FAZ 31.07.2026
12:50 Uhr

Bayreuther Brauhaus in Frankfurt: Lederhosen und Dirndl im Herzen von Frankfurt


Mitten in der Frankfurter Innenstadt wird jetzt bayrische Wirtshausküche serviert und fränkisches Bier ausgeschenkt: Das Bayreuther Brauhaus scheint vor allem auf das internationale Publikum am Main zu schielen.

Bayreuther Brauhaus in Frankfurt: Lederhosen und Dirndl im Herzen von Frankfurt

Die gerösteten Brotstreifen sind eine schöne Überraschung zum Auftakt. Im Grunde unspektakulär, aber zur Halben Bayreuther Hell einfach perfekt: dunkelbraun und extrem knusprig, ganz leicht mit Salz und Kräutern bestreut, dazu ein Schälchen Sauerrahm – so lässt sich der erste Appetit zum Bier stillen. Natürlich ginge das auch mit einer einfachen Brezn oder dem Griebenschmalzbrot, das ebenfalls unter der Rubrik „Vorneweg“ in der Karte steht. Aber die dicken Röstbrotteile sind mit ihrer krossen Deftigkeit nicht zu schlagen. Statt Rumpsteak, Ofenkartoffel und Coleslaw werden an der Frankfurter Hauptwache jetzt Obatzter, Leberkäs und Haxe aufgetischt: Dort, wo im Allianzhaus, 1950 erbaut und zuletzt 2007 komplett saniert, eine gefühlte Ewigkeit lang eine Filiale der Steakhauskette Maredo ihr Quartier hatte, ist vor ein paar Wochen nach einem umfangreichen Umbau das Bayreuther Brauhaus eingezogen. Im Erdgeschoss ist ein Stehausschank mit einer Theke und hohen Tischen entstanden, vor der Tür eine gar nicht mal zu kleine Terrasse und im Obergeschoss eine riesige Gaststube, von der aus die Gäste durch die große Fensterfront einen schönen Blick auf das Treiben rund um die Hauptwache haben – alles im modernen, bayrischen Wirtshausstil mit Holzvertäfelung, Bierkrügen, Kupferbiertank hinter der Theke und Personal in Karohemd, Lederhosen und Dirndl. Zum zweiten Bier kommt die zweite positive Überraschung an den Tisch: das Leberkäs-Carpaccio. Das klingt zwar so wie das einst von einem Comiczeichner als Feinschmecker-Parodie ersonnene „Carpaccio von Bockwurst an Senf“, ist auf dem Teller aber tatsächlich eine sehr gelungene und vergleichsweise leichte Kreation: sehr dünn geschnittene Leberkässcheiben mit Honig-Senf-Marinade, Radieschen, Tomaten, roten Zwiebeln und Croûtons (9,90 Euro). Auch am Wirtshaussalat mit einem großen Stück Backhendl, Kartoffelsalat, Feldsalat und Kürbiskernöl-Dressing (17,90 Euro) ist ganz und gar nichts auszusetzen. Ebenso wenig wie später am sehr knusprigen, fränkischen Schweineschäufele, das mit dunkler Biersoße, Kartoffelkloß und einem Schälchen Speckkrautsalat (22,90 Euro) zur dritten Halben serviert wird. „Wirtshausklassiker mit frischen Ideen“ haben sich die Brauhaus-Macher auf die Fahnen geschrieben – und das liefern sie auch: solide Kost und für Frankfurter Verhältnisse und die exponierte Lage in der Innenstadt sogar einigermaßen günstige Preise, die bis auf ein paar Ausnahmen unter der 20-Euro-Schwelle bleiben. Die dritte positive Überraschung in diesem großen, durchgetakteten und auf viele Gäste eingestellten Betrieb ist das Personal. Egal wie voll, egal wie hektisch es ist, die Servicekräfte bleiben freundlich und zugewandt und erklären mit Engelsgeduld zum Beispiel die Unterschiede zwischen den drei Zapfbier-Versionen Halbe, Schnitt und Milky und auf Nachfrage auch, warum außer Bayreuther Hell und Bayreuther Urstoff auch Aktien Kellerbier, Aktien Landbier und Maisel’s Weisse ausgeschenkt werden – weil das Bayreuther Brauhaus nämlich Teil des Maisel-Konzerns ist. Was das alles mit Frankfurt zu tun hat? Eigentlich nichts! Die Idee, an der Hauptwache ein bayrisches Wirtshaus, noch dazu so ein großes, aufzuziehen, ist wohl weniger für die Einheimischen als viel mehr für das internationale Touristenpublikum gedacht. Und für viele Amerikaner, Chinesen und Japaner dürfte das Brauhaus tatsächlich genau das bieten, was sie sich unter „typisch deutsch“ vorstellen. Dass es am Main ein bisschen anders zugeht als an der Isar, dass man hier nicht Obatzter, sondern Spundekäs isst und nicht Servus, sondern Gude sagt, wird für die wenigsten Gäste eine Rolle spielen. Und deshalb werden sie wohl auch kaum wahrnehmen, dass sich auf Seite 16 der umfangreichen Karte dann doch noch etwas typisch Hessisches findet: Apfelwein von der Bergstraße, pur, sauer oder süß. Bayreuther Brauhaus, An der Hauptwache 7, Frankfurt, Telefon 0 69/24 14 03 79, Internet bayreuther-brauhaus-frankfurt.de. Geöffnet täglich von 11 bis 24 Uhr, freitags, samstags und an Feiertagen bis ein Uhr.