Die Arbeit der obersten Kommunalbeamten bleibt häufig ungesehen, doch in Krisenzeiten stehen Landräte plötzlich im Fokus. Als vor fünf Jahren durch die Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen viele Orte verwüstet waren, wurde sichtbar, wie Katastrophen manche Politiker überfordern. In der Eifel hat sich jedoch in den vergangenen Tagen gezeigt, wie gutes Krisenmanagement funktioniert. Als Landrat im Kreis Düren war Ralf Nolten schnell an Ort und Stelle, nachdem am Donnerstagnachmittag im Hürtgenwald ein Feuer ausgebrochen war, das sich zum größten Brand in der Geschichte Nordrhein-Westfalens ausbreiten sollte. Über das Wochenende koordinierte der CDU-Politiker die Einsatzlage in dem Waldgebiet. Anders als in der Flutkatastrophe kamen weder Menschen zu Schaden noch gingen Häuser verloren, doch hängt der vergleichsweise glimpfliche Ablauf auch damit zusammen, wie alle Einsatzkräfte sofort eng zusammengearbeitet haben, um die Flammen zu bekämpfen. Ob Landwirte, die Bundeswehr, das Technische Hilfswerk, Polizei und Feuerwehren oder das Deutsche Rote Kreuz, alle haben ihren Beitrag geleistet. Vor den Mikrofonen war Nolten sichtlich bewegt davon: „Wenn wir hier anderthalbtausend Menschen im Einsatz haben, sind das nicht nur Hauptamtliche, sondern das sind vor allem Ehrenamtliche.“ Vom Engagement in der Kirche zur Kommunalpolitik Vielleicht motiviere das andere, sich zu überlegen, wie man sich engagieren könne, in Hilfsorganisationen, bei der Freiwilligen Feuerwehr oder im DRK. „Wir können diese Schlagkraft nur an den Tag legen, wenn wir uns alle auch ein Stück in der Pflicht sehen, unseren Beitrag zu leisten“, sagte Nolten. Der 62 Jahre alte Nolten ist selbst über ehrenamtliches Engagement in Jugendgruppen und der Kirche in die Kommunalpolitik gekommen. Der promovierte Agraringenieur, der sich zu Hause gern um die 70 Obstbäume im Garten kümmert, trat vor mehr als dreißig Jahren in die CDU ein und saß für die Partei von 2017 bis 2025 im Landtag. Im September vorigen Jahres wurden Nolten in einer Stichwahl zum Nachfolger von Wolfgang Spelthahn (CDU) gewählt; der Landrat war ein Jahr zuvor in der Luxus-Schleuser-Affäre suspendiert worden. Wohlhabende Ausländer hatten sich mithilfe von Behördenmitarbeitern Aufenthaltsgenehmigungen für Deutschland gekauft. Seitdem ist der verheiratete Vater dreier Söhne als Landrat im Kreis Düren wieder stärker in der Heimat tätig. Nolten ist selbst im Kreis aufgewachsen. Nach dem Abitur in Düren und dem Wehrdienst ging er zum Studium nach Bonn, später war er Dozent für Agrarpolitik im Bauernverband und wissenschaftlicher Angestellter am Institut für Lebensmittel- und Ressourcenökonomik der Universität Bonn, bis er in den Landtag gewählt wurde.
