FAZ 06.10.2026
10:53 Uhr

Geld für Exzellenzunis: „Kein Ersatz für Finanzierung durch das Land“


Frankfurt, Mainz und Darmstadt dürfen sich künftig Exzellenzuniversitäten nennen und erhalten 155 Millionen Euro. Die Darmstädter Unipräsidentin Tanja Brühl erklärt, wie das Geld eingesetzt werden soll.

Geld für Exzellenzunis: „Kein Ersatz für Finanzierung durch das Land“

Frau Brühl, die Universitäten Frankfurt, Mainz und Darmstadt sind vom nächsten Jahr an Exzellenzunis. Sie erhalten über einen Zeitraum von sieben Jahren insgesamt bis zu 155 Millionen Euro von Bund und Ländern. Wie wird das Geld unter den drei Unis aufgeteilt? Der Großteil wird über Ausschreibungen vergeben. Das heißt, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der drei Rhein-Main-Universitäten können innerhalb unserer Forschungsschwerpunkte – oder auch zu neuen, vielversprechenden Forschungsbereichen – Projekte vorschlagen und dafür Geld beantragen. Die Projektideen werden begutachtet – bei ausgewählten Förderformaten werden wir dazu auch internationale Expertinnen und Experten beteiligen. Ein kleinerer Teil des Geldes ist für bereits im Antrag ausgearbeitete Projekte vorgesehen, zum Beispiel zum Thema Führung, Personalentwicklung oder Wissenschaftskommunikation. Hierfür werden wir auch neues Personal einstellen. Generell geht es nicht darum, zwischen den Universitäten Mittel nach Proporz zu verteilen, sondern wir wollen einen Wettbewerb der besten Ideen, um den Verbund als Ganzes weiterzuentwickeln. Auf welche Forschungsschwerpunkte konzentrieren sich die Rhein-Main-Universitäten? Es sind die Felder „Health“, „Data“, „Matter“ und „Society“. In diesen Feldern haben wir Gebiete identifiziert, auf denen wir schon jetzt besonders stark sind, zum Beispiel Künstliche Intelligenz oder Kognitionswissenschaften im Bereich Data. Und es gibt Gebiete, in denen wir großes Potential sehen, neue Ideen gemeinsam weiterzuentwickeln, etwa in Bereich neuer Therapien oder im Bereich Finance. Hier können sich Forscher von mindestens zweien der drei Universitäten gemeinsam um Mittel des Exzellenzverbundes bewerben. Es geht uns also immer darum, wie wir Expertisen in den Rhein-Main-Universitäten noch enger zusammenbringen können, um Neues vorzudenken. Wenn so ein Antrag bewilligt wird, wofür genau wird das Geld dann ausgegeben? Die Mittel können für verschiedene Formate eingesetzt werden. Man könnte zum Beispiel sagen, wir sind einem bestimmten Bereich gut, könnten uns aber durch international ausgewiesene Kolleginnen und Kollegen noch weiterentwickeln. Das heißt, wir wollen uns durch Neuberufungen oder Gruppenleitungen auch personell verstärken. Durch das Ausschreibungssystem wird sichergestellt, dass das Geld nicht verwendet wird, um in den Universitäten Haushaltslöcher zu stopfen? Das Geld aus der Exzellenzstrategie ist programmgebunden. Mit den zusätzlichen Mitteln arbeiten wir an der Erreichung der Ziele, die wir in unserem Antrag festgelegt haben. Es ist eine Projektfinanzierung für zunächst sieben Jahre, die noch positiver Evaluation verlängert wird. Sie hat nichts mit dem Hochschulpakt zu tun, der die Grundfinanzierung der staatlichen hessischen Hochschulen durch das Land regelt. Das heißt, die Exzellenzförderung ermöglicht Ihnen nicht, den Sparkurs abzumildern, den Ihnen das Land Hessen durch die Kürzungen im Hochschulpakt aufgezwungen hat? Drittmittel wie die Mittel aus der Exzellenzstrategie sind kein Ersatz oder Kompensation für die Grundfinanzierung durch das Land. Mit dem Exzellenztitel ist nicht nur finanzielle Förderung, sondern auch Renommee verbunden. Wir glauben, dass wir dadurch noch mehr Drittmittel akquirieren können als bisher schon. Das schafft – neben den im Exzellenzverbund geförderten Projekten – neue Möglichkeiten. Bei 155 Millionen Euro insgesamt beträgt die jährliche Zuwendung rund 22 Millionen Euro. Ursprünglich war von 28 Millionen die Rede gewesen. Warum ist die Summe kleiner geworden? Schon im Frühjahr wurde verkündet, welche zehn schon bestehenden Exzellenzuniversitäten weiter gefördert werden, und nun werden noch fünf Förderfälle hinzukommen. Es werden nun zwei weitere Verbünde gefördert, außer den Rhein-Main-Universitäten jener des Ruhr Innovation Labs mit der Ruhr-Universität Bochum und der TU Dortmund. Die durch Verbünde beantragbare Summe ist höher als bei Einzeluniversitäten. Dadurch verteilt sich die Fördersumme auf mehr Förderfälle, und auch solche mit höherer maximal möglicher Förderung. Für die einzelnen Universitäten beziehungsweise Verbünde sinken damit die verfügbaren Mittel. Wir hoffen, dass Rheinland-Pfalz und Hessen unseren länderübergreifenden Verbund auch in Zukunft weiter so engagiert unterstützen, um mit dieser veränderten finanziellen Ausgangslage umzugehen. 22 Millionen Euro im Jahr für drei Unis – so viel Geld ist das nicht, oder? In Harvard würde man vermutlich darüber lachen. Ich finde es schwierig, private und staatliche Universitäten in unterschiedlichen Wissenschaftssystemen mit unterschiedlichen Finanzierungslogiken miteinander zu vergleichen. Uns eröffnen diese 22 Millionen Euro große Handlungsspielräume. Wir können damit innovative Forschung finanzieren, und ich bin mir sicher, dass sich die Rhein-Main-Universitätsallianz dadurch wunderbar entwickeln wird.