Dlf 06.09.2026
23:30 Uhr

Newsblog zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt - Deutliche Niederlage der CDU - mögliche Regierungskonstellationen noch unklar




Newsblog zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt - Deutliche Niederlage der CDU - mögliche Regierungskonstellationen noch unklar
Im Wahlkreis Magdeburg III kam Schulze laut vorläufigem Ergebnis auf 31,7 Prozent und lag damit hinter dem erstplatzierten AfD-Kandidaten Christian Mertens, der 35,2 Prozent erreichte, wie das Statistische Landesamt in Halle mitteilte. Bei der Wahl 2021 hatte die CDU noch eindeutig die meisten Erststimmen in dem Wahlkreis erreicht. Er ging mit 32,6 Prozent an die Christdemokratin Anne-Marie Keding. Mertens, der auch damals schon in dem Wahlkreis antrat, kam auf 16,5 Prozent.

+++ Der Sieg der AfD hat in den europäischen Nachbarländern unterschiedliche Reaktionen ausgelöst.

Der polnische Ministerpräsident Tusk erklärte im Onlinedienst X, in Polen könnten sich "nur Idioten oder Verräter über den Triumph der AfD in Deutschland freuen". Der französische Europaminister Haddad erklärte ebenfalls auf X, es handele sich um einen "schwerwiegenden Moment in Europa". Man müsse den Zorn, die Sorgen und Ängste anhören und darauf reagieren. Doch Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit seien niemals die Lösung.
Der tschechische Parlamentspräsident Okamura, Vorsitzender der rechtsextremen SPD, sagte hingegen im tschechischen Fernsehen, er wolle der AfD für ihren Sieg gratulieren. Er sei das Ergebnis der "schlechten Politik der aktuellen liberalen, EU-freundlichen Parteien", sagte Okamura, dessen Partei Juniorpartner in der rechten Koalition von Ministerpräsident Babis ist.

+++ Die Polizei in Sachsen-Anhalts Landeshauptstadt Magdeburg hat einen störungsfreien Verlauf des Wahlwochenendes verzeichnet.

Wie die Beamten mitteilten, verliefen die Demonstrationen in der Stadt über das gesamte Wochenende weitgehend störungsfrei und ohne nennenswerte Vorkommnisse. Lediglich vereinzelt seien Straftaten registriert worden. Am Wahltag gab es keine "relevanten Ereignisse". Insgesamt fanden demnach am Wochenende 16 Versammlungen mit 15.000 Teilnehmern statt.

+++ Ein Einzug des BSW in den Landtag zeichnet sich ab.

Das geht aus Hochrechnungen von ARD und ZDF hervor. Danach kommt das BSW auf 5,1 ⁠beziehungsweise 5,0 ⁠Prozent ‌der Stimmen. Mit dem Einzug des ​BSW hätte ‌die AfD die absolute Mehrheit zwar verfehlt. Das BSW könnte der AfD ‌aber ‌zur Macht verhelfen.

+++ Der Deutsche Journalistenverband (DJV) wehrt sich gegen die Drohungen des AfD-Spitzenkandidaten Siegmund, den Staatsvertrag mit dem MDR zu kündigen.

Siegmund begründete dies mit angeblicher Desinformation und Fake News im Wahlkampf und seinem Widerstand gegen die von ihm als "Zwangsabgabe" bezeichnete Rundfunkgebühr. "Das ist eine Unverschämtheit, die nichts mit der Qualität der MDR-Berichterstattung zu tun hat", erklärte der DJV-Bundesvorsitzende Beuster.

+++ Die Junge Union Sachsen-Anhalt fordert übereinstimmenden Medienberichten zufolge den Rücktritt von Ministerpräsident Schulze.

Unter anderem die Deutsche Presse-Agentur und das Magazin "Stern" zitieren aus einem Beschlusspapier der JU Sachsen-Anhalt: "Die CDU Sachsen-Anhalt braucht einen umfassenden Neuanfang. Deshalb fordern wir den Rücktritt und die zeitnahe Neuwahl der gesamten Landesführung – vom Landesvorsitzenden bis zum gesamten Vorstand." Nach einer Niederlage dieses Ausmaßes dürfe es kein Weiter-So geben.

+++ Der Ministerpräsident und CDU-Landesvorsitzende Schulze hat die Niederlage seiner Partei eingestanden und der AfD zum Wahlsieg gratuliert.

Schulze ließ im ARD-Interview offen, wie er und die CDU weiter vorgehen werden.
Außerdem beklagte er die Folgen der Politik der Bundesregierung von Bundeskanzler Merz, die zu seiner Niederlage beigetragen habe. "Wir hatten oft Gegenwind und das war nicht immer ganz einfach." Er betonte, dass dies kein "schwarzer Tag" für ‌Sachsen-Anhalt sei. "Ich sage, das ist Demokratie und die Menschen sind heute zur Wahl ⁠gegangen", betonte Schulze. Es gelte jetzt für diejenigen, die im Landtag Verantwortung trügen, aber auch über Sachsen-Anhalt hinaus, dass man mit Ergebnis umgehe und dass man dieses Zeichen auch erkenne.
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Diese Nachricht wurde am 07.09.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.