FAZ 05.10.2026
16:12 Uhr

Deutscher Automarkt: Der Elektrobonus belebt die Autonachfrage


Die Nachfrage von privaten Käufern an E-Autos steigt kräftig. Der Anteil an Neuzulassungen klettert auf 34,5 Prozent. Bleibt das Interesse auch ohne staatliche Förderung?

Deutscher Automarkt: Der Elektrobonus belebt die Autonachfrage

Die Nachfrage nach rein batterieelektrischen Autos belebt den deutschen Automarkt. Im September wurden nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts rund 88.600 rein elektrische Autos zugelassen, gegenüber 45.500 im Jahr zuvor. Der Anteil dieser Antriebsart (BEV) am gesamten Automarkt wuchs von 19,3 Prozent im September 2025 auf 34,5 Prozent im September 2026. Leicht gesunken ist der Anteil von Autos mit Plug-in-Antrieb, von 11,8 Prozent im September 2025 auf 10,8 Prozent im September dieses Jahres. Dennoch erreichte in Deutschland der Anteil von Personenwagen mit Ladestecker, in China generell als „Neue Elektroautos“ geführt, in diesem September mit 45,3 Prozent einen Rekordstand. Wie sehr die Belebung des Marktes für Elektroautos auf die Nachfrage von Privatkäufern zurückzuführen ist, zeigt die Verschiebung der Anteile von gewerblichen und privaten Zulassungen. Die gewerblichen Zulassungen, mit Mietwagen, Dienstwagen und Vorführwagen der Händler, hatten im September 2025 noch einen Anteil von 65,8 Prozent des Marktes. Bis September 2026 war ihr Anteil auf 59,7 Prozent gefallen. Förderung auch für chinesische E-Autos Im Gegensatz zu früheren Jahren richtet die Förderung der Bundesregierung für den Kauf von Elektroautos und Fahrzeugen mit Plug-in-Antrieb von maximal 6000 Euro in diesem Jahr sich nur an private Autokäufer. Der Umstand, dass die Förderung auch für alle Importautos bezahlt wird, lässt nun die Marktanteile einiger chinesischer Hersteller wachsen. Der größte chinesische Anbieter in Deutschland, BYD, mit etwas mehr 6000 neu zugelassenen Autos im September und einem Anteil von 2,4 Prozent am Gesamtmarkt, betonte in einer Mitteilung, dass der Anteil der Privatkäufer bei BYD mehr als 65 Prozent Anteil erreicht habe. Als Gewinner der Marktentwicklung sieht Constantin Gall von der Unternehmensberatung EY die chinesischen Anbieter. Die deutschen Konzerne hätten an Boden verloren und nur noch einen Marktanteil von 54 Prozent auf dem Heimatmarkt. Insgesamt wuchs der Automarkt in Deutschland im September 2026 gegenüber dem Vorjahr um 12,8 Prozent auf 235.500 Neuzulassungen. Private Nachfrage als Strohfeuer oder langfristige Belebung? Als Motor des Automarktes sieht Gall die staatliche E-Auto-Prämie. „Die wirkt, und zwar kräftig.“ Der Boom sei mit Steuergeld teuer erkauft und werde nur so lange andauern, wie die Förderung laufe. Für die Autokonzerne bleibe es schwierig zu entscheiden, ob nun die Kapazitäten für die Produktion von Elektroautos erhöht werden sollten oder ob die kräftig gestiegene private Nachfrage nach diesen Modellen nur ein Strohfeuer sein werde. In den ersten neun Monaten 2026 hätten in Deutschland die Neuzulassungen an rein elektrischen Autos 604.100 erreicht und die für Plug-ins 247.500 Autos, berichtete der Verband der Automobilindustrie (VDA). Die Autoproduktion in Deutschland habe in den ersten neun Monaten 2026 bei 3,03 Millionen gelegen, vier Prozent weniger als im Vorjahr und 15 Prozent weniger als 2019. Die Zahl der exportierten Autos für Januar bis September 2026 betrug nach den Angaben 2,29 Millionen, vier Prozent weniger als im Vorjahr. Die Bestellungen für rein elektrische Autos seien in den ersten neun Monaten im Vergleich zum Vorjahr um 66 Prozent gestiegen, hieß es.