FAZ 23.09.2026
12:43 Uhr

Klandestiner Kandidat: Remmo als Kultursenator?


Wer könnte das Berliner Kulturressort führen? Gesucht wird ein politisch vernetzter Quereinsteiger mit Museumskenntnissen und Talent zum Hineinwachsen: Wir hätten da einen Vorschlag.

Klandestiner Kandidat: Remmo als Kultursenator?

Berlin sucht einen Kultursenator. Zwei sind zuletzt verbraucht worden, oder besser: haben sich selbst im Zuge einer Fördermittelaffäre unmöglich gemacht. Die Spitzenkandidatin der Linken hat angekündigt, als Regierende Bürgermeisterin den zuletzt gekürzten Kulturetat der Stadt von etwa zwei auf drei Prozent des Gesamthaushalts erhöhen zu wollen. Der neue Kultursenator soll also einen Spielraum haben. Thomas Ostermeier, Leiter der Berliner Schaubühne, hat ihn noch erweitert. Im Deutschlandfunk sagte er, der Kultursenator müsse nicht unbedingt jemand sein, der jedes Wochenende in die Oper gehe. Jedes Wochenende in der Oper, Gott bewahre! Ein Kulturmanager der „Stiftung Zukunft Berlin“ steigerte das noch, indem er dem Radiosender mitteilte, es sei nicht wichtig, dass jemand „jedes Wochenende bei allen Premieren“ dabei sei und „auf allen Hochzeiten tanzt“. Er ist der größte Unterstützer der Linken Nun tanzt in der Oper das Publikum nur selten, und jedes Wochenende bei allen Premieren dabei zu sein, wäre wirklich übermenschlich. Die Rückfrage, ob Ostermeier es auch in Ordnung fände, wenn die Kandidaten noch nie die Schaubühne besucht hätten, unterblieb ebenso wie die an den Kulturmanager, was er denn mit seiner Ergänzung meinte, der Kultursenator solle „idealerweise oft genug bei den Premieren“ sein. Man könne in das Amt auch „reinwachsen“, meinte Ostermeier. Die betreffende Person müsse vor allem politisch vernetzt sein, meinte der Kulturmanager. Namen wollte er keine nennen, denn die gälten ja dann als verbrannt. Er beschwor den ehemaligen Kultursenator Klaus Lederer als Vorbild. Nur ist Lederer aus der Partei Die Linke ausgetreten, ihres Antisemitismus wegen. Bleiben also Vertrautheit mit der Kultur und politische Vernetzung als Kriterien. So weit, so banal. Man merkt, dass vom Berliner Personal selbst solche Anforderungen schon unterboten werden konnten. Doch bevor die Suche selbst bei so schwachen Erwartungen leer ausgeht, wir hätten da jemanden. Er – leider ein Mann, aber was für einer! – soll politisch gut vernetzt sein. War schon ins Abgeordnetenhaus eingeladen, wenn auch von einem CDU-Abgeordneten. Findet aber die Linke einzigartig gut. Hat mit ihr, obzwar uneingeladen, gefeiert. Ist ein großer Freund von informeller Umverteilung, teilt gewiss auch die Absicht der Spitzenkandidatin, an den Ausgaben für die Polizei zu sparen. Sein Sohn hat einem Neuköllner Bundestagesabgeordneten der Linken beim Verbreiten einer Bundestagsrede geholfen, worauf der den Vater „mit Respekt“ grüßen ließ. Kontakte sind also da. Fehlt noch etwas? Ach ja, die Kultur! Der klandestine Kandidat ist mit ihr durchaus vertraut. Weniger mit der Oper, in der er noch nicht angetroffen wurde, aber mit den Museen. Seine Leute sollen sogar nachts dort schon Einlass begehrt haben. Beste Voraussetzungen fürs „Reinwachsen“. Eine seiner Leidenschaften scheint die Numismatik zu sein, Sammelschwerpunkt kanadisches Gold, und auch für historischen Schmuck, ist zu hören, interessiert man sich in seiner Familie sehr. Wir nennen jetzt aber, siehe oben, keinen Namen.