FAZ 14.08.2026
11:50 Uhr

Hitze-Liveblog: Temperaturen bis zu 38 Grad in Deutschland erwartet


Deutscher Wetterdienst rechnet im Westen und Südwesten mit hohen Temperaturen +++ 1800 Menschen in Nordrhein-Westfalen müssen ihre Häuser wegen eines Waldbrandes verlassen +++ Neuer Waldbrand im Südwesten Frankreichs +++ alle Entwicklungen im Liveblog

Hitze-Liveblog: Temperaturen bis zu 38 Grad in Deutschland erwartet

Der Bodensee hat so wenig Wasser wie nie zuvor in diesem JahrNach wochenlanger Trockenheit und Hitze hat der Wasserstand im Bodensee mit 275 Zentimetern am Pegel Konstanz seinen niedrigsten Wert in diesem Jahr erreicht. Das sei normalerweise im Februar oder März der Fall, teilte die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) mit. Die Gründe für die aktuelle Lage: Regen sei ausgeblieben und viel Wasser durch die anhaltende Hitze verdunstet. Zudem habe es im Winter zu wenig in den Alpen geschneit, deshalb fehle das Schmelzwasser aus den Bergen. Schon seit Ende November 2025 sei es in Baden-Württemberg zu trocken. Weil es im alpinen Einzugsgebiet des Bodensees zu wenig geregnet oder geschneit habe, führten die Seezuflüsse, insbesondere der Alpenrhein, teils extremes Niedrigwasser. „Und das sehen wir jetzt auch am Bodensee deutlich“, sagte LUBW-Präsident Ulrich Maurer.Am Pegel Konstanz wurden laut LUBW am Donnerstag 275 Zentimeter gemessen. „Damit liegt der Wasserstand deutlich unter den jahreszeitlich üblichen Werten“, hieß es. Es war zudem der niedrigste Wert, der je an einem 13. August gemessen wurde (Auswertezeitraum ab 1850).Bislang war der niedrigste Wasserstand des Jahres am 9. Februar mit 276 Zentimetern gemessen worden. Ende Februar/Anfang März 1858 lag der Pegel laut LUBW über mehrere Tage bei 226 Zentimetern - das ist der niedrigste Wert der gesamten Messreihe seit 1850.Und auch der neue Tiefststand dürfte nicht von langer Dauer sein: Die LUBW rechnet mit einem weiteren Rückgang des Wasserstandes. An einem heißen Sommertag könne die Verdunstung aus dem Bodensee durchaus auf bis zu 30 Kubikmeter pro Sekunde steigen. „Das entspricht etwa dem Volumen eines Tanklastwagens pro Sekunde“, teilte die LUBW mit. Normalerweise werde dieser Verlust durch die Zuflüsse zum Bodensee ausgeglichen - das sei in diesem Jahr nicht ausreichend der Fall.

England: Brände in den West Midlands zerstören HäuserBei mehreren Wald- und Vegetationsbränden in England sind Häuser zerstört und Menschen in Sicherheit gebracht worden. Besonders schwer betroffen war die Stadt Stourbridge südwestlich von Birmingham, wo mindestens sechs Gebäude von den Flammen erfasst wurden. Wie der britische Feuerwehrverband NFCC am Freitag mitteilte, kamen drei Feuerwehrleute nach ihrem Einsatz ins Krankenhaus, mehrere Menschen wurden wegen des Einatmens von Rauch behandelt.Die Brände hatten sich am Donnerstag, dem bislang heißesten Tag des Jahres in Großbritannien, rasch ausgebreitet. Am Freitag erklärte die Feuerwehr der Region West Midlands, sie mache Fortschritte bei der Bekämpfung der Flammen. Das Feuer habe mehrere Ausgangspunkte gehabt. Einige Brände seien vorsätzlich auf Grasflächen gelegt worden und hätten anschließend auf andere Gebiete übergegriffen.Feuerwehrchef Simon Tuhill sprach von einem der aufwändigsten Einsätze in der Geschichte der Feuerwehr der West Midlands. Die völlig ausgetrocknete Vegetation habe die schnelle Ausbreitung der Flammen begünstigt, die Zerstörungen seien erheblich. 

