FAZ 02.10.2026
17:51 Uhr

Frankreich: Mediapart legt Recherche zu Jordan Bardella offen


Das linke Newsportal hat seine Recherche über mutmaßliche antisemitische Äußerungen Bardellas transparent gemacht. Der RN-Vorsitzende spricht von „Pseudo-Beweisen“.

Frankreich: Mediapart legt Recherche zu Jordan Bardella offen

Jordan Bardella, Vorsitzender des Rassemblement National (RN), hat die von Mediapart veröffentlichten Screenshots als „Pseudo-Beweise“ zurückgewiesen. Das linksgerichtete Nachrichtenportal hatte am Donnerstag seine Recherche offengelegt und Chat-Nachrichten veröffentlicht, um antisemitische Äußerungen zu belegen, die Bardella in seiner Jugend getätigt haben soll. „Die Pseudo-Beweise von Mediapart sind endlich draußen“, schrieb der 31 Jahre alte Bardella auf der Plattform X. Es handele sich um „obskure, manipulierbare Screenshots, die scheußliche Aussagen wiedergeben, die ich offensichtlich nie gemacht habe“, so der RN-Vorsitzende. Er habe seinen Anwalt beauftragt, Klage wegen Urkundenfälschung und Urkundenmissbrauchs einzureichen. Schon zuvor hatte er über seinen Anwalt eine Verleumdungsklage angestrengt. Mediapart hatte am Montag erstmals über antisemitische Bemerkungen berichtet, die Bardella als junger Aktivist gemacht haben soll. Dabei stützte sich das Portal auf mutmaßliche private Chats aus dem Jahr 2013. Darin heißt es unter anderem, „der Jude“ wolle „die anderen Völker beherrschen“ und „auslöschen“. Bardella bestreitet, Urheber der Nachrichten zu sein. Meta stellt Daten zur Verfügung Als Beweise für die infrage stehenden Gespräche zwischen Bardella und Personen aus seinem unmittelbaren Umfeld führt Mediapart nun Screenshots von Unterhaltungen über „Facebook Messenger“, einen Dienst des Unternehmens Meta, an. Die Chats sollen dem Nachrichtenportal von zwei voneinander unabhängigen Quellen aus dem Umfeld Bardellas übermittelt worden sein. Mediapart legt diese Quellen nicht offen. Laut dem Nachrichtenportal hat Meta die Chatverläufe auf Anfrage zur Verfügung gestellt. Das Nachrichtenportal gibt an, dass es sich die Echtheit der von Meta zur Verfügung gestellten Daten beglaubigen lassen habe. Um sicherzustellen, dass es sich bei dem Gesprächspartner tatsächlich um Bardella handelte, analysierte das Portal nach eigenen Angaben den Inhalt der Chatverläufe und fand darin viele biographische Details des RN-Vorsitzenden. Mediapart sieht drei Gründe, die für die Echtheit der Chatverläufe sprechen: Anhand des Gesprächsauszugs lasse sich das Gespräch datieren. Es lasse sich nachweisen, dass dieses Gespräch nachträglich nicht verändert wurde, und es lasse sich bestätigen, dass der Gesprächspartner von Meta unter dem Namen Jordan Bardella geführt wird. In dem Artikel wird Bardella auch vorgeworfen, zu Beginn seiner politischen Karriere nicht nur antisemitische Schriften verfasst, sondern auch „ganz Frankreich belogen“ zu haben, indem er sich nicht zu ihnen bekannt habe. Die Enthüllungen hätten die fünfzehnjährige Strategie der „Entdämonisierung“ der rechtsextremen Partei zunichtegemacht, schrieb Mediapart. Macron: Äußerungen „schärfstens verurteilen“ Das linke Portal wird wegen seiner Recherche von Mitgliedern des RN scharf angegangen. Am Freitagvormittag sagte der RN-Abgeordnete Jean-Philippe Tanguy im Fernsehsender CNews, es sei „das einzige Ziel“ von Mediapart, Zweifel zu säen und den Rassemblement National in Verruf zu bringen. Marine Le Pen hatte Antisemitismusvorwürfe gegen Bardella bereits als politische Manöver zurückgewiesen. „Das lassen wir nicht mit uns machen“, sagte sie am Dienstag in Paris vor Abgeordneten des RN und verbündeter Parteien. Sie wolle herausfinden, „wer hinter dieser Manipulation steckt“, sagte Le Pen. Bardella selbst bezeichnete Mediapart als „eine Zeitung der extremen Linken, bestehend aus Fanatikern, die jedes Mittel einsetzen werden, einschließlich der unloyalsten, um uns daran zu hindern, die Präsidentschaftswahl zu gewinnen“. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte die dem Rechtspopulisten Bardella zugeschriebenen antisemitischen Äußerungen am Mittwoch als „äußerst schlimm und inakzeptabel“ bezeichnet. Er forderte die Verantwortlichen der Partei RN am Rande seines Staatsbesuchs in der spanischen Hauptstadt Madrid auf, „ihre Linie zu klären“. Die antisemitischen Äußerungen, die Bardella Mediapart zufolge gemacht haben soll, „müssen schärfstens verurteilt werden“, sagte Macron.