Die vier Parteien, die in der vergangenen Wahlperiode in der größten hessischen Stadt eine Koalition bildeten, haben nach dem Trendergebnis aus der Nacht zu Montag knapp sechs Prozentpunkte verloren. Die CDU, einzige Oppositionspartei der Mitte, hat mehr als vier Punkte hinzugewonnen. Es ist gut, dass die Unzufriedenheit mit dem abgewählten Bündnis, das schon im Sommer zerfallen war, nicht in größerem Maße den Parteien am Rand zugutegekommen ist; nach den vorläufigen Zahlen bleiben AfD wie auch Linke einstellig. Jedenfalls ist deutlich, dass die Bürger einen anderen Kurs wollen. Die Verlierer der Wahl sind die Grünen. Sie haben das beeindruckende Ergebnis, das sie 2021 in ökologisch bewegteren Zeiten eingefahren hatten, verspielt. Wenn man darüber nachdenkt, worum es im Wahlkampf vornehmlich ging, kann man dies nicht auf anderes zurückführen als die missratene Verkehrspolitik, die Frankfurt im Stau versinken lässt und vornehmlich ihrer eigenen Klientel in den innenstadtnahen Vierteln dient. Die Grünen hatten aber auch sonst wenig vorzuweisen. Der von dieser Partei geprägte Koalitionsvertrag von 2021 ist zu beachtlichen Teilen nicht verwirklicht worden. Die Grünen haben für das Scheitern des vor fünf Jahren begründeten Bündnisses mit seinem Dauerstreit letztlich sogar einen noch höheren Preis gezahlt als die wegen ihres irrlichternden Auftritts ebenfalls abgestrafte FDP. Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) wird besorgt auf das Abschneiden seiner Partei blicken, die sogar noch hinter das auch schon schwache Ergebnis von 2021 zurückgefallen ist. Anders als in Offenbach vermochte die SPD nicht von dem Ansehen des Stadtoberhaupts zu profitieren. Eine gute Ausgangslage für die Oberbürgermeisterwahl in drei Jahren ist das nicht. Was Frankfurt jetzt braucht, ist eine funktionierende Koalition ohne Dauerstreit und mit klaren Absprachen, ein Bündnis, das sich auf wenige Punkte verständigt, das anstehende Entscheidungen vorantreibt, das darauf verzichtet, neuerlich mit unklarem Ausgang die Stadt von Grund auf umgestalten zu wollen. An der CDU wird dabei kein Weg vorbeiführen, sofern nicht Grüne und SPD aus lauter Verzweiflung den Irrweg eines Linksbündnisses einschlagen. Mit der Union sind verschiedene Konstellationen denkbar, neben der naheliegendsten, einem Zusammenschluss mit Grünen und SPD, auch eine, bei der sich CDU, SPD, FDP und Volt zusammenfinden. Dies böte immerhin die Chance zu einem echten Neuanfang. Ein paar Tage bleiben noch, bis das endgültige Ergebnis vorliegt. Dann aber zeigt sich die Tatkraft derjenigen, denen die Bürger die Stadt für die nächsten Jahre anvertraut haben, fürs Erste schon einmal daran, wie rasch ein tragfähiges Bündnis geschmiedet wird.
