FAZ 30.09.2026
07:59 Uhr

Bundesjugendspiele: Mehr als ein Tag


Bundesjugendspiele können ein Feuer entfachen. Für die einen durch Leistungen, für die anderen durch das Gemeinschaftserlebnis beim Sport. Doch wichtiger ist etwas anderes.

Bundesjugendspiele: Mehr als ein Tag

Sportliche Kinder brauchen keine schriftlichen Bestätigungen, um sich ihrer Leistung bewusst zu sein. Und sie haben ein feines Sensorium dafür, wer etwas kann – und wer nicht. Deswegen können sportliche Kinder auch grausam sein, aus Sicht derjenigen, die es nicht sind. Aus Sicht derjenigen, die erst zum Schluss in eine Mannschaft gewählt werden oder gar nicht erst mitspielen dürfen. Doch aus sportlichem Spiel kann sich ein großes Ganzes ergeben, wenn der „Homo ludens“ mit Begeisterung, Gemeinschaftssinn, auch Erfolgsorientierung in die richtigen Bahnen gelenkt wird. Der „spielende Mensch“ entwickelt seine kreativen und sportlichen Leistungen nicht aus einer Notwendigkeit heraus, um dem Ernst des Lebens zu trotzen, sondern allein, weil er es kann. Sportliche Kinder brauchen keine Extramotivation durch Urkunden. Sie gehen ihrer Leidenschaft ohnehin mit Hingabe und Disziplin nach. Ihre Motivation quillt aus dem Sporttreiben selbst hervor. Auf die anderen Kinder kommt es aber genauso an. Bei ihnen muss Bewegungserziehung ansetzen, damit aus Negativerfahrungen kein lebenslanger Sportfrust entsteht. Das ist die Aufgabe des Sportunterrichts. Sportplätze, Schwimmbäder und Turnhallen Olympische Spiele in Deutschland könnten die persönliche Motivation jedes Einzelnen, auf ein fernes Ziel hinzuarbeiten, ankurbeln. Doch auch Bundesjugendspiele können dieses Feuer entfachen, das beweisen sie seit 75 Jahren – für die einen durch das Erzielen persönlicher Bestleistungen, für die anderen durch das gemeinschaftliche Erlebnis beim Sport. All das ist nur möglich, wenn im Schulalltag die Rahmenbedingungen stimmen. Der Sportler braucht einen Sportplatz, der Schwimmer ein Becken, der Turner eine Halle. Und alle sind auf motivierte Lehrkräfte angewiesen, die ihnen den Weg zeigen. Die Schule als Organisationsform muss regelmäßig Zeit, Raum und Know-how zur Verfügung stellen, um das Ausleben des Bewegungsdrangs bei dem einen Schüler zu ermöglichen und beim anderen zu erwecken. Der gesundheitliche und kognitive Nutzen regelmäßigen Sporttreibens ist schon so häufig beschrieben, erforscht und nachgewiesen worden, dass er im allgemeinen Bewusstsein verankert sein sollte. So gesehen gehört es in den Bereich der vorsätzlichen Unsportlichkeit, dass die verbindliche dritte Sportstunde nicht längst jahrgangsübergreifend eingeführt ist. Viel zu oft fällt der Sportunterricht allerdings ohnehin aus, weil gerade keine Sportstätte oder keine Lehrkraft zur Verfügung stehen. Die Bundesjugendspiele können als Symbol einer Gesellschaft herhalten, die entscheiden muss, was sie darstellen möchte. Nicht der eine Tag ist wichtig, sondern der Rahmen, in dem dieser Tag stattfindet.