Fünf mutmaßliche Missbrauchsopfer des slowenischen Priesters und Mosaikkünstlers Marko Rupnik haben in einem offenen Brief an Papst Leo XIV. die Geheimhaltung des Vatikans mit Blick auf den Verlauf des Kirchenverfahrens gegen Rupnik kritisiert. Den Brief haben im Namen der mutmaßlich mehr als 20 Opfer des heute 71 Jahre alten Priesters fünf Frauen namentlich unterzeichnet und durch die Römer Rechtsanwältin Laura Sgrò verbreiten lassen. Die Veröffentlichung des Schreibens erfolgte am zwei Tage vor dem Besuch Leos in Frankreich, der von diesem Freitag bis Montag neben Paris und Metz auch den Marienwallfahrtsort Lourdes besuchen wird. In ihrem Schreiben kritisieren die fünf Frauen das „fortgesetzte dröhnende Schweigen“ der Kirche über den Fortgang des Verfahrens im Vatikan gegen Rupnik. „Wir Opfer empfinden dies als weitere Form anhaltender Gewalt, die wie ein Felsbrocken auf uns lastet. Zur erlittenen sexuellen, körperlichen, psychischen und spirituellen Gewalt kommt nun die Gewalt des Schweigens hinzu“, heißt es in dem Schreiben. Nach übereinstimmenden Aussagen der Opfer stand der serielle Missbrauch, den Rupnik über Jahrzehnte begangen haben soll, im unmittelbaren Zusammenhang mit seiner Arbeit als in der Weltkirche hochgeschätzter Mosaikkünstler. Auch seine Machtposition als Priester soll Rupnik gegenüber Novizinnen und Ordensfrauen ausgenutzt haben. Franziskus hob die Exkommunikation wieder auf Die Jesuiten haben Rupnik aus dem Orden ausgeschlossen, weil er Sanktionen, die wegen der Missbrauchstaten gegen ihn verhängt worden waren, ignoriert hatte. Papst Franziskus hatte Rupnik exkommuniziert, weil der Priester einer Ordensfrau, die er zum Sex überredet hatte, in der Beichte die Absolution für die mit ihm begangene Sünde erteilte. Weil Rupnik Reue gezeigt haben soll, hob Franziskus die Exkommunikation kurz darauf wieder auf. Wegen des wachsenden öffentlichen Drucks in der Sache ordnete Franziskus aber auch ein kirchenrechtliches Verfahren gegen Rupnik an, das seit Oktober 2025 laufen soll. In ihrem Schreiben ersuchen die fünf Frauen, dass in dem bisher geheimen Verfahren im Vatikan „das Recht der Parteien auf rechtliches Gehör, Klarheit und Transparenz, zügige Verfahrensführung sowie Unparteilichkeit und Unabhängigkeit der Richter“ gewährleistet werde. Nur so könne der Prozess ungeachtet seines Ausgangs „frei von jedem Zweifel bleiben“. Mosaike in Lourdes überdeckt 2008 hatten Rupnik und das von ihm geführte spirituell-künstlerische Centro Aletti in Rom riesige Mosaike für die Fassade der Rosenkranzbasilika in Lourdes angefertigt. Sämtliche Mosaike Rupniks an der Fassade der Basilika in Lourdes sind seit dem 18. September überdeckt. Nach Angaben des Bischofs von Tarbes und Lourdes, Jean-Marc Micas, hat Papst Leo XIV. persönlich angeordnet, alle Mosaike Rupniks bis zu seiner Ankunft mit Platten und Planen zu überdecken. Die Mosaike sollen auch nach dem Papstbesuch nicht wieder freigelegt werden. Leo XIV. wird während seines Aufenthalts in Lourdes am Sonntag auch mit sieben französischen Missbrauchsopfern zusammenkommen. Das private Treffen ist im offiziellen Besuchsprogramm nicht aufgeführt. Papst Leo hat sich zum Verlauf des Prozesses bisher nur einmal mit einer knappen Einlassung geäußert. Im vergangenen November bat er die mutmaßlichen Opfer um Geduld, weil der Prozess wohl viel Zeit in Anspruch nehmen werde. Außerdem sagte der Papst: „Der Grundsatz der Unschuldsvermutung bis zum Beweis des Gegenteils gilt auch in der Kirche. Es ist zu hoffen, dass dieses Verfahren, das nun beginnt, für alle Beteiligten Klarheit und Gerechtigkeit bringen kann.“ Papst Leo XIV. ordnete zwar an, dass Abbildungen von Rupniks Kunstwerken von den Websites des Vatikans entfernt werden müssen. Einen konsistenten Umgang der Weltkirche mit den Mosaiken des mutmaßlichen Serientäters Rupnik scheint es aber nicht zu geben. Während in Lourdes die Werke Rupniks nun alle verdeckt sind, bleiben sie an anderen berühmten Marienwallfahrtsorten, etwa in Fátima in Portugal und in Aparecida in Brasilien, weiterhin sichtbar.
