FAZ 18.08.2026
16:55 Uhr

Frührente: Jeder zweite Hesse will früher aufhören zu arbeiten


Ältere Arbeitnehmer sind nach einer Studie der Krankenkasse DAK seltener krank, wenn, dann aber länger – und viele wünschen sich einen früheren Ruhestand.

Frührente: Jeder zweite Hesse will früher aufhören zu arbeiten

Mehr als die Hälfte der älteren Beschäftigten in Hessen würden gerne früher aufhören zu arbeiten. Das ist das Ergebnis des Gesundheitsreports 2026 „Arbeiten ab 50“ der Krankenkasse DAK. Dafür hat das IGES Institut im Auftrag der DAK-Gesundheit den Krankenstand aller 257.000 erwerbstätigen DAK-Versicherten in Hessen analysiert und eine repräsentative Bevölkerungsumfrage durchgeführt. „Der DAK-Gesundheitsreport liefert wichtige Erkenntnisse für die aktuelle Debatte über eine Rentenreform und längere Arbeitszeiten“, sagt Britta Dalhoff, DAK-Landeschefin in Hessen, und ergänzt: „Wenn jeder zweite ältere Beschäftigte im Land vorzeitig aus dem Berufsleben ausscheiden möchte, ist das ein klares Signal.“ Es sei wichtig, erfahrene Mitarbeiter gesund, motiviert und leistungsfähig im Beruf zu halten. „Dafür braucht es mehr Wertschätzung am Arbeitsplatz und ein betriebliches Gesundheitsmanagement, das die Bedürfnisse älterer Beschäftigter stärker berücksichtigt“, so Dalhoff. Auch Jüngere denken schon an früheren Ruhestand Die Forsa-Umfrage für den DAK-Gesundheitsreport zeigt, dass 56 Prozent der Beschäftigten im Alter von mehr als 50 Jahren in Hessen einen vorzeitigen Renteneintritt konkret planen. Damit liegt Hessen über dem Bundesdurchschnitt von 52 Prozent. Nur 29 Prozent in dieser Altersgruppe möchten bis zur gesetzlichen Rente arbeiten, und zwölf Prozent von ihnen können sich vorstellen, auch noch über das gesetzliche Rentenalter hinaus erwerbstätig zu bleiben. Bezieht man die Umfrageteilnehmer unter 50 Jahren ein, so denken 42 Prozent aller Beschäftigten über einen früheren Ausstieg aus dem Erwerbsleben nach. Ob Menschen länger arbeiten möchten, hängt nach Angaben der DAK maßgeblich von ihrer Gesundheit ab. Unter den Beschäftigten aller Altersgruppen mit einem schlechteren Gesundheitszustand planen mehr als die Hälfte (56 Prozent) einen vorzeitigen Renteneintritt. Beschäftigte mit guter oder sehr guter Gesundheit können sich dagegen deutlich häufiger vorstellen, bis zum offiziellen Rentenalter oder noch länger zu arbeiten. Wer länger, motiviert und leistungsfähig arbeiten soll, braucht nach dem Report der Krankenkasse vor allem gute Arbeitsbedingungen. Für 62 Prozent der Befragten im Alter von mehr als 50 Jahren ist das eine wichtige Voraussetzung für ein längeres Erwerbsleben. Für 57 Prozent spielt Freude an der Arbeit eine wichtige Rolle. 47 Prozent wünschen sich, ihre Erfahrungen und ihr Wissen an die jüngeren Kolleginnen und Kollegen weitergeben zu können. Nach dem DAK-Gesundheitsreport schätzen ältere Beschäftigte in Hessen ihre Leistungsfähigkeit als sehr hoch ein, und sie sind seltener krankgeschrieben als jüngere. Auf 100 Beschäftigte von 50 Jahren aufwärts kamen im vergangenen Jahr 180 Krankschreibungen. In der Altersgruppe unter 50 waren es 231 Krankschreibungen auf 100 Erwerbstätige, also deutlich mehr. Allerdings sind bei den Beschäftigten von 50 Jahren an die Fehlzeiten je Krankheitsfall fast doppelt so lang wie bei den Jüngeren. Die durchschnittliche Falldauer liegt bei den Älteren bei 15,3 Tagen, bei den Jüngeren waren es 7,9 Tage. Der Krankenstand liegt bei Arbeitnehmern jenseits der 50 Jahre in Hessen bei sechs Prozent. Mit zunehmendem Alter steigt er kontinuierlich an und erreicht im Alter von 66 Jahren elf Prozent. Das bedeutet, dass in dieser Altersgruppe an jedem Tag durchschnittlich elf von 100 Beschäftigten arbeitsunfähig sind. Die Befragung zeigt nach Darstellung der DAK auch, dass viele Beschäftigte jenseits der 50 der neuen Aktivrente grundsätzlich offen gegenüberstehen (70 Prozent). Knapp ein Drittel der Befragten (27 Prozent) kann sich die Nutzung einer Aktivrente sogar gut vorstellen. Weitere 43 Prozent schließen sie nicht aus. 30 Prozent lehnen die Aktivrente klar ab.