FAZ 08.09.2026
15:39 Uhr

ChemiepArk Leuna: Investorensuche gescheitert


Seit Weihnachten kämpft Leuna um das größte Werk im Chemiepark. Jetzt steht das Aus für Leuna Polyamid fest. 440 Arbeitsplätze sind direkt betroffen.

ChemiepArk Leuna: Investorensuche gescheitert

Dem Chemiepark Leuna droht das Aus für eine der größten Anlagen an dem Chemiestandort in Sachsen-Anhalt. Denn die seit Monaten laufende Suche nach einem Investor für die insolvente Leuna Polyamid GmbH ist gescheitert. Das teilte das Unternehmen mit. „Mit dem heutigen Tag beginnen die Planungen für einen geordneten Abfahrbetrieb der Anlagen“, heißt es weiter. Etwa 440 Arbeitsplätze sind direkt betroffen. Mit Leuna Polyamid fällt aber auch ein wichtiger Baustein aus dem Chemieverbund in der Region. Bereits im vergangenen Jahr hatte der amerikanische Konzern Dow Chemical angekündigt, in den nächsten Monaten drei Anlagen im mitteldeutschen Chemiedreieck zu schließen. Leuna Polyamid will die für September geplante Produktion noch umsetzen, damit alle Vertragskunden die bestellte Ware erhalten, heißt es in der Mitteilung. Das Werk liefert unter anderem Kunstfasern für die Automobilindustrie. Parallel zu der Anfang Oktober erwarteten Eröffnung des Insolvenzverfahrens würden die Anlagen heruntergefahren, heißt es weiter. „Anschließend werden umfangreiche Maßnahmen zum Entleeren und Reinigen der Anlagen notwendig“, teilt das Unternehmen mit. Ob die Anlagen im Chemiepark zurückgebaut werden, ist derzeit noch offen. Leuna Polyamid hatte das Werk erst Anfang April vom insolventen Betreiber Domo Caproleuna übernommen. Die Tochtergesellschaft der belgischen Domo Gruppe hatte über die Weihnachtsfeiertage überraschend Insolvenz angemeldet. Daraufhin war zunächst das Land Sachsen-Anhalt im Rahmen einer Ersatzvornahme zur Gefahrenabwehr mit 80 Millionen Euro für die Finanzierung eines Notbetriebs der Anlagen eingesprungen, um die Suche nach einem Investor zu ermöglichen. Als diese erfolglos blieb, gründeten der Chemieparkbetreiber Infraleuna und das im Chemiepark ansässige Unternehmen Leuna Harze die Auffanggesellschaft Leuna Polyamid und übernahmen den Betrieb. Auffanggesellschaft stellt Insolvenzantrag Im Juni musste auch die Auffanggesellschaft einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung stellen, und es begann abermals eine Investorensuche. Sie ist am Wochenende endgültig gescheitert. „Wir müssen leider akzeptieren, dass die Marktbedingungen eine auskömmliche Produktion am Standort verhindern“, teilte das Unternehmen mit. Als Grund nennt die Geschäftsführung gestiegene Rohstoffpreise „insbesondere in der Golfregion“ sowie Vorkasseforderungen von Lieferanten, die die Liquidität überstiegen. Was das Aus für Leuna Polyamid für den Chemiepark Leuna bedeutet, ist noch offen. „Aktuell führen wir Gespräche mit den beteiligten Akteuren und analysieren die sich aus der Entwicklung ergebenden Konsequenzen“, hieß es am Dienstag auf Anfrage bei Infraleuna. Erst auf Basis dieser Gespräche werde eine fundierte Bewertung möglich sein. „Es ist eine Zäsur für den Chemiepark“, sagte Martin Naundorf, der Geschäftsführer von Leuna Polyamid, der zuvor das Standortmarketing für Infraleuna verantwortete und im Frühling an die Spitze der Auffanggesellschaft entsandt wurde. Die Landesregierung in Magdeburg dürfte das Thema ebenfalls noch beschäftigen. Denn die Abwicklung der Anlagen von Leuna Polyamid könnte den Landeshaushalt nach Einschätzung von Beobachtern noch einmal mit einem deutlich zweistelligen Millionenbetrag belasten.