FAZ 15.03.2026
10:53 Uhr

Flughafen Frankfurt: So wird die Skyline-Bahn für das Terminal 3 gesteuert


Das Werkstattgebäude ist das Herzstück der neuen Skyline-Bahn am Frankfurter Flughafen. Hier werden die Züge gewartet, und der Betrieb wird von der Leitstelle aus kontrolliert. Vieles passiert vollautomatisch.

Flughafen Frankfurt: So wird die Skyline-Bahn für das Terminal 3 gesteuert

Zwei Männer schauen konzentriert auf jeweils drei Bildschirme. Darauf zu sehen sind viele Linien in verschiedenen Farben. Hinter den Bildschirmen an der Wand hängen 20 weitere Monitore. Sie zeigen die Kamerabilder der Stationen der neuen Skyline-Bahn des Frankfurter Flughafens in den einzelnen Terminals. Darunter ist ein weiterer großer Bildschirm, auf dem in verschiedenen Farben die einzelnen Streckenabschnitte der beiden Trassen der Skyline-Bahn sowie in Dreiecken die aktuelle Position der Züge gezeigt werden. Grün steht für „Freie Fahrt“, vor roten Abschnitten müssen die Züge halten, etwa weil ein entgegenkommender Zug gerade die Weiche vor ihm überfährt. Man kann lange zuschauen bei der Arbeit der Menschen in der Leitstelle im Werkstattgebäude der neuen Skyline-Bahn, die vollautomatisch die beiden bestehenden Terminals 1 und 2 mit dem neuen Terminal 3 verbindet. Die 5,6 Kilometer lange Strecke legt die Bahn in weniger als acht Minuten zurück und erreicht dabei Geschwindigkeiten von bis zu 80 Kilometern in der Stunde. Sie ergänzt die alte Skyline-Bahn, die Passagiere zwischen Terminal 1 und 2 seit 30 Jahren nutzen. Im Regelbetrieb sind bis zu neun Züge gleichzeitig auf der Trasse. Sie halten im Zweimutentakt in zwei Richtungen jeweils im neuen Stationsgebäude des Terminals 1, dem bestehenden am Terminal 2 und dem neuen am Terminal 3 und nehmen dort jeweils die Passagiere auf. All das passiert ohne Zugführer. Zu ruhigeren Zeiten, etwa in der Nacht, wird die Taktung der Züge reduziert. Der aktuelle Bedarf ist über die Kameras in den Stationen schnell erkennbar. Per Knopfdruck können in wenigen Minuten neue Züge auf die Trasse gebracht werden. „Ein Wechsel von vier auf acht Züge auf der Strecke dauert zehn Minuten“, sagt Sebastian Lohse von Siemens Mobility. Er ist Projektleiter bei der Arbeitsgemeinschaft des Passagier-Transport-Systems, wie die neue Bahn insgesamt heißt, und hat damit alle rund 40 Mitarbeiter im Blick, die im Werkstattgebäude die Fahrten überwachen und die Züge warten. Auftragsvolumen: 300 Millionen Euro Die neue Skyline-Bahn wurde im Auftrag der Fraport von einem Konsortium aus mehreren Unternehmen gebaut. Dazu zählen vor allem Siemens Mobility und das Bauunternehmen Max Bögl, das für die Fahrwegträger im Nordteil der Bahn und insgesamt für die Fahrbahn mit der erforderlichen Systemausrüstung verantwortlich war. Flughafenseitig verantwortet die Fraport Ausbau Süd GmbH (FAS) den gesamten Bau des Terminals 3, inklusive der Trasse und der Züge der neuen Skyline-Bahn. Die Züge kommen von Siemens Mobility und wurden extra für die Frankfurter hergestellt. Siemens übernimmt zudem die Wartung der Fahrzeuge und die Aufsicht des Betriebs für bis zu zehn Jahre. Gesamtes Auftragsvolumen für Bau und Betrieb der Trasse, der Station im Terminal drei und des Werkstattgebäudes: etwa 300 Millionen Euro. Jeder „Waggon“ misst gute 20 Meter, ist 2,8 Meter breit und wiegt leer 32 Tonnen. Die Züge fahren auf speziellen, 495 Millimeter breiten Lastwagenreifen