Frankfurts Basketballprofi mit der Trikotnummer Eins ist nicht der letzte Skyliners-Spieler, der kurz vor Beginn der zweiten Spielhälfte zum Warmmachen auf das Parkett in der Ballsporthalle zurückkehrt. Isaiah Swope kommt gar nicht. Wo steckt Swope bloß am Samstagabend? Die Antwort: Der 23 Jahre alte US-Amerikaner ist abgetaucht. Schaut man nämlich vom Spielfeld aus in Richtung der Frankfurter Bank, kann keiner Swope sehen. Direkt hinter der Bande macht der 1,78 Meter große Aufbauspieler am Boden gut versteckt seine Aufwärmübungen. Abseits der üblichen Pfade geht Swope seinen persönlichen (Sonder-)Weg. Aber als es zählt, ist er in voller Größe da. Bis zur Halbzeitpause im Bundesligaduell mit Rasta Vechta gelingen ihm sieben Punkte. Zum Schluss sind es 21 nach 40 Minuten, aufseiten der Skyliners ist Swope beim 93:81 im ersten Saisonheimspiel der Topscorer. In wichtigen Momenten ist er wieder zur Stelle: Dreieinhalb Minuten vor Spielende trifft der Aufbauspieler vor 3300 Zuschauern mit seinem Dreipunktewurf zum 82:73, bevor er wenig später auch zwei Freiwürfe verwandelt. Swope bringt Sicherheit. Die Punkte zum 90:77 kommen ebenfalls von ihm. Am Ende hat er von vier Distanzwürfen drei verwandelt, seine Trefferquote von 75 Prozent ist in dieser Kategorie der Bestwert seines Teams. Abermals war der US-Amerikaner, der mit knapp 20 Minuten nur die sechstlängste Spielzeit aller Skyliners-Profis hatte, ein verlässlicher Punktegarant. Swope versteht es, sich als treffsicherer Schütze in den Vordergrund zu spielen. Nach der erwartbaren Niederlage (83:94) zum Saisonstart beim deutschen Meister Alba Berlin haben die Frankfurter den von vielen erwarteten Sieg errungen. Einen „wichtigen“, wie Profi Thomas Klepeisz den Pflichtsieg einordnete. Der für Trainer Klaus Perwas aber aufgrund der Umstände nicht selbstverständlich war. Denn am Freitagmorgen kehrte die Mannschaft mit dem Bus erst um 4.30 Uhr aus Berlin nach Frankfurt zurück. Viel Zeit zur Spielvorbereitung blieb nicht gegen einen Gegner, der wiederum sein Heimspiel gegen Bamberg überraschend 67:108 verloren und international schon im Spielstress (vier Partien in sechs Tagen in Bulgarien bei der erfolgreichen Qualifikation zur Champions League) gesteckt hatte. Skyliners bieten professionellen Basketball „Ich denke, es war keine leichte Situation. Von außen sieht das immer einfach aus: Sie verlieren mit 40 Punkten, wir spielen zu Hause. Wir hatten aber die Rückfahrt aus Berlin im Rücken“, sagte Perwas. Trotzdem habe sein Team dann „einen Weg gefunden. Man kann das vielleicht unter Arbeitssieg abhaken, aber das Wichtigste heute war, dass wir das Spiel gewonnen haben.“ Das, betonte der Trainer, sei „professioneller Basketball“. Zwei Profis punkteten neben Swope zweistellig: Race Thompson (18) und Kapitän Till Pape (15). Center Thompson überzeugte zudem mit zehn Rebounds, an diese stolze Ausbeute kam mit Abstand keiner seiner Kollegen heran. Trotzdem war Frankfurt dem Gegner aus Vechta bei den Rebounds (28:43) deutlich unterlegen. Großen Anteil daran hatte wiederum der 2,18 Meter lange Tibor Pleiß. Mit seinen 16 Rebounds (einer weniger als seine Karrierebestleistung) überragte der 36 Jahre alte dreimalige deutsche Meister alle. Wie Swope hatte Pleiß in seinem 200. Bundesligaspiel schließlich 21 Punkte gesammelt. Das Beste zum Schluss: Der Effizienzwert von 35 war der bisher beste in der Erstliga-Laufbahn von Pleiß. Weil Vechta sich jedoch wesentlich mehr Ballverluste (19:8) als die Skyliners erlaubte, blieben die Niedersachsen auch in ihrem zweiten Erstligaspiel erfolglos. Frankfurt habe „die Dinge offengelegt, mit denen wir aktuell Probleme haben“, räumte Vechtas Headcoach Christian Held ein. Dessen Mannschaft schaffte es nicht, Schwächephasen der Skyliners konsequent auszunutzen und das Momentum endgültig auf die eigene Seite zu ziehen. Stattdessen haben die Frankfurter im Augenblick ein paar Spieler, die Verantwortung übernehmen, wenn es brenzlig wird. Am Ende des ersten Viertels erzielte Pape sieben Punkte in Serie zum Stand von 22:21. Rund 20 Minuten später traf der Kapitän zum 62:56 und danach zum 64:58. Außerdem gaben auch Radii Caisin (7), Judah Mintz (3, sieben Assists) sowie Klepeisz (8) ihrer Mannschaft mit erfolgreichen Aktionen zu verschiedenen Zeitpunkten Stabilität. „Wir sind nicht auf zwei oder drei Spieler reduzierbar“, frohlockte Klepeisz hinterher. „Wir haben eine tiefe Mannschaft und sind für den Gegner schwer ausrechenbar.“ Anders als in der Vorsaison, als sich die Skyliners Spiele noch aus der Hand nehmen ließen, hielten sie diesmal bis zur Schlusssirene Kurs. Für den 35 Jahre alten Klepeisz war das Ausdruck einer „reifen“ Frankfurter Leistung, im richtigen Moment die richtigen Entscheidungen getroffen zu haben. Dazulernen werden die Skyliners von sofort an bei ihrer Doppelbelastung. An diesem Dienstag (20.30 Uhr) starten sie auswärts beim italienischen Pokalfinalteilnehmer Venedig ins internationale Basketballgeschäft im Eurocup. Der ist nach der Euroleague der zweitwichtigste von der ULEB (European Basketball Leagues) ausgetragene Wettbewerb im europäischen Basketball. Von den vier Gruppen zu je acht Mannschaften gehören die Frankfurter zur Gruppe B. Dort bekommen sie es unter anderem mit den Teams aus Teneriffa, Rom und Ankara zu tun, deren Spielerbudgets jeweils höher sein dürften. Landen die Hessen in ihrer Gruppe auf einem der ersten vier Plätze, haben sie sich für das Achtelfinale qualifiziert. „Wir wollen in jedem Spiel wettbewerbsfähig sein, nicht als Kanonenfutter herumlaufen, und als Team Erfahrung sammeln“, sagt Klepeisz. Der ehemalige Ulmer Meisterspieler kennt sich auf der internationalen Bühne bestens aus. In den vergangenen sechs Jahren war er mit seinem ehemaligen Arbeitgeber in Europa immer auf Reisen. Und weiß, wie kräftezehrend sie sein können, „wenn man die Sonne nicht mehr sieht“.
