Für Bertelsmann wird das Geschäft mit der Bildung immer bedeutender. Ein milliardenschwerer Zusammenschluss bringt das Stiftungsunternehmen in Brasilien in die Spitzengruppe der dortigen Bildungsunternehmen, mit 900.000 Studenten und einem Umsatz von 1,6 Milliarden Euro. Konkret plant Bertelsmann in Brasilien, seine auf medizinische Aus- und Weiterbildung spezialisierte Hochschulgruppe Afya mit Yduqs zu fusionieren, einem Hochschulanbieter in den Bereichen Medizin, Wirtschaft, Recht und Naturwissenschaften. Buchclubs waren Keimzelle des Konzerns Geld fließt bei diesem Geschäft nicht, vielmehr kommt es zu einem Aktientausch, durch den Bertelsmann 47 Prozent der Aktien an dem fusionierten Unternehmen erhält. Dieses soll weiter in Brasilien börsennotiert sein. Der Börsenwert von Afya lag zuletzt bei 1,3 Milliarden Dollar, der von Yducs bei rund 550 Millionen Dollar. Das Geschäft soll bis in einem Jahr abgeschlossen sein, so der Plan. Der Zusammenschluss steht noch unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Prüfung. Die strategische Bedeutung des Geschäfts ist nicht auf den ersten Blick erkennbar. Mit Buchclubs ist Bertelsmann in der Nachkriegszeit groß geworden, längst aber hat sich daraus eine weitverzweigte Mediengruppe rund um TV, Buch und Musik entwickelt, ergänzt um eine hochrentable Servicesparte, die wiederum ihre Wurzeln in diesen Geschäften hat. Jetzt, mit der Entwicklung in Brasilien, ordnet sich die Bildung als neue Ertragsperle ein. Rendite von mehr als 37 Prozent 600 Millionen Euro Ergebnis (vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, Ebitda) wäre die Pro-Forma-Zahl für dieses Jahr, also gerechnet, als gäbe es den Zusammenschluss schon, erklärte Bertelsmann-Chef Thomas Rabe im Gespräch mit der F.A.Z., womit die Rendite mehr als 37 Prozent erreicht: „Das Bildungsgeschäft wird damit immer mehr zu einer tragenden Säule in unserem Portfolio.“ Wenige Monate vor seinem Ausscheiden kann der langjährige Bertelsmann-Chef damit weitere Ziele abhaken, die er sich vorgenommen hatte, darunter auch die breitere internationale Aufstellung. Insgesamt kommt der Konzern durch den Bildungsdeal pro forma auf einen Umsatz von 23 Milliarden Euro (davon acht Prozent in Brasilien) und ein Ebitda von mehr als vier Milliarden Euro. Und damit, so lässt Rabe durchblicken, ist die Reihe von Erfolgsmeldungen noch nicht unbedingt beendet. Das eine oder andere spannende Geschäft werde noch verhandelt. Gemeinsame Ziele und vergleichbare Werte Der jetzt unterschriebene Vertrag folgt der von Thomas Rabe ausgegebenen Strategie, das Wachstum von Bertelsmann über Kooperationen voranzutreiben. Auch im Fall der geplanten Fusion von Afya und Yduqs hat nach Rabes Worten das vertrauensvolle Verhältnis zu den Eigentümer-Familien Esteves (Afya) und Zaher (Yduqs) eine entscheidende Rolle gespielt. Den ebenfalls beteiligten Finanzinvestor Advent kenne man seit vielen Jahren, etwa durch Transaktionen im Sportrechte-Bereich. Für ein gelungenes Geschäft sei es wichtig, sorgfältig zu prüfen, ob man gemeinsame Ziele und vergleichbare Werte habe. Dann wiederum sei es nicht nötig, Milliarden auf den Tisch zu legen, um in einer Branche zu expandieren. Keimzelle der 2015 gegründeten Bertelsmann Education Group war die Übernahme von Relias Learning, einem Anbieter für Online-Bildung im Gesundheitswesen in den USA. Thomas Rabe, der drei Jahre zuvor vom Finanzvorstand auf den Chefposten von Bertelsmann gewechselt war, hatte damals das Ziel ausgegeben, die Bildung zu einer weiteren Säule des Portfolios aufzubauen. Als mittelfristiges Umsatzziel nannte Rabe damals eine Milliarde Euro. Das hat die Sparte im vergangenen Jahr mit 949 Millionen Euro fast geschafft. Die geplante Fusion in Brasilien wiederum katapultiert den Ergebnisbeitrag der Sparte auch schon in diese Richtung, mit absehbar 800 bis 900 Millionen Euro.
