Not macht erfinderisch, da ist gewiss etwas dran. Und trifft auf Audi derzeit wohl besonders zu. Während die Marke düsteren Zeiten entgegenblickt, versuchen die Ingolstädter mit einer vielseitigen Modellpalette das Ruder herumzureißen. Den ersten Hybrid-RS, den RS 5, gibt es schon, ein Elektro-A2 steht in den Startlöchern, der übergroße Q9 ebenfalls. Und dann wäre da noch der Q7, modernisiert und nach alter Schule mit Dieselantrieben ab gut 88.000 Euro um die Käuferschaft buhlend. Genauer gesagt mit sechs Zylindern, drei Liter Hubraum und einem neuen Motorblock. Der Selbstzünder ist mit Turbolader und elektrischem Kompressor gerüstet, versorgt von einem 48-Volt-System. Ein Triebstranggenerator steuert bis zu 24 PS bei, hilft beim Anfahren, überbrückt Drehmomentlöcher und boostet, wenn es darauf ankommt. 245 oder 299 PS mit 500 respektive 630 Newtonmeter Drehmoment stehen mit sanft schaltender Achtgang-Wandlerautomatik bereit. Sechs bis sieben Sekunden braucht es bis Landstraßentempo, mehr als 230 km/h genügen im derzeitigen Topmodell allemal. Maue Auswahl? Nicht so voreilig, Anfang nächsten Jahres sollen ein V6-Benziner mit 367 PS und zwei Plug-in-Hybride mit gut 400 und 500 PS folgen. Auch die Frage nach einem SQ7 mit V8 könnte künftig wieder beantwortet werden. Im günstigsten Fall können mit dem Siebener-Q bis zu sieben Menschen vom Leder ziehen. Vielleicht einen Hänger mit zwei ausgewachsenen Pferden. Klingt weit hergeholt, ist es aber nicht. Denn bis zu 3,5 Tonnen darf er ziehen. Alte Schule, neue Bildung Dafür sorgen die satt im Futter stehenden Pferdestärken und der weiterentwickelte Quattro-Allrad mit selbstsperrendem Mittendifferenzial für traktionsstarkes Vorankommen. Der Neuankömmling kann nicht nur repräsentieren, er kann auch kräftig anpacken. Gut so. Mit knurrender Dieseluntermalung und einer für Audi ziemlich rückmeldungsfreudigen Lenkung fährt er sich sogar sportlicher, als man einem solchen Siebenmenschengefährt zutrauen würde. Für ein gesteigertes Wohlbefinden während der Fahrt sei zu einem der optionalen Fahrwerkspakete zu greifen, die das serienmäßige Stahlfederfahrwerk durch ein erhabeneres Luftfahrwerk mit Allradlenkung ersetzen. Der Diesel genehmigte sich auf kurzer Testfahrt kaum unter neun, eher um die zehn Liter. Hat was von gestern. Dennoch weiß er sein Gegenüber gleichwohl um den Finger zu wickeln. Wie das fahrende Wohnzimmer. Echtes Leder, echte Holzintarsien und echt nicht so billiges Kunststoff vermitteln Wertigkeit. Der Q7 ist vor allem ein Raumwunder, schluckt mit elektrisch umlegbaren Reihen mehr als 2000 Liter Ladevolumen. Die zweite Sitzreihe fährt elektrisch nach vorn, um den Zugang zur dritten zu erleichtern. Von wegen billige Plätze. Viel Luft gibt es überall, auch über dem Kopf. Diesem Gefühl zuträglich ist auch das große Schiebedach, es lässt sich elektrochromatisch von transparent auf milchig schalten und leuchtet an den Rändern in den Farben des Ambientelichts. Nicht nur Licht, sondern auch Schatten ist die Bedienung. Der klassische Lenkstockhebel ist einem Multifunktionselement gewichen, der Scheibenwischer sitzt an einem Drehrädchen. Warum derart gewohnte Bedienelemente umgeworfen werden müssen, erschließt sich nicht. Nervig ist auch die Klimabedienung ausschließlich über den zum Fahrer gewandten Touchscreen, den auch der Beifahrer trotz eigenen Bildschirms, allerdings ohne Klimafunktionalität, zu bedienen hat. Eine echte Verbesserung hingegen ist die Handyladeschale mit Magnetring. Auch das Soundsystem von Bang & Olufsen beeindruckt mit Lautsprechern in den Kopfstützen und 4D-Klang dank Aktuatoren im Sitz. Derweil tönt aus ihnen „Eye of the Tiger“. Wie passend. Es geht darum, nach Niederlagen nicht aufzugeben, den eigenen Biss wiederzuentdecken und sich durch Disziplin und Willenskraft zurück an die Spitze zu kämpfen. Hoffen wir für Audi, dass es gelingt.
