Wir haben ja schon in der Schule gelernt, wer schuld daran ist, dass es in Afrika noch so viele arme Länder gibt, die Trump einmal, unerträglich wie immer, „shithole countries“ nannte: die europäischen Kolonialmächte natürlich, also auch wir Deutschen, denn wir wollten, so unvernünftig waren wir einmal, ebenfalls einen Platz an der Sonne haben, freilich noch vor Beginn der Klimaerwärmung. Mittlerweile glauben wir aber, dass auch unser Zentralgestirn ein bisschen Verantwortung für die schleppende Entwicklung Afrikas haben könnte (was freilich nicht unsere Schuld relativieren soll und kann). Denn nun haben ja auch wir Deutschen bemerkt, wie erbarmungslos die Sonne selbst noch die saftigste Arbeitsmoral verdorren lässt. Als Max Weber über die protestantische Ethik schrieb, kann es höchstens 20 Grad gehabt haben. Jetzt aber sind wir weich gekocht wie Nudeln nach einer Stunde im Topf und schlapp wie ein Salatblatt in der Mikrowelle. Da kehren sogar hartgesottene Homeoffice-Officer, denen der Chef immer noch keine Klimaanlage für ihren Workspace spendiert hat, ins kühlere Büro zurück, bis wieder Wolken am Himmel stehen. Die Hitze hilft auch Bas und Klingbeil Unsere Politiker scheinen sich gleich ganz hitzefrei genehmigt zu haben. Vom Kanzler in der Sommerfrische am Tegernsee sieht und hört man nichts, was freilich sogar mancher in der CDU als einen Kollateralnutzen der erhöhten Temperaturen betrachtet. Die helfen auch der SPD-Führung, weil es ja selbst für einen hitzköpfigen Putschversuch zu heiß ist; in Deutschland finden Revolten und Revolutionen gewöhnlich im Herbst statt. Solange es also weiter Hitzehochs über Europa gibt, müssen Bärbel Bas und Lars Klingbeil das Umfragentief der SPD nicht fürchten. Im September drohen ihnen aber nicht nur die Wahlen im Osten, sondern auch meteorologischer Tiefdruck. Apropos Osten, für den wir uns ja viel mehr interessieren sollen, wie es uns auch noch Bundestagspräsidentin Klöckner ins Stammbuch schrieb, obwohl das schon voll mit solchen Befehlen ist. Aber selbstverständlich folgen wir auch der wiederholten Anweisung und fragen uns: Sind Wunderheilungen wie durch Sven Schulze nur im Osten nur ab 35 Grad möglich? Und: Hat Björn Höcke einen Sonnenstich, gar einen Hitzschlag erlitten? Der AfD-Führer bot Sahra Wagenknecht an, sie zur Ministerpräsidentin von Thüringen zu wählen. Wagenknecht ist, obwohl sie ja gerne die Parteimitgliedschaft wechselt, freilich noch nicht zur AfD übergetreten, sondern immer noch die rote Eminenz des BSW. Irgendwie erinnert uns diese Fraternisierungsofferte des extremen Rechten an die extreme Linke an die Karikatur von David Low aus dem Jahr 1939, die Hitler und Stalin beim Austausch von Höflichkeiten zeigt. Wagenknecht hält Höckes Angebot für einen schlechten Witz Heutzutage kann man darüber natürlich nicht mehr lachen. Wagenknecht betrachtete auch Höckes Versuch, weitere Belege für die Richtigkeit der Hufeisentheorie beizubringen, als einen schlechten Witz. Dabei wollte Höcke sich wohl nur für Wagenknechts immer noch geltendes Angebot revanchieren, der AfD in Sachsen-Anhalt an die Macht zu helfen, falls die dort knapp an einer eigenen Mehrheit vorbeisegelt, bei niedrigem Hirnwasserstand kann ja alles passieren. Noch scheint uns zwischen, aber auch innerhalb der beiden Parteien nicht alles geklärt zu sein - wie auch, wenn in dieser Hitze sogar Haie die Ostsee mit der Karibik verwechseln. Doch sind wir zuversichtlich, dass die Unstimmigkeiten ausgeräumt werden und wenigstens im Osten eine neue Nationale Front gebildet werden kann, nach der sich dort offenbar so viele Bürger sehnen. Die AfD singt ja auch schon wieder die Becher-Hymne mit, in deren erster Strophe es heißt „Alte Not gilt es zu zwingen, und wir zwingen sie vereint, denn es muss uns doch gelingen, dass die Sonne schön wie nie über Deutschland scheint“. Letzteres ist schon gelungen, das muss man wie von Klöckner gefordert anerkennen. Diesen strahlenden Erfolg konnte selbst der Mond nur kurz verschatten.
