Die Inflationsrate in Deutschland ist im September auf 3,3 Prozent gestiegen. Das hat das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Mittwoch aufgrund einer ersten Schätzung mitgeteilt. Im August hatte die Rate 2,9 Prozent betragen, nach 2,8 Prozent im Juli und 2,3 Prozent im Juni. Entscheidender Treiber der Inflation sind nach wie vor die Energiepreise, wenn auch nicht ganz ausschließlich. Sie legten auf Jahressicht 14,9 Prozent zu, die für Lebensmittel 0,4 Prozent, Waren 3,8 Prozent, Dienstleistungen 2,7 Prozent. Die Kerninflation, das ist die Teuerung ohne Energie und Lebensmittel, belief sich wie im Vormonat auf 2,4 Prozent. Eine gewisse vorübergehende Dämpfung der Inflation in Deutschland dürfte jetzt von Oktober an der Tankrabatt bringen. So war es jedenfalls bei der vorigen befristeten Energiesteuersenkung in den Monaten Mai bis Juni gewesen. Danach war die Inflation aber wieder in ähnliche Größenordnungen wie im Durchschnitt der Euroländer gestiegen. Die ersten Effekte dürfte man am Donnerstag an den Tankstellen sehen. „Der Tankrabatt dürfte die Inflation im Oktober wieder um etwa 0,3 Prozentpunkte dämpfen“, meinte Holger Schmieding, der Chefvolkswirt des Hamburger Bankhauses Berenberg. Nur einzelne Lebensmittel deutlich teurer Was genau alles teurer oder billiger geworden ist, verraten die schon detaillierter veröffentlichten Zahlen aus Nordrhein-Westfalen, die meistens einigermaßen repräsentativ für ganz Deutschland sind. Der entscheidende Posten der Teuerung ist damit weiterhin alles, was vom Energieträger Öl abhängt. Heizöl wurde auf Jahressicht um 49,9 Prozent teurer. Diesel verteuerte sich um 48,7 Prozent, Benzin um 33,8 Prozent. Der Preisanstieg für Kraftstoffe im Durchschnitt belief sich auf 36,9 Prozent. Einen Sondereffekt gibt es offenbar hinsichtlich des Erdgases. Da sind die Weltmarktpreise wie beim Öl stark gestiegen. Für Bestandskunden in Deutschland kommt das allerdings, anders als für Neukunden, erst nach und nach an. Zudem hatte dort die Abschaffung der Gasspeicherumlage zum Jahreswechsel für eine gewisse Entlastung gesorgt. Den Statistikern zufolge jedenfalls sank der Preis auf Jahressicht im Schnitt um 1,9 Prozent. Für Lebensmittel liegt die Teuerung im Durchschnitt nahe null, auch wenn einzelne Lebensmittel stark im Preis gestiegen sind. Obwohl beispielsweise Weizen auf den internationalen Märkten deutlich teurer geworden ist, stiegen die Brotpreise gegenüber dem Vorjahresmonat und auch gegenüber dem Vormonat lediglich um 0,1 Prozent. Inflationsbereinigt sanken sie also. Eine Erklärung: Der Getreidepreis macht an den Gesamtkosten eines Brotes einen relativ kleinen Anteil aus. Zudem spricht vieles dafür, dass die Menschen aufgrund der hohen Energiepreise an anderer Stelle sparen – und es den Unternehmen deshalb nicht so leicht gelingt, die Mehrkosten in Form von höheren Preisen an Verbraucher weiterzugeben. Bestimmte Gruppen von Lebensmitteln verteuerten sich gleichwohl erheblich. So legten die Preise für Gemüse auf Jahressicht um 11,2 Prozent zu. Für diese Entwicklung scheinen schlechte Ernten aufgrund der Trockenheit eine Rolle zu spielen. Besonders der Süden, der Südwesten und Teile Ostdeutschlands litten unter erheblichen Einbußen und teils heftigen Ernteausfällen. Fisch verteuerte sich auf Jahressicht um 5,3 Prozent. Billiger wurden beispielsweise Speisefette um 16,5 Prozent, Molkereiprodukte und Eier um 4,5 Prozent und Obst um 2,9 Prozent. Die Preise für Hotelübernachtungen stiegen nur um unterdurchschnittliche 2,3 Prozent. Das war schon mal mehr gewesen. Essengehen im Restaurant verteuerte sich um 3,2 Prozent. Versicherungsprämien, die lange Zeit auch die Teuerung getrieben hatten, stiegen nur noch um 1,8 Prozent. Weiterhin hoch ist die Teuerung in der Pflege: Dienstleistungen sozialer Einrichtungen legten im Durchschnitt 6,2 Prozent im Preis zu. 3,4 Prozent in Frankreich, 5,0 Prozent in Spanien Auch in anderen Euroländern hat die Inflation zum Teil deutlich zugelegt. In Frankreich, das durch politische Eingriffe für einige Zeit eher niedrige Raten gehabt hatte, stieg die Inflation im September von 2,6 auf 3,4 Prozent. Das ist der höchste Stand seit mehr als zwei Jahren. In Italien erhöhte sich die Rate von 3,2 auf 4,1 Prozent. In Spanien stieg sie von 4,6 auf 5,0 Prozent. Das ist ein noch höherer Wert, als Ökonomen erwartet hatten. Seit mehr als einem halben Jahr liegen die Inflationsraten in Deutschland und dem Euroraum insgesamt oberhalb des Ziels der Europäischen Zentralbank (EZB) von zwei Prozent. Die EZB hatte im Juni und im September die Leitzinsen jeweils um 0,25 Prozentpunkte angehoben. Der wichtigste Leitzins, der Einlagensatz, beläuft sich nun auf 2,5 Prozent. EZB will „mit Augenmaß“ reagieren Die nächste Zinsentscheidung der Notenbank steht am 29. Oktober an. An den Finanzmärkten wird es für wahrscheinlich gehalten, dass die Notenbank dann noch nichts macht, aber im Dezember die Zinsen abermals anhebt. Völlig ausgeschlossen wird eine Zinserhöhung im Oktober aber nicht. EZB-Präsidentin Christine Lagarde sagte in Brüssel, die Notenbank wolle „mit Augenmaß“ reagieren. Die Inflation bewege sich auf einem „mittleren“ Pfad, der von der EZB lediglich maßvolle Zinserhöhungen erfordere: „Zum jetzigen Zeitpunkt sehen wir keine Belege dafür, dass sich die Energiepreise auf die Löhne übertragen.“
