderttausende die Flucht.„Ich möchte noch einmal ausdrücklich betonen: Es besteht keinerlei Notwendigkeit für eine Mobilmachung. Das ist eine Lüge des Feindes, der selbst unter einem Mangel an Personal leidet“, sagte Medwedew. Die personellen Erfordernisse der russischen Streitkräfte seien im ersten Halbjahr „vollkommen“ erfüllt worden, sagte er. Russland lockt die Freiwilligen mit hohen Prämien und Einkommen. Viele Männer, die ihren Wehrdienst abgeleistet haben, berichten aber auch von Druck, sich für den Kriegsdienst zu verpflichten.

Ukraine spricht nach Angriff mit Iran: Wollen keine EskalationDer ukrainische Außenminister Andrij Sybiha hat nach dem tödlichen Angriff auf ein iranisches Frachtschiff seinen Teheraner Kollegen Abbas Araghtschi angerufen und die Lage erklärt. Es das Ziel Kiews, eine unnötige Eskalation zu vermeiden, teilte Sybiha bei X mit. Er äußerte sich nach seinem Besuch mit dem ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj bei US-Präsident Donald Trump in Washington. Der Ukraine gehe es bei ihren Angriffen nur darum, sich selbst vor der russischen Aggression zu verteidigen.Der Minister räumte ein, dass die Ukraine im Kaspischen Meer ein ziviles Schiff angegriffen und dabei einen iranischen Staatsangehörigen getötet zu haben. Demnach forderte Sybiha seinen Kollegen Araghtschi auf, auf eskalierende Schritte zu verzichten und jede Unterstützung für den russischen Angriffskrieg einzustellen. „Dieser Krieg ist illegal, und er muss enden“, sagte der Minister.Araghtschi hatte den Angriff am Samstag scharf verurteilt und mit Vergeltung gedroht. Er warf Selenskyj, der von dem Angriff berichtet hatte, einen Verstoß gegen das Völkerrecht vor und wandte sich dabei auch an die EU und Russland.