FAZ 08.09.2026
13:36 Uhr

Innovationen auf der IFA: Die KI, die sich im Mund ganz genau auskennt


Auch Haushaltsgeräte kommen heute nicht mehr ohne Künstliche Intelligenz aus. Zwei Beispiele von der Berliner Konsumelektronikmesse IFA.

Innovationen auf der IFA: Die KI, die sich im Mund ganz genau auskennt

Künstliche Intelligenz ist ihren Nutzern am liebsten ganz nah. Je mehr sie von den Menschen weiß, umso besser kann sie funktionieren, betonen die Entwickler. Das ist im Internet zwar keine Neuigkeit. Doch bislang ging es nur um persönliche Daten und passgenaue Werbung. KI-Chatbots jedoch wollen noch viel mehr wissen, am besten alles, die kleinen und auch die großen Geheimnisse, auf dass sie uns richtig beraten können. Mit dem wachsenden Einsatz von KI außerhalb des eigentlichen Computers wachsen die Gebiete, für die sich Künstliche Intelligenz interessiert. Selbst traditionsreiche Unternehmen wie der Haushaltsgeräteanbieter Dyson schwenken um. Chefingenieur Jake Dyson formuliert es so: Man habe sich auf die mechanische Entwicklung der Produkte konzentriert und über Jahrzehnte daran gearbeitet, wie jede einzelne Technologie physisch funktioniert. „Jetzt vollziehen wir den Schritt von rein mechanischen Produkten hin zu intelligenten Systemen, die sehen, denken und reagieren können.“ Eine Zahnbürste mit Kamera So setzt Dyson nach eigenen Angaben nun KI, Bildverarbeitungssysteme und maschinelles Lernen ein, damit die Geräte ihre Umgebung verstehen, in der sie arbeiten. „Der Ansatz bleibt derselbe – ob im Mund, im Haar oder im Zuhause“, sagt Jake Dyson. Gleich 13 Produkte präsentiert der Hersteller auf der IFA in Berlin, die auf dem neuen „Intelligenzkonzept“ basieren. Dazu gehören unter anderem Saugroboter, Luftreiniger und Haarglätter. Besonders genau will es Dysons Camerajet wissen. Es soll sich um die erste Zahnbürste mit integrierter Kamera handeln, die Zahnzwischenräume gezielt erkennt und dort Plaque entfernt. Klingt simpel, doch der Entwicklungsaufwand war offenbar enorm. Mehr als sechs Jahre lang arbeiteten 661 Ingenieure an dem Produkt, wie es heißt. Es gehe „typische Herausforderungen der Mundpflege“ an: übersehene Zahnzwischenräume, unregelmäßige Zahnseideroutinen und Putzen, das hinter den empfohlenen Abläufen zurückbleibt. Das System analysiert dafür 28 Livebilder je Sekunde, nutzt 16 Millionen Codezeilen und wurde mit mehr als 470.000 Bildern trainiert. Solche Hochtechnologie hat ihren Preis: 479 Euro soll das sofort verfügbare Produkt kosten. Auch die anderen Haushaltsgeräteproduzenten, darunter auch die ganz Großen wie BSH oder Electrolux, mögen in ihren Produkten nicht mehr auf Künstliche Intelligenz verzichten. Miele sieht sogar schon das „Ende der Hausarbeit“ in Sicht. Das Gerätemodell G8 Diamond etwa, eine Weltpremiere in Berlin, nehme seinen Nutzern das „Mitdenken beim Geschirrspülen“ ab. Die Waschmaschine soll die Wäsche verstehen Und die Konzeptstudie „Cary“ zeige die Zukunft des Waschens. Programme, Temperaturen, Schleuderdrehzahlen, Extras und Waschmittel ergäben heute bei modernen Waschmaschinen mehr als eine Million mögliche Einstellungskombinationen. Nun drehe man die Logik um: Nicht der Mensch soll die Waschmaschine verstehen müssen, die Waschmaschine soll die Wäsche verstehen. Intelligente Sensorik und KI erkennen demnach Textilarten und Farben und stimmen das Programm und die Dosierung des Waschmittels darauf ab. Das interessiert so manchen Besucher – und auch Bundesdigitalminister Karsten Wildberger findet dafür am Rande seines Messegangs lobende Worte. (siehe Artikel rechts)