Frankreich: Neuer Brand auf einer Fläche von 1100 HektarIm Südwesten Frankreichs hat ein neuer Waldbrand 1100 Hektar Land erfasst. Die Ausbreitung des am Donnerstag in einem Kiefernwald im Département Landes (in der Region Nouvelle-Aquitaine) ausgebrochenen Feuers sei zwar „gebremst“ worden, erklärte Feuerwehrchef Arnaud Fabre am Freitag. Der Präfekt des Départements, Gilles Clavreul, warnte jedoch angesichts von Temperaturvorhersagen von 36 Grad Celsius, bei der Brandbekämpfung seien die „nächsten 15 Stunden entscheidend“.Der Brand, dessen Ursache noch unklar ist, hatte sich am Abend aufgrund wechselnder Winde sehr schnell ausgebreitet. Insgesamt 525 Menschen wurden bisher vor den Flammen in Sicherheit gebracht. Clavreul zufolge waren rund 500 Feuerwehrleute im Einsatz.Bislang wurde den Behörden zufolge kein Wohnhaus zerstört, auch wenn manche nur wenige Dutzend Meter von dem Feuer entfernt sind. Eine mögliche Verbesserung der Wetterbedingungen ist für Samstag angekündigt.

Waldbrand bei Plauen – rund sieben Hektar betroffenBei Plauen kämpft die Feuerwehr weiterhin gegen einen Waldbrand. In der Nacht waren erneut rund 130 Kräfte im Einsatz, wie die Stadt Plauen mitteilte. Sie gingen demnach gezielt gegen frisch aufflammende Glutnester vor.Dabei wurde das Gebiet mit einer Drohne überwacht, um Glutnester gezielt aufzuspüren. Wo die Drohnendaten erhöhte Temperaturen anzeigten, platzierte die Feuerwehr gezielt einen sogenannten Kreisregner, der Wasser gleichmäßig über den Boden verteilt. Parallel gruben die Einsatzkräfte weiter die Erde um, damit das Löschwasser die tief im Boden sitzende Hitze erreichen und die Glut löschen kann.Der Brand war am Dienstag ausgebrochen. Betroffen ist eine Fläche von rund sieben Hektar, die wegen der Hanglage und des Unterholzes schwer zugänglich ist.

Waldbrandexperte sieht Deutschland in Teilen schlecht vorbereitetDeutschland ist nach Einschätzung des Waldbrandexperten Ulrich Cimolino nur bedingt auf größere Vegetationsbrände vorbereitet. Eine Stärke sei das flächendeckende Feuerwehrsystem. „Wir schaffen es, sehr viele Feuer klein zu halten, weil wir Feuerwehr in der Fläche haben“, sagte der Vorsitzende des Arbeitskreises Waldbrand im Deutschen Feuerwehrverband (DFV) der Deutschen Presse-Agentur. Schwierig werde es bei dynamischen Lagen: Kämen etwa Wind als treibender Faktor und die Topographie zusammen, könnten Brände schnell eskalieren. Vegetationsbrände seien anders als andere Brände, dafür brauche es geschulte Einsatzkräfte. Defizite sieht der Experte vor allem bei der Ausbildung. Es gebe keine nennenswerten zentralen Aus- und Fortbildungsstätten, die Taktik und Technik weiterentwickelten. Deutschland verfüge grundsätzlich über ausreichend Luftunterstützung: Mehr als 70 geeignete Hubschrauber von Länderpolizeien, Bundespolizei und Bundeswehr stünden für unterschiedliche Aufgaben zur Verfügung. Problematisch seien jedoch teils langwierige Anforderungswege und unterschiedliche Verfahren zwischen den Bundesländern, so Cimolino.

