FAZ 08.08.2026
12:11 Uhr

Kolumne „So isst Politik“: Wo Merkel sich einen Döner holt


Der Bundestag ist in der Sommerpause. Aber Döner geht immer. Welcher Imbiss ist bei Politikern besonders beliebt?

Kolumne „So isst Politik“: Wo Merkel sich einen Döner holt

Was verbindet Helmut Kohl und Angela Merkel? Beide waren rund 16 Jahre lang Bundeskanzler beziehungsweise -kanzlerin, und beide genossen die Speisen des Lokals „Teras Döner“ in Berlin-Mitte. Hängen Erfolg und Döner zusammen? Schwer zu sagen. Kohl soll das Restaurant erst als Altkanzler besucht haben. Man kann also nicht behaupten, dass der Döner ihn bei seinen Amtsgeschäften beflügelt hätte. Aber womöglich war der Kanzler angetrieben von etwas, das ihn auch zum Döner geführt hat. Also etwas außer Hunger. An einen Besuch von Bundeskanzler Friedrich Merz kann man sich im „Teras Döner“ nicht erinnern. „Vielleicht letztes Jahr“, sagt ein Mitarbeiter vage, es klingt eher so, als wollte er es bloß nicht komplett ausschließen. An den Wänden des Ladens hängen andere gerahmt: Merkel, Kohl, aber auch Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, als die noch nicht Bundestagspräsidentin war, und Franz Müntefering von der SPD. Merkel, sagt der Mitarbeiter an diesem Mittwoch, nachdem er eben einen amtlichen Dönerteller sowie ein ebenfalls amtliches Dürüm über die Theke gereicht hat, Merkel jedenfalls komme immer wieder. Tatsächlich zeigen gleich mehrere Fotos im Laden sie. Um nichts Falsches zu sagen, ruft er sogar seinen Chef an. Wann war Merkel zuletzt hier? Vor drei Wochen, habe der Chef gesagt, sagt der Mitarbeiter. Das sagt zunächst einmal weniger über das Lokal als über die Infrastruktur in diesem Teil von Berlin. Viele Dönerläden gibt es hier nicht, dafür fehlt die  Klientel. Vor der Tür trifft man Touristen, die zum Checkpoint Charlie oder zum Brandenburger Tor wollen, wo sie mit Vorliebe in pseudooriginalen Altberliner Wirtshäusern einkehren. Ein anderer Teil der Passanten arbeitet in umliegenden Firmen und Behörden und erhebt sich in erster Linie für Geschäftsessen oder „was Kleines, Leichtes“, vulgo Salat, vom Schreibtisch. Andererseits ist „Teras Döner“ auch nicht irgendein Döner. Es gibt Sitzplätze drinnen und draußen, auch nicht bloß Fleisch vom Drehspieß, sondern richtige Grillgerichte. An diesem Mittag ist der Laden, obwohl die Stadt sommerbedingt leerer ist als sonst, gut besucht. Teller um Teller geht über die Theke. Touristen sichten ihre Handyfotos, die F.A.S. und ein einflussreicher Beamter, dessen Sommerurlaub schon hinter ihm liegt, besprechen, was zu besprechen ist. Wäre das nicht auch mal etwas für Merz? Hier könnte er Volksnähe zeigen, außerdem proaktiv mit den Missverständnissen der „Stadtbild“-Debatte aufräumen. Und schließlich böte sich auch die Gelegenheit, den CSU-Chef Markus Söder, der sich schon als Döner-Ultra inszeniert hat, mit den eigenen Waffen zu schlagen. Na ja, vielleicht nach der Sommerpause. „Jeder Kanzler ist willkommen“, sagt der Mitarbeiter hinter der Theke versöhnlich.