Liebe Leserin, lieber Leser, am Sonntag wird in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin gewählt. Der AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund steht nach dem Wahlerfolg in Sachsen-Anhalt schon jetzt vor einem Dilemma. Regieren kann er nur mit Partnern und Kompromissen, erfolgreich war er aber gerade mit kompromisslosen Auftritten. In der AfD wachsen deshalb die Sorgen vor einer unberechenbaren Fraktion, ungeeigneten Ministern, wackligen Koalitionspartnern und einem Machtverlust wie in Thüringen. Zugleich darf die Partei nicht den Eindruck erwecken, sie kneife trotz des Wahlsiegs vor der Verantwortung. Eine Koalition mit dem BSW erscheint vielen als beste, aber kaum realistische Option. Neuwahlen wären ebenfalls riskant. Die These unserer Autoren: Der Triumph könnte Siegmund und die AfD gerade deshalb entlarven, weil sie nun zeigen müssen, ob sie mehr können als Opposition. Lesenswert ist auch die zugehörige Leserdebatte. Das allgegenwärtige ungefragte Du, beim Bäcker, an der Supermarktkasse, bei der Bahn und sogar auf staatlichen Internetseiten, wirkt für Eugen El nicht locker, sondern übergriffig. Die förmliche Sie-Ansprache, findet er, schaffte Distanz, Respekt und Raum für einen sachlicheren Umgang, während das pauschale Du falsche Nähe suggeriere und den Weg zu einem raueren Ton verkürzen könne. El warnt zudem davor, dass mit dem Verschwinden von „Guten Morgen“, „Guten Tag“ und „Auf Wiedersehen“ auch ein Stück sprachlicher Vielfalt und kultureller Selbstverständlichkeit verloren gehe: In einer gereizten Gesellschaft könne mehr Höflichkeit und Förmlichkeit helfen, die öffentliche Debatte wieder zu versachlichen. Recht hat er, finde ich. Gegrüßt wird auch auf unseren Fluren nicht mehr selbstverständlich, was schade ist, geduzt schon, was in Ordnung ist, aber eben nicht pauschal. Und das ist der springende Punkt. Denn stets steht der Ausdruck gegenseitiger Wertschätzung im Mittelpunkt jeder Ansprache. Schließlich noch ein Gesundheitsthema, das in dieser Woche viel beachtet worden ist. Nächtlicher Harndrang ist weit verbreitet und längst kein reines Männerproblem, meist steckt weder Prostatakrebs noch eine Blasenentzündung dahinter. Mit zunehmendem Alter produziert der Körper nachts mehr Urin, die Blase verliert an Elastizität, und Flüssigkeit aus den Beinen wird im Liegen wieder ausgeschieden. Auch abendliches Vieltrinken, Schlafapnoe, eine überaktive Blase oder schlechter Schlaf können die sogenannte Nykturie auslösen. Helfen können weniger Flüssigkeit am Abend, hochgelegte Beine, ein Spaziergang oder gezieltes Blasentraining. Bei anhaltenden Beschwerden gibt es zudem Medikamente und andere Therapien. Wer nachts häufiger aufstehen muss, sollte die Ursache ärztlich abklären lassen, sich aber nicht vorschnell das Schlimmste ausmalen. Mehr dazu steht in diesem Text. Ihnen ein schönes Wochenende, einen in jedem Fall interessanten Wahlabend am Sonntag und vielen Dank für das Interesse an unserer Arbeit. Sollten Sie ein FAZ+ Abo und eine Frage dazu haben, schreiben Sie mir gerne eine E-Mail an c.knop@faz.de. Herzliche Grüße IhrCarsten KnopHerausgeberFrankfurter Allgemeine Zeitung
