FAZ 31.07.2026
12:19 Uhr

Energiewende: Weniger Bürokratie führt zu mehr Solarparks


Eine Gesetzesänderung erleichtert es, PV-Anlagen an Autobahnen zu bauen. Auf Freiflächen und einer früheren Müllkippe in der hessischen Wetterau werden künftig viele Millionen Kilowattstunden Sonnenstrom produziert.

Energiewende: Weniger Bürokratie führt zu mehr Solarparks

Was weniger Bürokratie für die Energiewende bedeuten kann, zeigt sich in der Wetterau zunehmend an den beiden Autobahnen in der Region. Sowohl an der A 5 als auch an der A 45 entstehen große Solarparks. Solche Anlagen gibt es schon neben dem Gambacher Kreuz auf dem Gebiet der Stadt Münzenberg und auf Wölfersheimer Gemarkung. Ebenfalls in Wölfersheim ist ein weiteres Freiluftkraftwerk dieser Art geplant. Es soll sich über 16 Hektar erstrecken, wie Bürgermeister Eike See (SPD) sagt. Die Fläche entspricht etwa 20 Fußballplätzen. Der ausgesuchte Standort befindet sich westlich der A 45. Auch in Rockenberg werden bald zahlreiche Solarpaneele die von der Sonne abgestrahlte Energie aufnehmen und in Strom wandeln. Dort allerdings dient eine ehemalige Deponie als Grundstück der Wahl. „Mit einer Gesetzesänderung wurde es zuletzt erfreulicherweise wesentlich einfacher, direkt an Autobahnen PV-Freiflächenanlagen zu bauen“, sagt Hans-Peter Frank von der Oberhessische Versorgungsbetriebe AG. Neuerdings sei nur noch eine Genehmigung durch die beim Wetteraukreis angesiedelte Untere Naturschutzbehörde für solch ein Vorhaben notwendig. Der kurz OVAG genannte Regionalversorger mit Sitz in Friedberg ist Partner von Münzenberg beim Solarpark an der A 45 und hat dort drei Millionen Euro investiert. Münzenberg, wo zudem östlich der A 45 gerade ein weiteres Solarfeld aufgebaut wird, kann über Pacht und anteilige Einspeisevergütung mit Einnahmen in Höhe von etwa 10.000 Euro rechnen. Wölfersheim plant Solargroßpark an A 45 mit ABO Energy Die Kerndaten sehen so aus: Die 8790 Solarmodule sollen etwa sechs Millionen Kilowattstunden Ökostrom im Jahr liefern. Sie stehen auf sogenannten Rammprofilen, wodurch nur wenig Fläche zugebaut worden ist. Der schon ans Netz angeschlossene Solarpark wird am 10. August mit einer Feierstunde in Betrieb genommen und soll für mindestens 25 Jahre Strom produzieren. Diese Energie reiche rechnerisch regelmäßig für rund 5000 Menschen in der Region. Zum Vergleich: Ein Vierpersonenhaushalt verbraucht im Jahr bis zu 5000 Kilowattstunden, ohne Warmwasser durch Strom aber nur etwas mehr als die Hälfte. Und gut gedämmte Häuser benötigen noch weniger Strom. Für den Friedberger Versorger ist die auf einer Fläche von viereinhalb Hektar montierte Großanlage am Gambacher Kreuz schon die vierte ihrer Art in der Region. Zwei solcher Kraftwerke stehen auf dem Gebiet der Kleinstadt Linden etwa zehn Kilometer Luftlinie nördlich, eine weitere Feldanlage steht in Wölfersheim. Die OVAG trage schon seit vielen Jahren zum Gelingen der Energiewende bei. Das sei nicht nur gut für die Umwelt, sondern auch gut für die Menschen in der Region, meint ihr Vorstand. Trotzdem plant die Gemeinde Wölfersheim ihr 16-Hektar-Vorhaben aber nicht mit der OVAG, vielmehr ist ABO Energy aus Wiesbaden ihr Partner. Der Projektentwickler will zudem mehr als ein Dutzend Windkraftanlagen auf den in die Wetterau ragenden Taunuskamm Winterstein stellen. Gemeinde erhält 0,2 Cent je Kilowattstunde und Pacht Rockenberg treibt die Energiewende am Ort derweil mit einem genossenschaftlichen Partner voran. Auf dem rund 4,89 Hektar großen gemeindeeigenen Flurstück „Auf der Schanze“ lässt die Mittelhessische Energiegenossenschaft eG aus dem benachbarten Butzbach 6500 Module aufstellen. Sie rechnet mit 3,8 Millionen Kilowattstunden im Jahr. Dadurch ließen sich umgerechnet 1,45 Millionen Kilogramm klimaschädliches Kohlendioxid einsparen im Vergleich zur Stromerzeugung mit Gas oder Öl. Überdies sei eine Batteriespeichereinheit zulässig, um nicht benötigten Ökostrom teils an Ort und Stelle verfügbar zu halten. Die Energiegenossenschaft und die Gemeinde wollen Menschen aus der Region für das Vorhaben gewinnen. Zu diesem Zweck können Interessenten etwa Anteile an der Genossenschaft erwerben. Bürger aus Rockenberg werden bei der Vergabe dieser Beteiligungen bevorzugt behandelt. Umfassende Informationsveranstaltungen hierzu werden die Energiegenossen um Achim Parbel in enger Abstimmung mit der Gemeinde organisieren, wie es heißt. Wie im Fall der OVAG-Anlage am Gambacher Kreuz ist eine Laufzeit von 25 Jahren geplant, die Gemeinde erhält 0,2 Cent je Kilowattstunde und Pacht. Wann das Solarkraftwerk auf der ehemaligen Deponie ans Netz gehen wird, ist noch offen. Die Genossenschaft geht von bis zu 18 Monaten für Detail- und Genehmigungsplanung aus. Wenn die Erlaubnis vorliege, vergingen für den Bau und die Inbetriebnahme etwa vier bis acht Monate.