Allein die angebliche Freundschaft zwischen Donald Trump Junior und Umar Kremljow wäre bemerkenswert: Einer ist der Sohn des amtierenden amerikanischen Präsidenten, der andere ein russischer Geschäftsmann, der angeblich nur begrenzt Englisch spricht und Verbindungen zu Wladimir Putin hat. Sie seien keine Geschäftspartner, sondern Freunde, die ihre Liebe zum Sport teilten, hieß es von einem Sprecher Donald Juniors. Man habe sich vor einigen Jahren kennengelernt und eine „freundschaftliche Beziehung“, ließ Kremljow verlauten. Die Beziehung war nach relativ kurzer Zeit offenbar so eng, dass der Präsident der International Boxing Association – die vom Internationalen Olympischen Komittee wegen Korruption suspendiert wurde – und des russischen Amateurboxverbands im Mai Hunderttausende Dollar für die Hochzeit des Präsidentensohns mit der Influencerin Bettina Anderson auf den Bahamas ausgab. Wie das investigative Onlineportal „Pro Publica“ in dieser Woche berichtete, kam Kremljow für mehrere Ausgaben auf. Etwa die rund 100.000 Dollar Miete für eine Privatinsel, auf der ein Empfang stattfand, und eine Feuerwerksshow, die üblicherweise um die 70.000 Dollar kostet. Außerdem soll sein Team an der Planung des Wochenendes beteiligt gewesen sein. „Es geht nicht um einen Cousin“ Das Paar bestreitet das nicht. Bettina Trump schrieb in einem Beitrag auf Instagram, die Hochzeit mache ja offenbar Schlagzeilen, sie wolle also Klarheit schaffen. Ihr „guter Freund“ Umar habe „zwei unglaubliche Nächte der Feierlichkeiten“ nach der eigentlichen Hochzeit tags zuvor ausgerichtet. Dies sei ein „außerordentlich großzügiges“ Hochzeitsgeschenk gewesen, für das man ewig dankbar sei. Wenige Tage vor dieser Zusammenkunft war Kremljow noch mit Putin in China gesehen worden. Die frisch Vermählte nahm Bezug auf Berichte über die Einladung, wonach ein solches Vorgehen für einen Präsidentensohn unangemessen sei oder politische Motive eine Rolle gespielt hätten. Es sei schade, schrieb Bettina Trump, dass etwas so Persönliches und Schönes „als etwas Politisches oder Bedrohliches“ dargestellt werde, allein wegen der Herkunft oder Rolle der Person. Großzügigkeit komme nicht automatisch mit einer Agenda. „Keine Verschwörung, kein Mysterium.“ Die Demokraten im Kongress sehen das anders. Sie leiteten am Dienstag eine Untersuchung des Falls in die Wege. Robert Garcia, der ranghöchste Demokrat im Kontrollausschuss des Repräsentantenhauses, stellte die Beweggründe des russischen Geschäftsmanns infrage – was erwarte dieser sich von dem Geschenk? Der Minderheitsführer im Senat, Chuck Schumer, sprach von einem „korrupten, käuflichen, für die nationale Sicherheit gefährlichen“ Hochzeitsarrangement. Es gehe hier nicht um einen Cousin, sondern einen russischen Oligarchen. Manchmal sei ein Hochzeitsgeschenk „Bestechungsgeld von einem ausländischen Autokraten“. Auf Fotos ist Kremljow nur verdeckt zu sehen Die Zahlen sprechen dafür, dass Donald Junior sich derlei Feierlichkeiten selbst hätte leisten können. „Forbes“ hat sein Vermögen jüngst auf etwa 300 Millionen Dollar geschätzt. Präsident Trump hatte nicht an der Hochzeit seines Sohnes teilgenommen. Das habe der sich zwar gewünscht, sagte er damals, aber es werde nur eine „kleine, private Angelegenheit“. Auf Nachfrage der „New York Times“ hieß es aus dem Weißen Haus, der Präsident wisse nicht, wer Umar sei, habe nie von ihm gehört. Im Übrigen habe die Hochzeit selbst an einem „komplett anderen Ort zu einem anderen Zeitpunkt stattgefunden“. Auf diese Argumentation zieht sich offenbar auch das Brautpaar zurück. Bettina Trump argumentierte in ihrem Instagram-Beitrag, die Hochzeitsfeier selbst habe nach Planänderungen am Freitag auf einer Nachbarinsel stattgefunden. Das Wochenende sei „von langer Hand“ als eine Begegnung mit Freunden geplant gewesen und nicht als Hochzeitsfest. Auf Fotos der Feierlichkeiten, die Donald Junior und seine Ehefrau in den sozialen Medien verbreiteten, war der großzügige Spender Kremljow, dessen Vereinigung vom staatlich kontrollierten russischen Energiekonzern Gazprom finanziert wird, nicht zu sehen. Wohl aber auf einem von einem Gast veröffentlichten Gruppenfoto, das „Pro Publica“ ausfindig gemacht hatte. Halb verdeckt, in der letzten Reihe.