Waldbrand in der Eifel – Menschen müssen ihr Zuhause verlassenIn der Nähe der Gemeinde Hürtgenwald in Nordrhein-Westfalen brennt es. Rund 1800 Menschen mussten ihre Häuser verlassen – und die Flammen kommen diesen immer näher.

Brand nahe Chalkidiki in Griechenland ist wieder unter KontrolleEin großer Waldbrand auf der westlichen Landzunge der nordgriechischen Halbinsel Chalkidiki ist nach Angaben der Feuerwehr unter Kontrolle gebracht worden. Zahlreiche kleinere Brandherde und Glutnester müssten aber noch überwacht und gelöscht werden. Während der Löscharbeiten wurden drei Feuerwehrleute leicht verletzt, wie ein Sprecher der Feuerwehr sagte.Das Feuerwehr war am  Donnerstagnachmittag nahe dem Ferienort Siviri auf der Halbinsel Kassandra ausgebrochen und hatte sich in dem dicht bewaldeten Gebiet rasch ausgebreitet. Küstenwache und Privatleute brachten zahlreiche Menschen mit Booten aus dem gefährdeten Küstengebiet in Sicherheit. Insgesamt seien 481 Menschen auf dem Seeweg evakuiert worden, so die Behörden.

Grüne fordern Hitzeschutzpläne für Schulen und Kitas Die Grünen im Bundestag fordern einen nationalen Hitzeschutzplan – und für Schulen und Kitas umfassende Investitionen in den Hitzeschutz. „Dazu gehören verschattete und begrünte Pausenhöfe, geeignete Lüftungs- und Kühlsysteme sowie ausreichend hitzegeschützte Aufenthaltsräume“, sagte Fraktionsvize Misbah Khan der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.Schulen und Kitas seien für die in der Klimakrise zunehmende extreme Hitze vielerorts nicht ausgelegt, sagte Khan. „Die Belastungen für Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte sind enorm und machen konzentrierten und guten Unterricht teilweise unmöglich.“In der ersten Woche nach den Sommerferien habe es in Rheinland-Pfalz, Hessen und dem Saarland so hohe Temperaturen gegeben, dass es noch vor wenigen Jahren vielerorts Hitzefrei gegeben hätte, sagte Khan. „Wir müssen uns darauf einstellen, dass solche Extremwetterlagen häufiger und länger auftreten.“ Mit dem neuen Rechtsanspruch auf ganztägige Betreuung müssten Kinder und Jugendliche auch an langen Betreuungstagen vor den gesundheitlichen Folgen extremer Hitze geschützt werden.

Wetterdienst warnt abermals vor HitzeAm Freitag werden im Westen und Südwesten Deutschlands bis zu 38 Grad erwartet, wie es in der Vorhersage des Deutschen Wetterdienstes (DWD) heißt. Etwas weniger heiß wird es mit bis zu 31 Grad im Nordosten und im südlichen Alpenvorland.Vielerorts scheint die Sonne. Nur vereinzelt ziehen Wolken auf. Regen wird nicht erwartet. In der Nacht auf Samstag kühlt es ab, die Temperaturen liegen demnach voraussichtlich bei 10 bis 21 Grad.Auch am Wochenende sind weiterhin Höchstwerte über 30 Grad möglich. Am Samstag liegen die Temperaturen der Prognose zufolge vielerorts bei 30 bis 38 Grad, nur im Nordwesten wird es mit mindestens 22 Grad etwas kühler. Zudem könnte es nass werden: Vom Westen bis in den Norden werden dichte Wolken sowie einzelne, teils kräftige Schauer und Gewitter erwartet. 

Der Bauernverband rechnet aufgrund der anhaltenden Trockenheit in diesem Jahr mit erheblichen Ernteeinbußen bis hin zum Totalausfall.  Diese betreffen Weizen, Kartoffeln und Zuckerrüben – und Nutztiere. Welche Forderungen Bauernpräsident Joachim Rukwied daraus ableitet, lesen Sie in dieser Meldung.

