Dlf 31.07.2026
20:45 Uhr

Migrations-Krise - Wegen Ceuta: Frankreich verstärkt Grenzkontrollen zu Spanien, Italien setzt Schengen aus


Frankreich verschärft nach der Ankunft zehntausender Migranten in der spanischen Exklave Ceuta in Nordafrika seine Kontrollen an der Grenze zu Spanien. Innenminister Nuñez teilte mit, es würden zusätzliche Soldaten, Polizisten und Einheiten der Gendarmerie an die Grenze geschickt.

Migrations-Krise - Wegen Ceuta: Frankreich verstärkt Grenzkontrollen zu Spanien, Italien setzt Schengen aus
Außerdem würden drei Flugzeuge zur Luftüberwachung sowie Drohnen eingesetzt und Patrouillen in den Zügen auf der französisch-spanischen Bahnstrecke verstärkt. 
Derweil setzt Italien das Schengen-Abkommen mit Spanien für zunächst einen Monat aus. Innenminister Tajani erklärte, dieser Schritt sei notwendig, um die Sicherheit der italienischen Bürger zu gewährleisten und die europäischen Grenzen zu schützen. Italien hat keine Landgrenze mit Spanien. Die Maßnahme dürfte daher neue Grenzkontrollen für Reisende bedeuten, die mit dem Flugzeug oder Schiff unterwegs sind. Kritiker der rechtsgerichteten Regierung in Rom werteten dies als Symbolpolitik.
Zuvor hatte Ministerpräsidentin Meloni bereits einen vorübergehenden Ausschluss Spaniens aus dem Schengen-Raum gefordert. Die finnische Innenministerin Rantanen unterstützte Melonis Vorstoß. Sie begründete dies auf X damit, dass Madrid bei der Kontrolle seiner Außengrenzen versagt habe. Ähnlich äußerten sich die Regierungen Dänemarks und Tschechiens. Österreichs Bundeskanzler Stocker kritisierte, Spaniens Migrationspolitik habe sich gar als "Anreiz für illegale Migration" erwiesen.

Debatte auch in Deutschland

In Berlin kündigte Bundesinnenminister Dobrindt an, dass die Kontrollen an den deutschen Grenzen über September hinaus verlängert werden sollen. Der CSU-Politiker begründete dies ebenfalls mit der Situation in Ceuta. Dobrindt betonte, "unsere Erfolge beim Zurückdrängen der illegalen Migration müssen erhalten und weiter ausgebaut werden." Die Lage in Ceuta zeige, wie hoch der "Migrationsdruck" auf Europa weiterhin sei. Bundeskanzler Merz forderte Spanien auf, die Situation schnellstmöglich in den Griff zu bekommen und die Außengrenzen zu schützen. Von Marokko verlangte Merz, unerlaubt eingereiste Personen unverzüglich wieder zurückzunehmen.
Die AfD-Vorsitzende Weidel forderte, es müsse sichergestellt werden, dass die Migranten von Ceuta aus niemals den europäischen Kontinent beträten. Der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Fiedler, sagte, seine Sorge sei nicht in erster Linie, dass die Menschen nach Deutschland weiterzögen. Er sehe eher das Risiko neuer Migrationsbewegungen, weil Schleuser den Eindruck vermittelten, dass eine bestimmte Route in die EU Erfolg verspreche. Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linken, Bünger, sagte, Deutschland und die EU stünden in der Pflicht, Schutzsuchende aufzunehmen.

Zehntausende sollen bereits zurückgekehrt sein

In den vergangenen Tagen haben rund 60.000 Menschen Ceuta von Marokko aus überwiegend schwimmend erreicht. 57 Menschen kamen bei dem Versuch ums Leben. Inzwischen sind nach Angaben aus Madrid bereits mehr als 48.000 der Migranten in ihre Heimat zurückgekehrt. Auslöser der jüngsten Entwicklung war offenbar eine Entscheidung des spanischen Obersten Gerichts, dass über das Meer eintreffende Migranten nicht ohne ordnungsgemäßes Verfahren zurückgeschickt werden dürfen.
Diese Nachricht wurde am 31.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.