Der Filmverleih Universal scheint im Umgang mit Alex Gibneys aufsehenerregender Dokumentation „Musk“ kalte Füße zu bekommen. Das berichtet der „Hollywood Reporter“ und beruft sich dabei auf zwei anonyme Quellen. Universal hatte 2023 die internationalen Rechte an der fast vierstündigen Doku erworben, die kürzlich auf dem Filmfestival in Venedig stehende Ovationen erhielt. Das Stück zeichnet Musk als Größenwahnsinnigen, der seine enorme Macht auch zu politischer Manipulation etwa bei den anstehenden Kongresswahlen im November einsetzen könnte. Universal hat noch kein internationales Startdatum bekannt gegeben und kommuniziert dem „Hollywood Reporter“ zufolge zurzeit nicht mit den Filmemachern. Die Spekulation lautet, dass Universal den internationalen Start von „Musk“ ausfallen lässt und die Rechte an die Produzenten zurückgibt. In den USA läuft der Film – im Verleih der Firma Bleecker Street – am 9. Oktober an. Der politische Einfluss, den Musk in den vergangenen drei Jahren ansammelte, spekuliert das Blatt, könnte Universal zum Umdenken bewegt haben, um nicht die Unbill des Musk-Freundes und Medienwächters Brendan Carr auf sich zu ziehen. Der Chef der Medienaufsichtsbehörde FCC hat sich wiederholt als braver Erfüllungsgehilfe von Trumps Einschüchterungsversuchen gegen die amerikanischen Medien erwiesen. Universals Mutterfirma Comcast plant zurzeit die Auslagerung von NBC Universal, und Carrs FCC muss die Übertragung der Rundfunklizenzen von NBC absegnen. NBC wiederum ist Trump ein Dorn im Auge, unter anderem weil der Sender sich weigerte, seine kürzliche Rede zur Lage der Nation live zu übertragen, und die NBC-Journalistin Kristen Welker ihm derart auf den Zahn fühlte, dass er ihre „Bestrafung“ forderte. Schon andere US-Medienkonzerne hatten sich von Trump einschüchtern lassen – so zahlte Paramount 2025 eine Millionen-„Strafe“ für seine Tochter CBS, um die Fusion mit Skydance Media nicht zu gefährden; auch ABC zahlte im Jahr zuvor Millionen, um sich den Präsidenten geneigt zu halten. Unterdessen hat Gibneys US-Verleih Bleecker Street die amerikanische Premiere soeben um eine Woche auf den 9. Oktober vorgezogen, knapp vier Wochen vor den Kongresswahlen.