Acht Hektar Wald sind im Sauerland verbrannt – Feuer noch nicht unter KontrolleSeit Mittwoch bekämpft die Feuerwehr im Sauerland bei Sundern einen Waldbrand auf steilem und unwegsamem Gelände. Dort sei eine Fläche von rund 80.000 Quadratmetern verbrannt, berichtete ein Sprecher der Feuerwehr.Das Feuer sei inzwischen zwar unter Kontrolle, aber noch immer nicht gelöscht. Rund 100 Einsatzkräfte seien weiterhin vor Ort, um immer wieder aufflammende Glutnester zu löschen. Ein Ende der Arbeiten sei noch nicht absehbar. Das Feuer war am Mittwoch gegen 14.30 Uhr in einem steilen und schwer zugänglichen Bereich des Waldes ausgebrochen. Bis die Löscharbeiten beginnen konnten, habe die Fläche in voller Ausdehnung gebrannt, so der Sprecher.  Die Polizei hat Ermittlungen zur noch ungeklärten Brandursache aufgenommen. 

Grundgesetz für Hitzeschutz ändern? Skepsis aus der UnionBundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) will den Umgang mit Hitzephasen und ihren Folgen zu einer gemeinsamen Aufgabe von Bund, Ländern und Kommunen machen – doch in der Union stößt er auf Skepsis. „Eine solche neue, breite Kompetenz des Bundes würde zwar die Verfassungsjuristen auf Jahre mit Abgrenzungsfragen beschäftigen, aber keinen Vorteil für das Klima bringen“, sagte der Vizevorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Günter Krings, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).„Eine allgemeine Klimaschutzkompetenz würde im Zweifelsfalle im Bereich des Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsrechts kaum noch etwas von der Gesetzgebungskompetenz der Länder übriglassen, denn fast alles hat Relevanz für den Klimaschutz“, sagte der CDU-Politiker.

Heute bis zu 37 Grad möglichHeute wird es in Deutschland verbreitet heiß und sonnig. Von Nordost nach Südwest steigen die Höchstwerte auf 27 bis 37 Grad, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) vorhersagt. Am wärmsten wird es voraussichtlich im Südwesten von Hessen und in Rheinland-Pfalz mit bis zu 37 Grad. Auch im Westen und in Teilen der Mitte sind hochsommerliche Temperaturen zu erwarten. „Meist scheint die Sonne von früh bis spät, oft sogar von einem wolkenlosen Himmel. Dazu ist auch wieder Schwitzen angesagt“, sagte DWD-Meteorologe Markus Übel am Mittwoch. Im Nordosten wird es mit etwa 27 bis 30 Grad vergleichsweise weniger heiß, wie die Wetterexperten des DWD weiter mitteilten. An den Küsten sorgt der Wind vom Meer für Abkühlung.

Tierschützer fordern zeitlich begrenzten Stopp von ViehtransportenDer Tierschutzbund fordert ein zeitlich begrenztes Viehtransportverbot im Sommer. Angesichts der Hitze und des zunehmenden Lkw-Verkehrs wüchsen die Gefahren, erklärte der Tierschutzbund am Mittwoch in Bonn. Weil wegen des niedrigen Wasserstands auf deutschen Flüssen mehr Güter auf die Straße verlagert werden, drohten zusätzliche Staus. Die Tierschutzorganisation appelliert an Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) und Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU), während der Hitzeperiode umgehend ein bundesweites Verbot von Lebendtiertransporten zu verhängen.Die Transporte bedeuteten insbesondere bei Hitze für Rinder, Schweine, Schafe und Geflügel Stress, erklärte der Tierschutzbund. Staus könnten für die Tiere zu einer Tortur werden, die mit dem Tod noch im Lkw enden könne. An Autobahnen gebe es keine ausreichende Versorgung, wenn beladene Tiertransporter stundenlang feststeckten. Die zuständigen Minister müssten sofort handeln, mahnte Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes.