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20.09.2026
20:44 Uhr
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Rot-Grün-Rot rechnerisch möglich +++ BSW und CDU müssen um Wiedereinzug in Schweriner Landtag bangen +++ Merz: Reformen müssen kommen +++ Grüne in Berlin für Koalition mit der Linken und SPD +++ alle Entwicklungen im Liveblog

Berlin: BSW muss weiter bangen - und was das bedeutetDas BSW muss weiter um seinen Einzug ins Berliner Abgeordnetenhaus bangen. Einer neuen Hochrechnung der ARD von 21.25 Uhr zufolge würde die Partei die Fünf-Prozent-Hürde mit 4,8 Prozent verpassen. Eine ZDF-Hochrechnung von 21.08 Uhr sieht das BSW mit 5,0 Prozent dagegen knapp im Parlament. Sollte das BSW nicht einziehen, hätte ein CDU-geführtes Bündnis mit SPD und Grünen laut der ARD-Hochrechnung rechnerisch eine Mehrheit. Die Linke ist bei der Wahl nach den Hochrechnungen mit deutlichem Vorsprung stärkste Kraft geworden. Die CDU rutschte auf Platz zwei ab. Rechnerisch ohne Probleme möglich wäre den Zahlen beider Hochrechnungen zufolge ein rot-grün-rotes Bündnis, das die Linke anstrebt; auch von den Grünen gab es dazu bereits positive Signale.
Berlin: CDU-Spitzenkandidat verliert DirektmandatCDU-Spitzenkandidat und Finanzsenator Stefan Evers hat bei der Abgeordnetenhauswahl in Berlin sein Direktmandat verloren. Der 46-Jährige erhielt im Wahlkreis Treptow-Köpenick 4 laut vorläufigem Ergebnis 24,5 Prozent, wie die Wahlleitung mitteilte. Damit landete er hinter dem AfD-Kandidaten Alexander Betram, der 31,5 Prozent erreichte.Bei der Wiederholung der Abgeordnetenhauswahl 2023 hatte Evers das Direktmandat noch gewonnen. Damals erhielt er 32,7 Prozent der Erststimmen.
MV: Die Sozialdemokraten sind besonders bei älteren Wählern starkDass Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) womöglich weiter regieren kann, hat viel mit dem Wahlverhalten älterer Wähler zu tun. Denn laut Nachwahlbefragungen stimmte mehr als jeder zweite Wähler, der 70 Jahre oder älter ist, für Schwesigs Sozialdemokraten. Bei jüngeren Wählern hingegen hatte die SPD einen deutlich schwereren Stand: Nur 22 Prozent der Sechzehn- bis Vierundzwanzigjährigen wählten die SPD, ebenso viele machten ihr Kreuz bei der Linken. Insgesamt erhielt die SPD laut Hochrechnungen 35,7 Prozent der Stimmen – ein Ergebnis, von dem die Sozialdemokraten in den meisten anderen Bundesländern und auch im Bund nur träumen könnten. In Mecklenburg-Vorpommern durften bei dieser Landtagswahl zum ersten Mal auch Jugendliche ab 16 Jahren abstimmen.Die AfD schnitt bei den jüngsten Wählern am besten ab. 35 Prozent stimmten für die Partei. Über alle Altersgruppen hinweg schnitt die Partei jedoch noch besser ab, sie kam laut Hochrechnungen insgesamt auf 37,9 Prozent. Von den Wählern der ältesten Wählergruppe stimmten nur 26 Prozent für die AfD.
Clan-Größe auf Wahlparty der Linken – Partei distanziert sichDie Linke in Berlin-Neukölln hat nach dem Besuch von Issa Remmo auf einer Wahlparty betont, dass es weder politische noch persönliche Beziehungen zu dem Oberhaupt des Remmo-Clans gebe. „Es handelte sich um eine öffentliche Veranstaltung, zu der auch ungeladene Personen Zutritt hatten“, teilte Jorinde Schulz aus dem Bezirksvorstand der Neuköllner Linke auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. „Uns war die Person und ihre Anwesenheit im Speziellen nicht bekannt, sie steht nicht auf unserer Anmeldeliste. Es gibt weder politische noch persönliche Beziehungen zu dieser Person.“ Der Besuch der Wahlparty habe daran „selbstverständlich nichts geändert“.Nachdem der Besuch über Medienberichte bekannt geworden war, schrieb Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner bei X: „Dass Issa Remmo auf der Wahlparty der Berliner Linken auftaucht, ist ein verstörendes Signal. Gerade eine Partei, die Verantwortung für unsere Stadt übernehmen will, muss unmissverständlich deutlich machen, dass es keinerlei Nähe zu Strukturen geben darf, die zur organisierten Kriminalität gehören.\"Auch die Grünen-Landesvorsitzende Nina Stahr zeigte sich irritiert von dem Vorfall. „Das wird die Linke klären müssen, was da passiert ist, warum das passiert ist“, sagte sie. Sie erwarte, dass der Linken-Landesverband mit den Akteuren in Neukölln spreche – sowohl mit Blick auf diesen Vorfall, als auch mit Blick auf die Antisemitismus-Debatte der vergangenen Wochen. „Da ist ganz klar, dass es hier eine Klarheit geben muss, bevor eine Regierungsbildung kommt.“Issa Remmo gilt als Oberhaupt des Remmo-Clans. Mitglieder der arabischen Großfamilie fallen seit Jahrzehnten durch schwere Straftaten auf.
