FAZ 17.08.2026
14:47 Uhr

Frage auf Pressekonferenz: Journalistenverband kritisiert russische Ermittlungen gegen F.A.Z.-Korrespondenten


Russlands Justiz ermittelt gegen den Balkankorrespondenten der F.A.Z. Der Deutsche Journalistenverband protestiert dagegen: Es dürfe keinen Schauprozess in Moskau geben.

Frage auf Pressekonferenz: Journalistenverband kritisiert russische Ermittlungen gegen F.A.Z.-Korrespondenten

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) protestiert gegen das offenbar von der russischen Justiz eröffnete Ermittlungsverfahren gegen Michael Martens, den Balkankorrespondenten der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. „Welche Fragen Journalisten bei einer Pressekonferenz stellen, geht die Justiz nichts an – auch nicht die russische“, äußerte der DJV-Bundesvorsitzende Mika Beuster am Montag. Martens hatte auf einer Pressekonferenz in Belgrad den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj gefragt, was die Europäer tun könnten, um der Ukraine dabei zu helfen, mehr russische Soldaten zu töten. Ermittelt werde wegen des Schürens von Hass und Feindseligkeit, meldete die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass. Im Fall einer Verurteilung drohen Martens bis zu sechs Jahre Haft. Ob ein internationaler Haftbefehl ausgestellt wird, werde derzeit geprüft, heißt es. „Es darf keinen Schauprozess geben“ Die Frage des Korrespondenten hatte scharfe Kritik hervorgerufen, unter anderem von der russischen Regierung. Die F.A.Z. erklärte daraufhin, die Frage des Mitarbeiters sei missverständlich formuliert gewesen. Dies bedauere man. Es sei nicht die redaktionelle Linie der Zeitung, dass möglichst viele russische Soldaten getötet werden sollten. DJV-Chef Beuster sagte, es sei bezeichnend für das autokratische System von Wladimir Putin, dass die Distanzierung der F.A.Z. von der Frage offenbar nicht zur Kenntnis genommen werde. Beuster forderte die Sicherheitsbehörden zu „erhöhter Wachsamkeit“ auf. Das gelte insbesondere für den Fall, dass mit einem internationalen Haftbefehl gedroht werde. „Es darf keinen Schauprozess in Moskau gegen einen deutschen Journalisten geben.“