FAZ 13.09.2026
16:50 Uhr

Formel 1 in Spanien: Antonelli siegt auch in Madrid und baut WM-Vorsprung aus


Der WM-Spitzenreiter Kimi Antonelli gewinnt eine Woche nach seinem Sieg in Monza auch in Madrid. Auf dem neuen Kurs in Spanien profitiert er auch vom Bremsen-Drama bei einem seiner Verfolger.

Formel 1 in Spanien: Antonelli siegt auch in Madrid und baut WM-Vorsprung aus

Mit dem Sieg beim Großen Preis von Spanien, seinem achten in 14 WM-Läufen, rast Kimi Antonelli mit unvermindertem Tempo dem Ziel entgegen, jüngster Formel-1-Champion der Geschichte zu werden. Einen anderen Eintrag in der Formel-1-Historie nimmt dem Italiener schon jetzt keiner mehr: Er ist der erste Sieger auf dem neuen Madring. Ein Erfolg, der knapper war, als es die komfortablen 4,3 Sekunden Vorsprung in der Ergebnisliste ausdrücken, weshalb der WM-Spitzenreiter nach der Zieldurchfahrt zugibt: „Wir hatten Glück mit der virtuellen Neutralisierung, für Lando war das Pech. Ihm hätte der Sieg gebührt.“ McLaren-Pilot Norris wird am Ende Dritter hinter einem starken Max Verstappen im Red Bull. In der Gesamtwertung sieht es weit entspannter aus: Antonelli (292 Punkte) hat jetzt 81 Zähler Vorsprung auf seinen in Madrid fünftplatzierten Teamkollegen George Russell sowie 101 Punkte auf Lewis Hamilton und 106 auf Norris. Ausruhen ist aber nicht das Ding des 20-Jährigen. „Das war stark, Leute“, funkte er an die Mercedes-Box, „aber lasst uns weiter Druck machen“. Prompte Antwort: „Wir machen Druck bis zum Schluss.“ Von all den Prognosen, mit denen sich die Formel-1-Piloten die Premiere auf dem Madring schlechtgeredet haben, war die von Weltmeister Lando Norris noch die treffendste: „Es gibt eine Menge Unbekannte hier, der Start wird entscheidend sein.“ Red-Bull-Pilot Max Verstappen hingegen hatte gelästert: „Die Kurve, in der sich überholen lässt, suche ich noch.“ Rennfahren „wie eine Oma“ WM-Spitzenreiter Kimi Antonelli setzte noch eins drauf: „Die ersten zehn Runden werden wir fahren müssen wie eine Oma.“ Herrlich, wenn die sonst so selbstsicheren Herren Rennfahrer ein bisschen Bammel haben vor dem, was da über 57 Runden auf sie zukommen kann. Wie gut vor allem für ein munteres Renngeschehen. Lando Norris, der seinen McLaren nach der besten Qualifikationsrunde seiner Karriere überraschend auf die Pole-Position stellen konnte, stellt sein papayafarbenes Auto schon leicht schräg in die Startbox. Kaum gehen die Lichter der Ampel aus, schneidet er dem neben ihm stehenden Antonelli schon den Weg ab. Es sind keine 200 Meter bis zur ersten Kurve, die kommen schnell, und da ist nicht viel Platz das Feld zu sortieren, die Favoriten stauen sich. Antonelli kürzt gleich zweimal ab, auch Verstappen später noch einmal im Duell mit Lewis Hamilton. Wilde Positionswechsel, von denen der davoneilende Norris profitieren kann. Stadtverkehr ist eben immer ein bisschen rüder als Landstraße, aber genau das versetzt die 110.000 Zuschauer in Ekstase. Die Rennleitung muss Verkehrspolizist spielen, pfeift Verstappen zurück, der aber nur kurz Vierter ist. Die Bremsen am Ferrari von Lewis Hamilton streiken früh, der Brite eiert zwischen den Betonmauern hindurch und ist nach sechs Runden aus dem Rennen, wohl auch aus dem um die Weltmeisterschaft. Bei allem Frust ist der Rekordchampion so anständig, sein Auto nicht auf der Strecke zu parken, um das Renngeschehen nicht ungebührlich zu stören. Antonellis Schreckmoment Die virtuelle Neutralisierung, vor der sich die Führenden fürchten und auf die die Verfolger hoffen, folgt in Runde 14, als Lance Stroll seinen Aston Martin unfreiwillig parken muss. Es ist der Moment, der das Rennen umdreht. Kimi Antonelli bekommt das Signal zum Reifenwechsel, als er sich höchstens noch 50 Meter vor der Boxeneinfahrt befindet. Der Italiener und Mercedes nutzen reaktionsschnell die Chance, sich zehn Sekunden gegenüber einem regulären Stopp zu sparen. Auch Verstappen ist rechtzeitig dran. Nur der enteilte Lando Norris hat noch einen ganzen Umlauf vor sich, um es den Konkurrenten nachzutun. Als er dann endlich einbiegt, ist das Rennen gerade wieder freigegeben worden. So übernimmt Charles Leclerc, der draußen geblieben ist, die Führung vor Antonelli und Verstappen, die aber nicht mehr stoppen müssen. Der WM-Führende Antonelli erlebt einen Schreckmoment der ganz anderen Art, als plötzlich ein Streckenposten vor ihm die Piste kreuzt. Er selbst wird vom Mercedes-Kommandostand auch zur erhöhten Vorsicht aufgefordert, um die Reifen zu managen. Der spanische Asphalt liefert ungewöhnlich viel Grip für eine neue Strecke, aber frisst dafür auch viel Gummi. Einen offensiven Piloten wie Antonelli zum Schongang aufzufordern, ist immer eine diffizile Angelegenheit. Aber der Italiener weiß, dass er von nun an die besten Titelchancen haben wird, wenn er auch taktisch fährt. „Niemand wird ihn und Mercedes in diesem Jahr stoppen können, sie machen einen phänomenalen Job und verdienen es deshalb auch\", glaubt Lewis Hamilton. Eines der stressigsten Rennen im WM-Kalender Zu Beginn des letzten Renndrittels fragt Interims-Spitzenreiter Charles Leclerc bangend bei seinen Strategen: „Könnt' Ihr mir mal sagen, um welchen Platz ich hier fahre?“ Sein Renningenieur braucht nicht lange rechnen, es ist nicht die Antwort, die der Monegasse hören will: „Wenn das Rennen normal läuft, wirst du Vierter.“ Die Unsicherheit aber fährt auf jedem der 5416 Meter mit. Muße, die gewaltige Steilkurve Monumental zu genießen, der Rundung einer Stierkampfarena nachempfunden, hat keiner auf dieser Piste. Das bekommt Kimi Antonelli auf den letzten zehn Runden zu spüren, als er zwar durch Leclercs zweiten Stopp in Führung geht, ihm Verstappen aber bis auf eine Sekunde nahekommt. Der Niederländer ist selbst unter Druck. Jetzt zählt nicht nur, wer die stärksten Nerven hat, sondern auch die dickste Gummischicht. Die Ungewissheit hält bis zum Schluss, Norris und Verstappen liefern sich in der vorletzten Runde noch ein ultrahartes Duell über die Randsteine, der Niederländer verlässt mit allen vier Rädern die Piste, wird aber nicht bestraft. Der Madring mag vielleicht keine der besten Rennstrecken im WM-Kalender sein, aber sicher eine der stressigsten.