von Michelin und werden elektrisch angetrieben. Die Spurführung läuft über zwei schräg aufeinander zulaufende Kreise an der Vorder- und Rückseite des Fahrzeugs, die eine extra dafür gedachte Rille in der Fahrtrasse umschließen. Das System ist inspiriert von Bahnen in Rennes und Bangkok. Im Werkstattgebäude laufen alle Fäden der Skyline-Bahn zusammen. Es ist im Westen sechs Etagen hoch und, anders als der auf Stützen stehende östliche Teil, als klassisches Gebäude gebaut. Im östlichen Teil befindet sich die Wartungshalle mit der Waschstraße auf Höhe des fünften und sechsten Stocks, darunter ist die Halle bis zum Boden aufgeständert. Sie steht in 16 Meter Höhe auf 24 Stützen, die auf 58 Bohrpfählen gründen. Nördlich des Gebäudes verläuft die Trasse. Die Züge sind in Spezialtransporten aus dem Siemens-Werk in Wien geliefert und über Kräne in die Trasse eingehoben worden. Der letzte Zug kam im Januar 2025 an. Von Januar bis November 2025 wurden zahlreiche Testfahrten und technische Abstimmungen in den Zügen durchgeführt. Besonders heikel war, das System so zu programmieren, dass die Fahrt für Passagiere möglichst angenehm verläuft, also verhindert wird, dass sie beim  Beschleunigen oder Bremsen durch die Waggons fliegen, erinnert sich Lohse. Obwohl das Terminal 3 noch nicht eröffnet ist, haben die zwölf Züge zusammen schon rund 300.000 Kilometer auf dem Buckel. In der Wartungshalle ist also schon jetzt einiges zu tun. Schon jetzt haben die Züge 300.000 Kilometer auf dem Buckel Dort gibt es vier Stellplätze für die Züge. Alle sind mit einer mobilen Hebeanlage ausgestattet, sodass die Züge auch von unten durchgecheckt werden können. Bei einem Zug sind beim Besuch die übergroßen Reifen abmontiert. Er steht auf der Hebeanlage. „Der hat gerade seine 30.000er-Inspektion“, sagt Peter Schenker – also die nach 30.000 Kilometern fällige Wartung. Schenker ist technischer Leiter des Projekts aufseiten der Fraport-Tochter FAS. Der Zug bekomme unter anderem „neue Discs“, sagt er, gemeint ist das Spurführungssystem, das mit der Zeit verschleißt. Diese Führungsrollen werden am regelmäßigsten gewartet. Neben der Werkstatt ist die Waschstraße. Sie sieht aus wie eine sehr große Autowaschanlage. Die Züge werden dort alle zwei Wochen gereinigt. Das macht bei zwölf Zügen im Schnitt einen Zug am Tag. Auch das passiert vollautomatisch: Der Zug, der am längsten nicht gewaschen worden ist, wird von der Leitstelle „per Knopfdruck“ zum Waschen gerufen. „Das lässt sich auch vorprogrammieren, wann welcher Zug kommt“, sagt Lohse. Perspektivisch soll, abgesehen von fünf reinen Bürokräften, jeder Mitarbeiter alle Aufgaben in Leitstelle und Werkstatt übernehmen können. So sei es auch bei der alten Skyline-Bahn. „Beim alten System kann jeder alles. Jeder kann Mechanik, Elektrik und auch die Leitstelle bedienen. Das ist hier auch das Ziel“, sagt Lohse. Allein für die Leitstelle würden jeden Tag acht bis neun Personen benötigt, weil die Arbeit sehr viel Konzentration erfordere und die Mitarbeiter sich regelmäßig abwechseln müssten. In der Leitstelle kann es stressig werden, vor allem wenn bei deutlich mehr Passagieren nach der Eröffnung des Terminals 3 im April etwas Außerplanmäßiges passieren sollte. Dann müssten die beiden Männer, die an diesem Mittag ziemlich entspannt aussehen, schnell und richtig entscheiden, damit alle Passagiere schnell und komfortabel an ihr Ziel kommen.