MV: CDU-Spitzenkandidat Peters sieht Schuld für Wahlniederlage nicht bei UnionsführungMecklenburg-Vorpommerns CDU-Landeschef Daniel Peters hat im NDR-Fernsehen zurückgewiesen, er habe die Schuld an der Wahlniederlage seiner Partei bei der Führung der Union in Berlin abgeladen. „Ich lade überhaupt keine Schuld nach Berlin ab“, sagte Peters. „Ich finde, der Kanzler hat an der Stelle recht, dass wir ganz, ganz dringend sogar in Deutschland und auch in Mecklenburg-Vorpommern Reformen brauchen.“Auf die Frage, ob er am Abend überlegt habe, zurückzutreten, antwortete der CDU-Spitzenkandidat ausweichend. Er sagte: „Erstmal hoffe ich, dass wir den Einzug in den Landtag absichern können, dass sich das im Laufe des Wahlabends dann so ergibt. Und über alles andere werden wir in Ruhe in den Gremien beraten.“ Peters bezeichnete das Abschneiden seiner Partei als „krachende Niederlage“. Die Union stürzte nach Hochrechnungen auf 5,0 Prozent ab, ihr schlechtestes Ergebnis der Nachkriegsgeschichte in einem Land, im Bund und in Europa. Sie muss um den Wiedereinzug in den Landtag bangen.
Neue Hochrechnungen in Berlin: Keine Mehrheit für Schwarz-Grün-RotEin Bündnis aus CDU, Grünen und SPD hätte in Berlin nach neuen Hochrechnungen von ARD und ZDF keine Mehrheit. Nach aktuellen ARD-Zahlen hätten die drei Parteien zusammen 79 von 159 Sitzen im Abgeordnetenhaus. Die ZDF-Hochrechnung sieht sie aktuell bei 65 von 130 Sitzen. Wie groß das Parlament am Ende tatsächlich wird, hängt von der Zahl der Überhang- und Ausgleichsmandate ab. Laut beiden Hochrechnungen wäre das BSW knapp im Parlament vertreten, was für die Mehrheitsverhältnisse ebenfalls von Bedeutung ist.Die Linke ist bei der Wahl nach den Hochrechnungen mit deutlichem Vorsprung stärkste Kraft geworden. Die CDU rutschte auf Platz zwei ab. Rechnerisch ohne Probleme möglich wäre den Zahlen zufolge ein rot-grün-rotes Bündnis, von den Grünen gab es dazu bereits positive Signale. Frühere Hochrechnungen hatten aber auch ein schwarz-rot-grünes Bündnis als rechnerische Möglichkeit gesehen – was für Grüne und SPD mehrere Optionen für eine Regierungsbildung bedeuten würde.
