Grundsätzlich finden es Fachverbände und die Opposition gut, dass nachgebessert wurde. Trotzdem wird befürchtet, dass das Angebot für ambulante psychotherapeutische Behandlungen vor allem für gesetzlich Versicherte deutlich schlechter wird.
Auch Wissenschaftler warnten zuletzt vor Nachteilen für Patienten durch die Einsparungen bei der Psychotherapie. Der Gesundheitsökonom Alexander Konnopka befürchtet, dass der Ausbau der psychotherapeutischen Versorgung dadurch gestoppt wird und bestimmte Patientengruppen noch schwerer einen Therapieplatz finden. Der Professor der Universität Leipzig führte aus, zwar sei es wichtig, dass Kinder, Jugendliche und Menschen mit besonders dringendem Behandlungsbedarf von bestimmten Einsparungen ausgenommen werden. Allerdings könnten sich Psychotherapeuten dadurch künftig verstärkt diesen Gruppen zuwenden – zulasten aller anderen Patienten.
Psychologin Schneider: Psychotherapie leichter zugänglich machen und stärker in Vorbeugung investieren
Die Psychologin Silvia Schneider forderte, die Psychotherapie leichter zugänglich zu machen und stärker in die Vorbeugung psychischer Erkrankungen zu investieren. Die Professorin für Klinische Kinder- und Jugendpsychologie von der Ruhr-Universität Bochum erklärte, Patienten müssten je nach Dringlichkeit und Schwere ihrer Beschwerden eine passende Behandlung erhalten – von leicht zugänglichen Kurzzeitangeboten bis hin zu intensiven Langzeittherapien. Außerdem müsse der Erfolg der Behandlungen kontinuierlich überprüft werden. Andere Länder hätten ihre psychotherapeutische Versorgung auf diese Weise bereits erfolgreich umgebaut.
Hintergrund der Debatte sind die im Rahmen der GKV-Reform beschlossenen Einsparungen im Gesundheitswesen und die weiterhin langen Wartezeiten auf einen Therapieplatz. Gleichzeitig steigt der Bedarf an psychotherapeutischer Unterstützung, weil immer mehr Menschen wegen Depressionen, Angststörungen oder anderer psychischer Belastungen Hilfe suchen. Die Bundesregierung hatte im Sommer dennoch beschlossen, bei der Psychotherapie deutlich zu sparen - dagegen gab es viel Protest. Union und SPD einigten sich schließlich auf Abmilderungen.
Ab einer bestimmten Stundenanzahl erhalten Psychotherapeuten künftig für jede weitere Stunde weniger Geld
Bisher ist es so, dass Therapeuten für jede geleistete Stunde ein festes Honorar bekommen. Das sollte durch das ursprüngliche Sparpaket der Bundesregierung generell gedeckelt werden: Ab einer bestimmten Stundenanzahl gibt es für jede weitere Stunde weniger Geld. Nach den aktuellen Nachbesserungen gilt diese Kürzung nun nicht mehr für alle Fälle. Ohne diese Ausnahmen, so warnt die Deutsche Psychotherapeutenvereinigung, wären viele Praxen in finanzielle Schwierigkeiten geraten.
Diese Nachricht wurde am 16.10.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
