Kein Sommer in Hessen ist bisher so heiß und trocken gewesen wie der in diesem Jahr. Der Juni und der gesamte meteorologische Sommer sind die wärmsten seit Beginn der Messungen im Jahr 1881 gewesen. Der Juli ist zudem der trockenste Juli seit damals gewesen. Wie das Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie in Wiesbaden mitteilt, belastet die lang anhaltende Trockenheit dieses Sommers die hessischen Bäche, Flüsse und Seen und vor allem das Grundwasser bis heute. „Die Niederschläge seit Mitte August haben die Situation teilweise entspannt, von einer nachhaltigen Erholung kann jedoch noch nicht gesprochen werden“, teilt Theresa Frommen von der Dürre-AG im Landesamt mit. Besonders betroffen sind neben den Gewässern die Böden. Wie das Landesamt mitteilt, sind die oberen Erdschichten in Südhessen, vor allem im Rhein-Main-Gebiet, schon Anfang Juni relativ trocken gewesen. In den folgenden Wochen mit sehr hohen Temperaturen und geringen Niederschlägen seien die Böden dann bis in eine Tiefe von einem Meter und mehr fast vollständig ausgetrocknet. Denn Hitze verstärkt die Trockenheit durch die hohe Verdunstung. Grundwasserstände deutlich niedriger als vor einem Jahr Das wechselhaftere Wetter in den letzten beiden Augustwochen hat nach Angaben der Fachleute die Situation in Nordhessen und in einzelnen Orten leicht verbessert und die Feuchtigkeit in den obersten Schichten erhöht. „Insgesamt sind die Böden zu Beginn des Herbstes jedoch in größeren Tiefen weiterhin stark ausgetrocknet“, teilt das Landesamt mit. Besonders betroffen sind Regionen mit sandigen Böden, wie sie im Rhein-Main-Gebiet in der Mainebene, vor allem südlich des Mains, und im Hessischen Ried zu finden sind. Denn Sandböden können wenig Wasser speichern. Entscheidend für den Naturhaushalt, also Böden, Bäche und Flüsse, ist die Grundwassersituation. Grundwasser bildet sich nur im Winter neu, wenn Regen ungehindert von der Vegetation in den Boden und dort bis in größere Tiefen vordringen kann. Doch im vergangenen Winterhalbjahr hatte es nicht ausreichend geregnet, sodass zu Beginn des Frühjahrs 83 Prozent der Grundwassermessstellen einen niedrigeren Stand auswiesen als in Vorjahren. Im Juni stieg dann der Anteil der Messstellen mit niedrigen und sehr niedrigen Werten auf rund 40 Prozent. Weniger Wasser auch in Bächen, Flüssen und Seen Die anschließende Trockenheit bis Mitte August verschärfte die Situation weiter. Rund 22 Prozent der Grundwassermessstellen erreichten im August einen neuen Monatsniedrigstand. Trotz erster Regenschauer in der zweiten Monatshälfte wiesen Ende August weiterhin 64 Prozent der Messstellen niedrige oder sehr niedrige Werte aus. Damit ist die Grundwassersituation derzeit deutlich ungünstiger als im Vorjahr. Im Landesamt, und wohl nicht nur dort, hofft man nun auf einen regenreichen Winter. Denn „ein feuchter Winter ist für das Grundwasser wichtiger als ein feuchter Sommer“. Doch die Niederschläge im vergangenen Winterhalbjahr, also von November bis April, lagen unter dem langjährigen Mittel. Zusammen mit Hitze und Trockenheit führte dies im Sommer zu extremen Niedrigwasser in Bächen, Flüssen und Seen. Mit erheblichen Konsequenzen für Flora und Fauna im Wasser. Mit den sinkenden Wasserständen von August an sind auch die Wasserpflanzenvorkommen deutlich zurückgegangen. Bäche und sogar Flüsse sind, wie das Landesamt mitteilt, in Teilen trocken gefallen, insbesondere an den Oberläufen. Die langanhaltenden Hitzewellen und das extreme Niedrigwasser hätten zu Hitzestress unter Wasser und – in Verbindung mit Sauerstoffmangel – wiederkehrendem Fischsterben in einigen hessischen Gewässern geführt. Besonders betroffen seien flache Teiche, Seen und Altrheinarme gewesen. Dazu zählen Gewässer im Vogelsbergkreis, der Beuerbacher See im Taunus bei Hünstetten, Gewässer bei Büttelborn und der Lampertheimer Altrhein. Nach Einschätzung der Fachleute befindet sich die sogenannte aquatische Fauna und Flora aktuell dennoch in einem besseren Zustand als am Ende des letzten Rekordsommers im Jahr 2018. Doch genauere Beurteilungen seien erst möglich, wenn die endgültigen Ergebnisse der diesjährigen Untersuchungen vorlägen.