Banaszak fordert von Merz mehr DemutGrünen-Parteichef Felix Banaszak hat Bundeskanzler Friedrich Merz für dessen Ansprache am Sonntagabend kritisiert. „Der Kanzler nutzt die Hauptsendezeit an diesem Tag, um zu sagen: 'Ich mache genauso weiter und irgendwann sind die Leute klug genug, um zu sehen, wie genial das alles ist“, sagte Banaszak. Er finde, „in so einer Situation wäre doch mal ein bisschen Demut angebracht“.Zuvor hatte CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann Banaszak vorgeworfen, die Wahlen fälschlicherweise als Abstimmung gegen die Politik der Bundesregierung zu interpretieren. „Wenn Sie es nicht festgestellt haben: Sie haben auch verloren am heutigen Abend“, sagte Hoffmann an den Grünen-Vorsitzenden gewandt. Das Erstarken der Ränder sei eine „veritable Herausforderung für unsere Demokratie“, so Hoffmann. Deshalb müssten die Grünen sich „ehrlich machen“, sagte Hoffmann mit Blick auf eine mögliche Regierungskoalition der Partei mit Linken und SPD in Berlin, „ob sie Verantwortung dafür tragen wollen, dass Judenhasser, Antisemiten und Polizeifeinde und Leute, die von Enteignung schwadronieren, am Ende hier in Berlin Verantwortung übernehmen.“
MV: BSW-Spitzenkandidat Schabbel schließt Koalition mit AfD ausNoch ist unklar, ob das BSW den Einzug in den Landtag Mecklenburg-Vorpommerns schafft. Aktuelle Hochrechnungen sehen die Partei bei 4,9 Prozent – damit würde es nicht reichen. BSW-Spitzenkandidat sagte am Sonntagabend, seine Partei sei womöglich das Zünglein an der Waage. „Wir treten für einen überparteilichen Ministerpräsidenten und ein Parlament mit wechselnden Mehrheiten ein“, sagte Schabbel. Auch in Sachsen-Anhalt, wo das BSW bei der dortigen Landtagswahl vor zwei Wochen mit 5,27 Prozent in den Landtag eingezogen war, tritt die Partei für ein solches Modell ein.Gleichzeitig schloss Schabbel eine Koalition mit der AfD in Mecklenburg-Vorpommern aus. „Dabei bleiben wir, das ist unsere klare Haltung“, erklärte er. Es werde aber „in der Sache gemeinsame Abstimmungen geben können\".
Berlin: Bei den Jungen kommt die Linke über 40 ProzentDass die Linke in Berlin heute ihr bislang bestes Ergebnis erzielen kann, hat sie vor allem den jungen Wählern zu verdanken: Laut Nachwahlbefragungen wählten 43 Prozent der 16 bis 24 Jahre alten Wähler die Partei von Elif Eralp. Bei Wählern über 70 Jahre kommt die Linke gerade einmal auf 14 Prozent – und landet in dieser Altersgruppe damit auf dem dritten Platz.Vorn liegt bei den älteren Wählern in Berlin die CDU mit 34 Prozent, gefolgt von der SPD mit 20 Prozent (die bei den Jungen gerade einmal 7 Prozent der Stimmen erhält). Bei Grünen und AfD sind die Unterschiede zwischen jungen und alten Wählern laut den Nachwahlbefragungen deutlich geringer.
MV: Grünen-Spitzenkandidatin Müller enttäuscht über WahlergebnisDie Grünen-Spitzenkandidatin in Mecklenburg-Vorpommern, Claudia Müller, hat sich am Sonntagabend enttäuscht über das Wahlergebnis ihrer Partei gezeigt. „Das Gesamtergebnis kann uns alle nicht zufriedenstellen. Es ist uns nicht gelungen, dass die große breite demokratische Mehrheit abgebildet wird“, sagte Müller. Die Grünen ziehen laut Hochrechnungen mit 5,4 Prozent zwar wieder in den Schweriner Landtag ein, verlieren aber im Vergleich zur vergangenen Landtagswahl 2021 fast einen Prozentpunkt.Müller signalisierte zugleich Bereitschaft, Regierungsverantwortung zu übernehmen: „Wir haben weiterhin die Chance, stabile demokratische Mehrheiten zu bekommen“, sagte sie. „Dafür stehen wir auch bereit.“ Zugleich kritisierte Müller die Polarisierung im Wahlkampf: „Die Polarisierung hat wieder die AfD stärker gemacht, wie wir es bei anderen Landtagswahlen in den letzten Jahren gesehen haben“, sagte sie. Auch Politiker von CDU und Linken hatten kritisiert, der Wahlkampf habe sich auf einen Zweikampf zwischen SPD und AfD verengt.
Hoppermann: Stimmung im CDU-Präsidium „sehr angespannt“CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann hat das Statement von Kanzler Friedrich Merz am Wahlabend damit erklärt, dass dieser nach den Gewinnen von AfD und Linke ein Zeichen der Stabilität habe senden wollen. „Wir wollen die Sozialversicherungssysteme zukunftsfest aufstellen, damit wir auch in Zukunft denen helfen können, die Hilfe brauchen“, sagte sie im ZDF. „Wir sehen, dass gerade auch die Krisen und Kriege in der Welt für Ängste und Verunsicherung sorgen.“ Auf die Frage, wie die Stimmung im CDU-Präsidium sei, sagte sie: „Die Stimmung im Präsidium ist sehr angespannt und sehr ernst, das ist ja anhand dieser Ergebnisse auch nachvollziehbar.\"
Gelingt dem BSW der Einzug in den Schweriner Landtag?In Mecklenburg-Vorpommern könnte das BSW den Ausschlag dafür geben, ob es für eine mögliche rot-rot-grüne Regierung eine Mehrheit im Parlament gibt oder nicht. In den aktuellen Hochrechnungen verpasst die Partei den Einzug in den Landtag mit 4,9 Prozent denkbar knapp.Damit würde es für eine mögliche Landesregierung aus SPD, Linken und Grünen reichen. Die drei Parteien kommen dann gemeinsam auf 37 Sitze. Da für eine Mehrheit 36 Sitze benötigt werden, könnte Rot-Rot-Grün regieren – wenn auch nur mit einer dünnen Parlamentsmehrheit. Sollte dem BSW jedoch der Einzug in den Landtag gelingen, wären die Konsequenzen für die Sitzverteilung im Parlament enorm: Denn zieht das BSW mit 5,0 Prozent in den Landtag ein, kommen SPD, Linke und Grüne gemeinsam nur auf 35 Sitze. Damit fehlt den drei Parteien genau ein Sitz zu einer Mehrheit im Landtag. Es ist unklar, wie dann eine Regierung gebildet werden könnte.
Wie Eralp ihre Wähler überzeugt hatElif Eralp stand in der Berliner Landespolitik lange in der zweiten Reihe. Als Spitzenkandidatin der Linken hat sie ihre Partei in der Hauptstadt durch den Wahlkampf geführt – mit dem Ziel, Berlins erste linke Regierungschefin zu werden. Unser Korrespondent Stephan Klenner hat Eralp in den vergangenen Wochen im Wahlkampf begleitet. Sein ausführliches Portrait ist vor der Wahl auf FAZ.NET erschienen. Lesen Sie hier, wie die Spitzenkandidatin der Linken ihre Wähler überzeugt und was die Partei für die Zeit nach der Wahl geplant hat:
Berlin: Linke will regieren, Grüne und SPD bekräftigen ihre BedingungenWahlsiegerin Elif Eralp will in Berlin regieren, daran lässt sie am Wahlabend keine Zweifel. Und die beiden Partner, die sie dafür braucht, lassen schon erkennen, worum es in möglichen Koalitionsverhandlungen gehen wird:„Die Berlinerinnen und Berliner haben mir, haben uns, den klaren Auftrag fürs Rote Rathaus gegeben“, sagt Eralp, die für die Linke das beste Ergebnis jemals in der Hauptstadt erzielt hat. „Ich will Regierende Bürgermeisterin für Berlin werden, damit die Menschen in unserer Stadt wieder ein besseres Leben haben.“Auch die Grünen streben nach der Wahl eine rot-grün-rote Koalition an. „Wir wollen jetzt Verantwortung übernehmen und gemeinsam mit SPD und Linken ein progressives Bündnis für Berlin schmieden“, erklärten die beiden Landesvorsitzenden Nina Stahr und Philmon Ghirmai Abend. Der grüne Bundesvorsitzende Felix Banaszak sagte in Bezug auf Berlin und Mecklenburg-Vorpommern: „Wir stehen bereit, Verantwortung in beiden Landtagen zu übernehmen.“ Für eine Beteiligung an einer Koalition unter Führung der Linken in Berlin stellte er aber eine Bedingung: „Es braucht ein klares Bekenntnis gegen Antisemitismus, ansonsten wird es mit uns nicht funktionieren.“ SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach wollte sich am Wahlabend noch nicht über Koalitionsoptionen äußern, nach den klaren Verlusten seiner Partei ist es aber auch mehr als fraglich, ob er in der Berliner SPD künftig überhaupt noch eine Rolle spielen wird. SPD-Innensenatorin Iris Spranger sieht die Initiative jetzt bei der Linken: „Einladen wird, wer oben steht. Und dann müssen wir gucken, wie die Koalitionsverhandlungen laufen“, sagte sie. Die Priorität der Grünen sei auch klar zu Gunsten der Linken. Die SPD werde entsprechende Gespräche auch führen. Spranger betonte ebenso wie Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey, bei den von den Linken gewünschten Enteignungen von Wohnungskonzernen gebe es klaren Widerstand der SPD. „Wenn die Linke jetzt weiter Enteignung fordert, dann wird die SPD natürlich auch eine rote Linie haben. Ich hoffe, dass das, was vorher gesagt wurde, dann auch die rote Linie ist.“ Zudem stehe ja auch fest: Ohne die SPD gebe es keine Koalition mit einer Mehrheit. Nach den aktuellen Hochrechnungen wäre in Berlin auch eine Koalition von CDU, Grünen und SPD möglich.